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Zur Vorgeschichte (Sie nannten es »Gotha«)

Deniz Yücel, Rede bei der feierlichen Eröffnung der Tagung des deutschen PEN-Zentrums und anlässlich der Verleihung des Kurt-Sigl-Lyrikpreises am 12. Mai 2022 in Gotha: »Man kann diese Zerrissenheit zwischen ›Nie wieder Krieg‹ und ›Nie wieder Faschismus‹ auch in lyrischen Begriffen darstellen: Wolfgang Borchert oder Paul Celan? ›Sag Nein‹ oder ›Wir schaufeln ein Grab in den Lüften‹?« Dokumentiert in: Welt, 17. Mai 2022, LINK und PDF

ARD, Tagesthemen, Bericht von Andreas Franz, 13. Mai 2022: »Die PEN-Mitgliederversammlung in Gotha hat kaum begonnen, da geht der Streit schon los.« VIDEO

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Jan Wiele, 13. Mai 2022: »Die Seele des Vereins sei der Knatsch? Dieses Tucholsky-Zitat bemühte Deniz Yücel noch einmal, um den gegenwärtigen Zustand des deutschen PEN zu beschreiben, aber als amtierender Präsident dieser Schriftstellervereinigung sah er sich schnell eines Besseren belehrt: Die Seele des Vereinslebens ist die Bürokratie.« LINK

taz, Bericht von Dirk Knipphals, 14. Mai 2022: »Als Deniz Yücel die Versammlung eröffnen wollte, wurde er von Buhrufen gestört. PEN-Mitglieder sprachen von einer ›vergifteten Atmosphäre‹, von einer von Anfang an spürbaren ›Eskalation‹, von ›wenig Bereitschaft‹, überhaupt zuzuhören, und von einer ›disparaten Diskussion‹. Ein Mitglied wähnte sich ›im falschen Film‹, ein anderes sprach sarkastisch vom ›Gott des Gemetzels im Vereinsheim‹.« LINK

Berliner Zeitung, Bericht von Cornelia Geißler, 13. Mai 2022: »Obwohl Yücel anfangs sehr ruhig, geradezu sanft sprach, schlugen ihm Buhrufe entgegen, als er die Veranstaltung eröffnen wollte. Ein Mann nach dem anderen meldete sich (Frauen mischten sich erst später ein), um das ganze Treffen in Frage zu stellen, weil bestimmte Formalien angeblich nicht eingehalten worden waren.« LINK

dpa, Bericht von Annett Gehler, 13. Mai 2022, übernommen u.a. von Zeit-Online: »Yücel hatte sich gleich zum Auftakt des Treffens mit Buh-Rufen und Beleidigungen konfrontiert gesehen. (…) Es gehe bei den Querelen nicht um einen Generationenkonflikt, betonte Yücel, der in Gotha auch öffentlich machte, zu Jahresbeginn an einer Depression gelitten zu haben. Das Präsidium, das den PEN zurück auf die Höhe der Zeit führen wolle, habe gleich mehrere Probleme geerbt, hieß es in seinem Bericht.« LINK

3Sat, Kulturzeit, Bericht von Robert Ackermann u.a., 13. Mai 2022: »Bitte? Arschloch? Krawall und mitunter peinliches Remmidemmi bei der eigentlich doch so ehrwürdigen Schriftstellervereinigung PEN Deutschland.« VIDEO

Deutschlandfunk, Kultur heute, Bericht von Henry Bernhard, 13. Mai 2022: »Als er [Deniz Yücel] angegriffen wurde, weil er eine Autorin aus dem Sudan in Paris abgeholt hat, statt sie mit dem ICE fahren zu lassen, da wurde er doch mal ausfällig (…). Wörtlich sagte er: (…) ›Sie können mich abwählen wollen –, alles gut, ist Ihr gutes Recht. Aber das Schicksal von Menschen, deren Unterstützung sich dieser Verein auf die Fahnen schreibt, auf derart schäbige Weise hier vorzutragen, das ist wirklich widerlich.‹« AUDIO

Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, Bericht von Henry Bernhard, 14. Mai 2022: »[Deniz Yücel:] ›Ich möchte nicht Präsident dieser Bratwurstbude sein. Ich trete zurück und ich trete hiermit aus diesem Verein aus!‹ Dramatischer hätte der Rück- und Austritt von Deniz Yücel wohl nicht werden können.« LINK und AUDIO

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Jan Wiele und Julia Encke, 13. Mai 2022: »Auf Twitter erläuterte Yücel noch am Abend die Gründe für seinen Rücktritt: ›Wir mussten heute feststellen, dass unsere Versuche, den deutschen PEN zu einer modernen NGO zu machen und ihm in zeitgemäßer Form seiner alten Relevanz als Intellektuellenvereinigung zurückzugeben, von einer Mehrheit nicht gewollt‹ seien.« LINK

Deutschlandfunk Kultur, Fazit, Bericht von Henry Bernhard, 14. Mai 2022: »Nikola Anne Mehlhorn sagte heute, sie schäme sich für diesen Krieg im PEN in Kriegszeiten. Der PEN sei intern das, was er außen bekämpfe: Es gebe da Hass, Hetze, Xenophobie und Homophobie; sie brachte auch Beispiele dafür. (…) Und wir sind hier noch nicht bei Debatten um Wokeness und Ähnlichem, diese Debatten im PEN sind sehr weit zurück.« LINK und AUDIO

Zeit-Online, Kommentar von David Hugendick, 14. Mai 2022: »Natürlich steht im Kern der Auseinandersetzung die Frage, wie die Aufgabe des PEN überhaupt zu interpretieren ist. (…) Ist er ein Verband, in dem es hauptsächlich um Literatur geht? Oder ist er eine eher aktive politische Institution, wie Yücel es sich offenbar vorgestellt hat?« LINK

Tagesspiegel, Beitrag von Gerrit Bartels, 13. Mai 2022: »Man könnte nun natürlich sagen, dass hier eine beleidigte Bratwurst auf Bratwursthaftigkeit in einer Bratwurstbude trifft. Aber auch, dass Deniz Yücel sich in seiner latenten Unberechenbarkeit treu geblieben ist.« LINK

NDR Kultur, Kommentar von Jürgen Deppe, 14. Mai 2022: »Wenn Yücel sich selbst jetzt in ungebrochenem Selbstbewusstsein wieder und wieder als die ›Galionsfigur des PEN‹ bezeichnet, ja, sich bei der Tagung in Gotha als Geschenk für den PEN stilisiert, der es ja eigentlich gar nicht nötig habe, sich dafür zu engagieren: ›Take it or leave it, PEN‹ – dann zeugt das von genau dem schlechten Stil, den er im PEN von Anfang an an den Tag gelegt hat.« LINK und AUDIO

NDR Kultur, Interview von Eva Schramm mit Gregor Sander, 14. Mai 2022: »Ich fand zum Beispiel diese Diskussion um das Flugverbot in der Ukraine gar nicht so schlecht – dass man darüber einmal spricht. Ob der PEN jetzt dafür ist oder nicht, das finde ich gar nicht so entscheidend. Aber [Deniz Yücel] hat den PEN wirklich aus einer Ecke in die Mitte gerückt. Durch seine Prominenz und seine Geschichte als Opfer eines Diktators konnten wir in einer Ebene politisch einsteigen, die anderen Präsidenten nicht möglich gewesen wäre.« LINK und AUDIO

Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Cornelius Pollmer, 14. Mai 2022: »Jetzt aber ist Yücel weg und eine gewisse Bratwursthaftigkeit ist auch ihm zu attestieren. Was ist vorläufig abschließend über den tragischen Helden zu sagen? Vielleicht, dass er gleichzeitig exakt das gewesen ist, was der narkoleptische PEN braucht – nur davon eben so dermaßen zu viel, dass Yücel höchstselbst sich und seine Arbeit am Ende verunmöglicht hat.« LINK [€] und PDF

Welt, Beitrag von Marc Reichwein, 14. Mai 2022: »Am zweiten Tag der Versammlung meldeten sich via Zoom mehrere Schriftsteller zu Wort, die am Vortag noch geschwiegen hatten, unter ihnen Daniel Kehlmann: ›Es war viel von Mobbing die Rede, gestern haben wir Mobbing von einer Seite erlebt, den Aufstand einer brüllenden Minderheit.‹« LINK [€] und PDF

dpa, Bericht von Annett Gehler, 14. Mai 2022, übernommen u.a. von Zeit-Online: »Die Schriftstellerin Julia Franck sprach von einem ›Höllenspektakel‹ in Gotha und Gefechten, an denen sie sich nicht beteiligen wolle. Ihre Kollegin Thea Dorn sagte, für sie mache ein Verbleib im PEN nur Sinn, wenn sich die Vereinigung radikal neu aufstelle. PEN-Mitglied Herbert Wiesner mahnte: ›Wir brauchen einen Neuanfang mit jüngeren Leuten nach diesem Desaster, wir steuern ins Nirwana.‹« LINK

Tagesspiegel, Kommentar von Gerrit Bartels, 14. Mai 2022: »Das Ansehen des PEN hat jetzt Schaden genommen; ob es gleich ein Scherbenhaufen ist, vor dem er steht, sei dahin gestellt. Die Aufmerksamkeit für sein Wirken im letzten halben Jahr war so groß wie nie.« LINK [€]

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Julia Encke, 15. Mai 2022: »So erklärte zunächst nur Vizepräsident Ralf Nestmeyer seinen Rücktritt. Er hatte eng und gut mit Yücel zusammengearbeitet. Die Schriftstellerin Ursula Krechel kündigte an, ihre Ehrenpräsidentschaft ruhen zu lassen. Sie wisse im Moment wirklich nicht, was sie repräsentieren solle und was das mit ›Ehre‹ zu tun habe.« LINK [€]

taz, Beitrag von Ralf Sotscheck, 15. Mai 2022: »[Generalsekretär Heinrich] Peuckmann prahlte in seiner Rede damit, dass die Liste der Veröffentlichungen in seinem Wikipedia-Eintrag viel länger sei als in Yücels Eintrag. Es war zum Fremdschämen! (…) Und es gab viel mehr Peinlichkeiten. Am Samstag begründete Nikola Anne Mehlhorn ihren Rücktritt mit Homosexuellen- und Ausländerfeindlichkeit im Verband und zitierte ein nicht namentlich genanntes Mitglied, von dem Helfer schwulenfeindlich beleidigt worden sei.« LINK

Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Cornelius Pollmer, 15. Mai 2022: »Einen größeren Schaden als den, den er verursacht hat, hat Yücel aber sichtbar gemacht. In der breiteren Öffentlichkeit hatte man vom PEN bis zum Antritt Yücels absolut noch gar nichts mitbekommen – und ein solches Schicksal eines langsam austrocknenden Seniorenstifts droht ihm jetzt trotz zahlreicher respektabler Mitglieder natürlich wieder.« LINK [€]

Süddeutsche Zeitung, Interview von Cornelius Pollmer mit Deniz Yücel, 15. Mai 2022: »Die Auseinandersetzung war: Gehört ›Writers in Exile‹ zum PEN oder ist es ein eigener Bereich? (…) Wen nehmen wir ins Programm auf? Wessen Veröffentlichungen in welchem Verlag werden gefördert? Wo unterhalten wir Wohnungen? (…) Ein Beispiel kurz vor meiner Zeit: Der belarussische Autor Sasha Filipenko, meines Erachtens ein kommender Nobelpreiskandidat, wollte in dieses Programm. Die Geschäftsstelle des PEN wies ihm eine Wohnung in Kamen zu – wo PEN-Generalsekretär Peuckmann lebt. (…) Später erzählte [Filipenko] mir, was vorgefallen war. Er sagte, seine Frau und er hätten die Wohnung in Kamen abgelehnt, weil sie dachten: In dieser Kleinstadt gehen wir zugrunde. Er sei nicht vor Lukaschenko geflohen, damit ihm noch irgendwer befiehlt, was er tun und lassen soll.« LINK [€] und PDF 

taz, Kommentar von Dirk Knipphals, 15. Mai 2022: »Kulturelle Institutionen pflückt man nicht einfach von den Bäumen. Und Organisationen, die für die Freiheit des Wortes und verfolgte Au­to­r*in­nen kämpfen, werden, wie die Weltlage nun einmal ist, gebraucht. So kann man nur hoffen, dass sich jetzt, nach dem Totaldesaster von Gotha, die Ansätze zu einem Neuanfang in der Schriftstellervereinigung durchsetzen werden.« LINK 

WDR 5, Scala, Bericht von Cornelia Wegerhoff, 16. Mai 2022: »Es gab am Samstagabend eine Podiumsdiskussion auf Schloss Friedensstein – man kann sich’s nicht schöner ausdenken, wenn man es schreiben würde. Deniz Yücel – man hat überlegt: kommt er vielleicht gar nicht mehr? (…) Nee, er war pünktlich da. Und man hat sich noch mal kurz zur Flugverbotszone geäußert. Er müsse das doch sagen können, er sei kein Politiker. Dann hat man diskutiert, mit einer ukrainischen Autorin unter anderem. Man hatte sich lange im Griff. Aber irgendwann brach der Kleinkrieg im PEN am Rande der Diskussion über den Krieg in der Ukraine doch wieder aus.« LINK und AUDIO

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Friedrich Christian Delius, 16. Mai 2022: »›Ich trete mit dem heutigen Tag aus dem Deutschen PEN aus, grüße und beglückwünsche auf diesem Weg Deniz Yücel, (…) esse die gute Thüringer Bratwurst nur in Thüringen und brate die einzige zu mir passende Bratwurst, die Merguez aus Lammfleisch, wie stets lieber in Eigen­regie statt im Verein, erst recht in einem solchen Kleingeisterverein.« LINK

Frankfurter Rundschau, Kolumne von Judith von Sternburg, 16. Mai 2022: »Luther, ein Mann, der ebenfalls mit starken und Furore machenden Bildern arbeitete, platzierte seinerseits einen markanten Bratwurstvergleich. Und zwar verglich er Jesus mit einer Bratwurst.« LINK

Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, Kommentar von Jörg Magenau, 16. Mai 2022: »Wenn es heute (…) nur noch um Führungs-Stilfragen, um Beleidigtsein und gutes oder schlechtes Benehmen geht, braucht es den PEN nicht mehr. Dann könnte auch Amnesty International die Arbeit übernehmen – wo im Übrigen viel weniger über Bedeutung und Jahrestagungen gesprochen wird.« LINK und AUDIO

Spiegel, Interview von Xaver von Cranach mit Maxi Obexer, 17. Mai 2022: »Es gibt meines Wissens überhaupt keine inhaltliche Kritik an dem, was Deniz Yücel und seine Mitarbeiter:innen im Präsidium angeschoben haben. Im Gegenteil, sie haben hervorragende Arbeit geleistet und haben wichtige Anstöße gegeben.« LINK [€]

Zeit-Online, Interview von Johannes Schneider mit Josef Haslinger, 17. Mai 2022: »Das Misstrauen, ich könnte eine Art Handlanger der einen Seite sein, also derjenigen, die dafür gesorgt haben, dass bestimmte Mitglieder des Präsidiums abgewählt werden sollten, was schließlich zum Rücktritt des Präsidiums geführt hat, schlägt mir durchaus entgegen.« LINK

Berliner Zeitung, Interview von Cornelia Geißler mit Josef Haslinger, 18. Mai 2022: »Mir ist schon klar, Bratwurstbude meint Biederkeit, eine gewisse Unbeweglichkeit in Bezug auf neue Entwicklungen, den Versuch, alte Heimeligkeiten zu wahren. Ich tue mich aber schwer mit der Zuordnung dieses starken Bildes für den PEN.« LINK

Die Zeit Nr. 21/22, Kommentar von Jana Hensel, 18. Mai 2022: »Der wahrscheinlich größte Fehler seiner nur sieben Monate dauernden Amtszeit war, dass er und seine Mitstreiter am vergangenen Wochenende beim PEN-Kongress in Gotha verloren haben. (…) Yücel steht in der Tradition von Heinrich Heine, Georg Büchner, Ludwig Börne. Wenngleich selbst kein Schriftsteller, so ist er doch mit literarischer Energie und großem intellektuellem Furor ausgestattet. In seinem Leiden an den Philistern und Vereinsmeiern steht der Journalist seinen Ahnen in nichts nach. Allein, einen solchen Charakter verträgt das deutsche Vereinsrecht offenbar nicht.« LINK [€] und PDF

Der Freitag Nr. 20/22, Beitrag von Nora Gomringer, 18. Mai 2022: »Vielen war Yücel Persona non grata. Wer ihn heute als ›krawallig‹ darstellt und als Formkritiker seiner Versäumnisse auftritt, ist rasch beim Hinterrücks-Denunzieren und Vermeiden inhaltlicher Auseinandersetzung. Das Vorgehen ähnelt dem Umgang mit dem ukrainischen Botschafter.« LINK 

Tagesspiegel, Beitrag von Torsten Schulz, 18. Mai 2022: »Der produktive Trotz wäre aber eine erwachsene Position gewesen, die man von einem Mann, der sich selbst immer wieder als ›großen Jungen‹ bezeichnet, offenkundig nicht erwarten kann. Und vielleicht wollte er [Deniz Yücel] überhaupt nichts anderes als diesen Auftritt zum Austritt.« LINK

nachtkritik, Interview von Michael Wolf mit Konstantin Küspert, 20. Mai 2022: »Woran sind Sie und Deniz Yücel gescheitert?« – »Daran, dass einige Mitglieder den Verein ganz anders wahrnehmen als wir. Wir haben die Arbeit für verfolgte Schriftsteller:innen als zentral wahrgenommen. (…) Anderen Leuten waren anscheinend Dichterlesungen und literarische Plätzchen wichtiger. Und an der Tatsache, dass wir die schiere Bösartigkeit der Kritiker:innen unterschätzt haben – wir dachten, die Wahrheit würde sich durchsetzen, und haben entsprechend nicht taktisch agiert. Die anderen schon.« LINK

Der Spiegel Nr. 21/22, Kolumne von Stefan Kuzmany, 20. Mai 2022: »Präsident werden muss jetzt ein Mann, der wie kaum ein zweiter gleichzeitig für die Rechte der Minderheit eintritt und gleichzeitig hergebrachte bürgerliche Werte verkörpert. Wenn PEN eine Zukunft hat, dann nur mit Uwe Tellkamp.« LINK

Deutschlandfunk Kultur, 22. Mai 2022, Mitschnitt der Podiumsdiskussion »Der Krieg, der Frieden und der PEN« zum Abschluss der PEN-Jahresversammlung im Schloss Friedensstein am 15. Mai 2022 in Gotha mit Svenja Flaßpöhler, Marjana Gaponenko, Eva Menasse, Johano Strasser und Deniz Yücel: »[Flaßpöhler:] ›Es gibt ein ethisches Dilemma, vor dem die Ukraine selber steht. Sie hat auf der einen Seite das Recht und auch die Pflicht, sich zu verteidigen. Auf der anderen Seite hat sie aber auch eine Schutzpflicht gegenüber der Bevölkerung. Und damit meine ich: Frauen, Kinder, alte Menschen.‹ – [Menasse]: ›Es ist nicht an uns, der Ukraine zu sagen, wie ihre ethische Pflicht gegenüber ihre eigenen Bevölkerung ist. Mit der zu Tode zitierten deutschen Geschichte, die für alles und jedes, für Pro und Contra immer herhalten muss, kann man nicht einem überfallenen Land sagen, es soll sich ergeben.‹« LINK und AUDIO 

FAS, Protokoll von Julia Encke, 22. Mai 2022: »Daraufhin stellt der Publizist Volker Skierka (…) einen Antrag auf Abbruch der Sitzung. Die Schriftstellerin Sophie Sumburane, 35, meldet sich zu Wort und stellt ausgesprochen ruhig fest: ›Eine Mitgliederversammlung, die nicht beschlussfähig ist, kann sich nicht die eigene Beschlussfähigkeit absprechen.‹« LINK [€] und PDF

Berliner Zeitung, Beitrag von Tanja Dückers, 23. Mai 2022: »In seiner langen Geschichte hat das PEN-Zentrum Deutschland viel für verfolgte und exilierte Autor:innen erreicht. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass sich die vielen Mitglieder, die bisher meist stumm geblieben sind, mehr für den PEN einsetzen? Dass der PEN eigentlich heterogener und zeitgemäßer ist, als diejenigen vermitteln, die ihn wie ein Altherren-Abitreffen erscheinen lassen, davon bin ich überzeugt.« LINK

taz, Kolumne von Uli Hannemann, 30. Mai 2022: »Wir schreiben das Jahr 2035. Seit vor 13 Jahren das deutsche PEN-Zentrum unter großem Knall auseinanderflog, existieren die Verbandsstrukturen der deutschen Dichter-, Deuter- und Denkerszene in unzähligen Splittergruppen mit ebenso vielen Literaturgegenpäpsten und Gegenliteraturpäpsten weiter. Die ›Literarische Volksfront‹, die ›Volksfront Literatur‹, ›Curry 36‹ und die ›Lyrischen Flieger‹, um nur die wenigsten zu nennen.« LINK

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