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So und so, Juli/August 2022 (Meral Şimşek, PEN-Debatte)

Meral Şimşek

epd/ORF.at, Bericht, 20. Juli 2022: »Der türkisch-kurdischen Schriftstellerin und Lyrikerin Meral Şimşek (40) ist es am Wochenende gelungen, zwei Tage vor einem Prozess-Termin in der Türkei sicher nach Deutschland zu gelangen. Das meldet heute der PEN Berlin. ›Wenn Sie versuchen, die Realität auf literarische Weise zu erzählen, geraten Sie in Gefahr, ausgelöscht zu werden‹, wird sie heute zitiert. ›Jetzt bin ich in einem neuen Land, von dem ich denke, dass ich hier meine Realität frei schreiben kann und blicke voller Hoffnung in die Zukunft.‹« LINK

Deutschlandfunk Kultur, Fazit, Porträt von Gerd Brendel, 31. Juli 2022: »Meral Şimşek wurde  mehrmals verhaftet. (…) [Şimşek:] ›Eines nachts kam die Polizei zu uns nach Hause und hat alle verhaftet, mit vorgehaltener Pistole. (…) Und mich haben sie gefoltert, um meine Brüder zum Reden zu bringen.‹ Meral war damals 13. In ihrem autobiographischen Roman ›Nar Lekesi‹ (›Granatapfelfleck‹) erzählt sie von der erlittenen Gewalt. Aber auch davon, wie es war, als Frau in einer Welt fester Traditionen aufzuwachsen und sich nach Freiheit zu sehnen.« LINK und AUDIO

PEN-Debatte (u.a. mit Stella Nyanzi)

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Thomas Lehr, 2. Juli 2022: »Nicht verhehlen möchte ich, dass es mir als klassischem novelist auch nicht sonderlich behagt hätte, einem polemischen journalist hinterherzulaufen, dessen Mut ich zwar bewundere, dessen Unfähigkeit, ausgleichend und repräsentativ zu wirken, sich jedoch zur Genüge erwiesen hat. Auf Ausgleich kommt es aber bei einem PEN-Präsidenten tatsächlich an, da er weder Kanzler noch Regierungschef ist (…).« LINK [€]

dpa, Meldung, übernommen u.a. von der Süddeutschen Zeitung, 3. Juli 2022: »Schriftsteller Joochen Laabs hat die Gründung des PEN Berlin scharf kritisiert. In Deutschland ›ad hoc‹ einen neuen PEN zu bilden, sei ein Ausdruck von ›Unüberlegtheit und mangelndem Verantwortungsbewusstsein‹, sagte der ehemalige Generalsekretär des Deutschen PEN-Zentrums (Ost) der Deutschen Presse-Agentur.« LINK

Stuttgarter Zeitung, Interview von Stefan Kister mit Eva Menasse,  6. Juli 2022: »Im PEN Berlin ist es jedenfalls möglich, dass auch die Sprecher und Sprecherinnen ihre persönliche Meinung weiterhin in der Öffentlichkeit vertreten können, ohne dass sie von 370 Mitgliedern geteilt werden muss. Dass Deniz Yücel von fünf Altpräsidenten wegen seiner persönlichen Meinung zum Rücktritt aufgefordert wurde, war eine Ungeheuerlichkeit, in einem Verein, der sich der Freiheit des Wortes verschrieben hat. Ich war übrigens in der Sache Flugverbotszone strikt anderer Meinung.« LINK [€]

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Wolfgang Hegewald, 13. Juli 2022: »Dann fiel die Mauer, und einigen aus dem bundesrepublikanischen PEN konnte es gar nicht schnell genug gehen, sich mit jenen Kolleginnen und Kollegen zu verbinden, denen ihre Heimat DDR abhandengekommen war. Mancher schien darob untröstlich. (…) Linkspaternalistische Fürsorglichkeit gegenüber den frisch Heimatvertriebenen korrespondierte mit Empathie­losigkeit gegenüber jenen mit doppeldeutscher Biographie und einschlägiger Diktaturerfahrung. (…) Die Lautsprecher der Deutungshoheit waren nicht zimperlich, Pö­belpegel und Niedertracht von den Go­thaer Zuständen nicht weit entfernt.« LINK

Berliner Zeitung, Interview von Cornelia Geißler mit Eva Menasse, 26. Juli 2022: »Wir können uns an die Öffentlichkeit wenden, aber die Autoren, für die wir einstehen, können das meistens nicht mehr. Das ist der große Unterschied zwischen außen und innen, zwischen internem Gezänk in den deutschen Feuilletons und dem Kampf um Leben und Tod, in den die Autoren anderer Länder wegen ihres Schreibens geraten. Wer das nicht zu trennen versteht, hat nicht verstanden, wozu der PEN da ist. Und das war eines der Probleme dieses ganzen Gothaer Desasters.« LINK [€] und PDF

Berliner Zeitung, Beitrag von Stella Nyanzi, 8. August 2022: »Anstatt das neue Baby zu erwürgen, bevor es überhaupt zu krabbeln beginnt, sollten alle wohlmeinenden Schriftsteller und vorausschauenden Autorenrechtler diesen neuen Verband unterstützen, damit er gedeihen kann. Ich stehe mit vollem Herzen hinter der Gründung von PEN Berlin, auch wenn ich Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN Deutschland bin.« LINK

Berliner Zeitung, piece by Stella Nyanzi, 8. August 2022: »Instead of strangling the new baby before it even starts crawling, all well-meaning writers and fore-sighted organisers for writers’ rights must support this new association to thrive. This is why I whole heartedly believe in the founding of PEN Berlin, even when I am a committed scholarship holder of PEN Germany’s Writers-in-Exile Program.« LINK

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