April 2026: Denis Scheck, Russische Buchmesse, Heimatreihe
Zur Extra-Ausgabe Ost der PEN-Berlin-Heimatreihe

epd, Bericht, übernommen u.a. von Evangelisch.de, 23. April 2026: »Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin tourt mit einer Gesprächsreihe durch Ostdeutschland. Unter dem Titel ›Ist das noch|schon mein Land?‹ solle es bei den öffentlichen Diskussionen um Heimat gehen, kündigte PEN Berlin am Donnerstag an. Erste Station ist am Mittwoch das ostthüringische Greiz. (…) Diskutiert werden solle darüber, was Heimat ist, wie viel Heimat der Mensch braucht, was erforderlich ist, um sich zu beheimaten, was das Heimatgefühl gefährdet und wie Heimat im Plural geht.« LINK
Thüringer Allgemeine, Interview von Elena Rauch mit Deniz Yücel [vor der Veranstaltung in Greiz] 25. April 2026: »Es gibt eine Idee von Heimat als Idyll, in dem man sich wohlfühlt. Doch Heimat kann auch ganz schön unheimlich sein. Es ist schwierig, ihr zu entrinnen, und ich will das auch gar nicht. Die andere Seite von Heimat, die gerade nicht behaglich, schön und demokratisch ist, empfinde ich als Verantwortung dafür, dass diese Heimat ein besserer Ort wird. (…) Ich glaube, dass zum Begriff Heimat auch der Moment von Verlust gehört. Der Verlust von Kindheit, der Verlust des Blicks auf die Welt, der nie wieder so sein wird, wie man ihn als Kind hatte. Insofern schwingt im Begriff Heimat auch eine nicht erfüllbare Sehnsucht mit. Zwischen dieser Sehnsucht nach einem Ort in einer Zeit und einer sich verändernden Welt liegt eine Spannung.« LINK [€] und PDF
dpa, Bericht, übernommen u.a. von ntv.de, 28. April 2026: »Der Publizist Deniz Yücel sieht unterschiedliche Diskussionskulturen in Ost- und Westdeutschland. Er habe die Erfahrung gemacht, ›dass der Hang zur Empörung im Westen viel höher ist. Im Osten geht man eher ins Argumentieren‹, sagte Yücel der Thüringer Allgemeinen. Yücel ist Sprecher der Autorenvereinigung PEN Berlin. Die Vereinigung lädt derzeit zu einer Reihe von Abendveranstaltungen, bei der Prominente und Bürger über Heimat sprechen. Insgesamt sieht Yücel eine Polarisierung in der Gesellschaft. ›Unsere Idee ist, diese Polarisierung Abend für Abend ein Stück aufzuheben‹, so Yücel. ›Die Menschen können miteinander reden, und auch wenn hart diskutiert wird, ist ein Austausch von Argumenten möglich. Oft bedanken sich am Ende Teilnehmer dafür, dass wir diesen Raum geschaffen haben.‹« LINK
Zur Berliner Buchmesse der russischsprachigen Literatur

Berliner Zeitung, Beitrag von Cornelia Geißler, 20. April 2026: »Kurz nach Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine entwickelte sich eine antirussische Stimmung, in der sich auch Menschen unter Verdacht gestellt sahen, die lange zuvor schon beschlossen hatten, nicht in einem von Wladimir Putin regierten Land zu leben. Selbst längst verstorbene Poeten gerieten unter Verdacht. Deniz Yücel, damals noch Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, heute Sprecher des PEN Berlin, prägte daraufhin diesen Satz: ›Der Feind heißt Putin, nicht Puschkin.‹ Es dauerte bis zum Jahr 2025, dass sich emigrierte russischsprachige Autorinnen und Autoren, Verleger und Buchhändlerinnen zusammentaten, um jene Bücher sichtbar zu machen, die außerhalb der putinistischen Propaganda entstehen.« LINK [€]
Zur Diskussion um Denis Scheck, Literaturkritik und Sexismus
dpa, von Anja Mia Neumann, übernommen u.a. von Zeit-Online, 16. April 2026: »Auch die ARD, in deren Programm die Sendung Druckfrisch von Denis Scheck ausgestrahlt wird, wehrte sich gegen die Kritik an ihrem Moderator. Die Autorenvereinigung PEN Berlin schrieb in einer Pressemitteilung: ›Wenn Autorinnen und Autoren (…) die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.‹ Bücher würden von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung leben.« LINK
The Pioneer, Beitrag von Alev Dogan, 30. April 2026: »PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel führt aus: ›Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen.‹ Darum hoffe er, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen. Dieser Hoffnung kann man sich nur anschließen und um eine weitere ergänzen: Bei den vielen berechtigten und längst überfälligen Diskussionen um männliche Macht, darf man auch als Frau über die eigene Macht reflektieren. Die ganz konkrete Marktmacht, die etwa Passmanns Wortmeldungen, ihre Reels und Beiträge zu mehr machen als Meinungsäußerungen einer Privatperson. Das Mediengeschäft hat sich verändert, und was eine Podcasterin – mit 412.000 Followern allein auf Instagram – sagt, kann eine Debatte wirkmächtiger beeinflussen als manch Feuilletonchef.« LINK
