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Auch Februar 2026: Berlinale/Wolfram Weimer

 

Tricia Tuttle Wolfram Weimer
Tricia Tuttle, Wolfram Weimer | Fotos: Elena Ternovaja/Wikipedia; Jesco Denzel/Bundesregierung

Frankfurter Rundschau, Beitrag von Michael Hesse, 26. Februar 2026: »Der Schriftsteller Daniel Kehlmann zieht einen drastischen Vergleich zur Hausdurchsuchung bei Heinrich Böll im Jahr 1972. Kehlmann warnte laut PEN Berlin davor, dass die Entlassung von Tricia Tuttle aufgrund von Äußerungen der Preisträger die ›größte Katastrophe der deutschen Kulturpolitik‹ seit der Böll-Affäre wäre. (…) Auch PEN Berlin selbst äußerte sich kritisch. (…) Zugleich bedauerte die Organisation eine verpasste Gelegenheit: ›Eine prominente palästinensische Stimme hätte sich für eine friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern, für Mäßigung und Austausch sowie gegen Terrorismus und Antisemitismus äußern können.‹« LINK

epd, Bericht von Markus Geiler, übernommen u.a. von Evangelisch.de, 26. Februar 2026: »Eine Sondersitzung des Berlinale-Aufsichtsrates nach einem erneuten antisemitischen Eklat bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin ist offenbar ohne Ergebnis geblieben. Die Solidaritätsbekundungen für Intendantin Tricia Tuttle reißen nicht ab. (…) Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin betonte, Alkhatibs Äußerungen seien durch die Meinungsfreiheit gedeckt, so wie das Tragen der Kufiya und das Zeigen der palästinensischen Flagge. Nichts davon könne man Tricia Tuttle ankreiden. Weimer solle ›sich nicht zum Totengräber der Berlinale machen‹, sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel.« LINK

Tricia Tuttle Wolfram Weimer
Daniel Kehlmann auf einer Proestaktion von PEN Berlin für Boualem Sansal, März 2026 | Screenshot: PEN Berlin

taz, Interview von Dirk Knipphals mit Daniel Kehlmann, 26. Februar 2026: »Das Meinungsklima ist in Gefahr, nicht die Meinungsfreiheit. Menschen werden für Äußerungen, die im Rest der Welt völlig vertretbarer Teil des Diskurses wären, oft die wildesten Vorwürfe gemacht. Und wie Sie sehen, kann man als Festivalchefin seinen Job verlieren wegen etwas, das ein Preisträger auf der Bühne sagt. Wolfram Weimer sieht sich ja als großen Kämpfer gegen Cancel Culture, aber das gilt bei ihm nur für Leute, mit deren Meinung er völlig übereinstimmt.« LINK

DLF Kultur, Gespräch von Miriam Zeh mit Daniel Kehlmann, 27. Februar 2026: »Ich treffe hier [in New York] ständig jüdische Intellektuelle, die entsetzt sind über Israels Kriegsverbrechen und die Begriffe wie Ethnic Cleansing oder Genozid verwenden. Diese Begriffe kann man diskutieren. Das geschieht ja vor Gericht; vor dem International Court of Justice wird der Vorwurf des Genozid ja diskutiert. Aber der Umstand, dass solche Begriffe von jüdischen Intellektuellen (…) ständig verwendet werden und in Deutschland, wenn so ein Begriff fällt, ein Minister aufstehen und den Saal verlassen muss – ich weiß nicht. Vielleicht muss er auch, wenn er mich jetzt zufällig gehört hat, das Radio abschalten.« LINK und AUDIO

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Deniz Yücel beim PEN-Berlin-Kongress 2023 | Foto: PEN Berlin

Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, Gespräch von Tobias Armbrüster mit Deniz Yücel, 27. Februar 2027: »Die Leiterin eines Festivals soll abberufen werden, wegen etwas, was jemand anderes gesagt hat. Das wäre aberwitzig gewesen, und ich bin froh, dass diese Entscheidung nicht getroffen wurde. (…) Wir haben uns gegen die Ausladung des israelischen Dirigenten Lahav Shani ausgesprochen, gegen die Ausladung von Susanne Dagen von einem Philosophiefestival in Rheinland-Pfalz protestiert und gegen die Ausladung des Rappers Chefket. Und als Michael Friedman in Klütz auf Druck dortigen Bürgermeisters ausgeladen wurde, haben wir eine ganze Kundgebung veranstaltet. Wir versuchen immer dieselben Standards an Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit anzulegen. Das ist anders als Teilzeitliberale, die immer dann für Meinungsfreiheit sind, wenn es ihnen gerade in den Kram passt.« LINK und AUDIO

Tagesspiegel, Bericht von Andreas Busche, 26. Februar 2026: »Von der deutschen Filmbranche über den Kulturrat und PEN Berlin bis in die deutsche Politik wurden Solidaritätserklärungen veröffentlicht, die sich sowohl für Meinungsfreiheit und die Kultur als geschützten Raum als auch für klare Grenzen gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit stark machen. In einem offenen Brief der Filmbranche vom Mittwoch unterstreichen die über 700 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, darunter Tom Tykwer, der Jurypräsident des vergangenen Jahres Todd Haynes und der aktuelle Goldener-Bär-Preisträger Ilker Çatak, dass bei der Leitung der Berlinale mehr auf dem Spiel stehe als bloß eine Personalfrage. ›Es geht um den Umgang mit künstlerischer Freiheit und institutioneller Unabhängigkeit.‹ LINK [€]

Deutschlandfunk, Bericht, 28. Februar 2026: »Der Publizist und Sprecher der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, sprach im Deutschlandfunk, von einem ‹abgewendeten Desaster‹. Festivalleiterin Tuttle steht in der Kritik, weil es während des Filmfestivals zu politischen Bekundungen zum Nahostkonflikt gekommen war, die teilweise als antiisraelisch aufgefasst wurden. Yücel sagte weiter, eine Abberufung wegen Äußerungen Dritter hätte er als skandalös empfunden.« LINK

nd, Beitrag von Christof Meueler, 26. Februar 2026: »Anders als von Bild und Taz herbeigeschrieben, ist die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle weiterhin im Amt. Vielleicht liegt es an den Solidarisierungen mit ihr, darunter die Filmakademie, PEN Berlin, SPD-Bundestagsabgeordnete, Schriftsteller wie Daniel Kehlmann und internationale Filmstars wie die Schauspielerin Tilda Swinton (…) Bei der Preisverleihung kam dann der syrisch-palästinensische Filmregisseur Abdallah Alkhatib mit einer Palästinafahne auf die Bühne und sagte, die Bundesregierung sei Partner ›des Völkermords im Gazastreifen‹. Er versprach ein Filmfestival in Gaza: ›Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.‹ War das eine Drohung oder ein Ausdruck von Verzweiflung? Es ist auf jeden Fall nur ein Satz und kein katastrophaler Krieg. Was für ein Verhältnis.« LINK

Welt, Kommentar von Jacques Schuster, 28. Februar 2026: »Macht es die Worte harmloser, weil sie einer sprach, der dem Zeitgeist frönt und in linker Attitüde den Zionismus attackiert, in dem angeblich nichts anderes als Kolonialgebaren und Völkermordgelüste stecken? Offenbar glauben es zumindest viele Künstler und der PEN Berlin, die Vereinigung der Schriftsteller und Publizisten, welche die Worte des Palästinensers als ›Ausdruck der Verbitterung‹ werten wollen und auf die Meinungsfreiheit pochen. Ja, die geistige Akustik dieser Zeit ist der Antizionismus. Doch was die meisten nicht wahrhaben wollen und viele nicht mehr stört, ist: Antizionismus ist der gerechtfertigte Antisemitismus.« LINK

Berliner Zeitung, Beitrag von Ulrich Seidler, 1. März 2026. »In der Debatte um die Zukunft von Tricia Tuttle als Berlinale-Chefin meldet sich nun der Kulturstaatsminister selbst in einem Interview zu Wort. Anders als es die viel diskutierte von der Bild-Zeitung verbreitete Nachricht nahelegte, war es in der Darstellung von Wolfram Weimer Tricia Tuttle selbst, die ihre Zukunft bei dem internationalen Filmfestival infrage stellte. (…) Mit der Einberufung einer Sondersitzung des KBB-Aufsichtsrates, dem Weimer vorsitzt, verbreitete sich das Gerücht, dass er Tuttle absetzen wolle. Eine Protestwelle von Filmschaffenden, Akademien und PEN Berlin folgte, die befürchtete Entscheidung fiel nicht.« LINK [€]

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