Heimat-Gesprächsreihe in BaWü und RLP: Ist das noch|schon mein Land?

Freiburg, reden wir über Heimat: »Wenn Heimat politisch wird, wird’s unangenehm sentimental«

12. Feb | Freiburg | Europa-Park-Stadion | Business Lounge des SC Freiburg | Mit: Heinz Bude (Soziologe) & Hannah Lühmann (Schriftstellerin und Journalistin); Moderation: Bettina Schulte (Journalistin) | Mehr zu den Mitwirkenden

 

Audio-Mitschnitt (komplett)

Crailsheim, reden wir über Heimat: »Wir haben Heimat verachtet«

12. Feb | Cinecity Kino | Crailsheim | Mit: Sudabeh Mohafez (Psychoonkologin & Schriftstellerin) & Peter Unfried (Journalist); Moderation: Christine Hofmann (Journalistin) | Mehr zu den Mitwirkenden

Audio-Mitschnitt (komplett)

 

Heidenheim, reden wir über Heimat: »Wo der Voith seinen Parkplatz hat, stand eine Zigarrenfabrik«

11. Feb | Stadtbibliothek Heidenheim, | Mit: Katharina Agüera (Sprecherin Voith) & Patrick Findeis (Schriftsteller); Moderation: Carolin Gasteiger (Journalistin) | Mehr zu den Mitwirkenden

Audio-Mitschnitt (komplett)

 

Alle Videos und Audios aus Baden-Württemberg

 

»Wir sind stolz, dass PEN Berlin bei uns nachgefragt hat«

Heimat

Schwarzwälder Bote, Interview von Roland Stöß mit Florian Fuchs, Vorsitzender des Kleinkunstvereins »Kleine Bühne«, 10. Februar 2026: »Wenn PEN Berlin, also die wichtigste Schriftstellervereinigung im Land, bei uns anfragt, ob wir eine Podiumsdiskussion zum Thema Heimat – Integration – Demokratie abhalten wollen, dann sagen wir natürlich nicht nein. Wir, das ist die Kleine Bühne Calw e. V. und unser Kooperationspartner VHS, sind unheimlich stolz, dass der PEN Berlin, insbesondere Deniz Yücel, gerade bei uns nachgefragt haben.« MEHR

 

 

3Sat Kulturzeit: »Als Kind dachte ich, Heimat ist da, wo Heidi wohnt«

Heimat
Doris Akrap, Matthias Zeller, Julia Ruhs (v.l.n.r.), Lörrachh, 1.2.2026 | Screenshot PEN Berlin

3sat, Kulturzeit, Beitrag von Dorothea Dörner, 3. Februar 2026. In Lörrach diskutierten im Rahmen der PEN-Berlin-Gesprächsreihe »Ist das noch|schon mein Land?« die Journalistinnen Julia Ruhs (Bayerischer Rundfunk) und Doris Akrap (taz) mit Moderator Matthias Zeller. Julia Ruhs glaubt, dass viele Menschen »Angst haben, dass sie ihre Kultur verlieren«. Doris Akrap: »Als Kind dachte ich, Heimat ist da, wo Heidi wohnt.« PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel über die Reihe: »Zum einen ist Heimat natürlich in Deutschland, wie so vieles andere auch, historisch nicht unbelastet. Aber es ist ein Begriff, den man auch positiv wenden kann. (…) Heimat bedeutet Sicherheit.« LINK

 

 

Heimat-Gesprächsreihe in Rheinland-Pfalz: Ist das noch|schon mein Land?

Heimat
Grafik: Scholz & Friends / PEN Berlin

Am 27. Februar diskutieren in Ludwigshafen am Rhein unter dem Titel »Ist das noch|schon mein Land?« PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel und die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zum Thema »Heimat« – miteinander und mit dem Publikum. Dem Abend werden weitere 18 Stationen in Rheinland-Pfalz folgen. Zu Gast sind unter anderem die ehemaligen Ministerpräsidenten Malu Dreyer und Kurt Beck, der frühere Bundesverkehrsminister Volker Wissing, die Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel sowie die Schriftsteller Christian Baron, Daniela Dröscher, Lucy Fricke, Dinçer Güçyeter und Tijan Sila. Hinzu kommen die Journalisten Jürgen Kaube und Harald Martenstein, der Fußballkommentator Marcel Reif, der Publizist Hamed Abdel-Samad, die Winzerin und frühere Weinkönigin Lena Endesfelder sowie die Universitätsprofessoren Nils Kumkar, Andreas Rödder, Claudia Ritzi und Harald Welzer. MEHR

 

Heimat
Michel Friedman, Aron Boks, Stefan Siller und Thea Dorn (v.l.n.r.), Nationaltheater Mannheim, 26.1.2026 | Foto: Christian Kleiner

Mannheimer Morgen, Bericht von Stefan M. Dettlinger, 27. Januar 2026. »Unterhaltsam ist die vom PEN Berlin veranstaltete Diskussionsreihe zum Thema Heimat am Montagabend im Alten Kino Franklin in Mannheim gestartet. Aron Boks, einer der Moderatoren der Veranstaltung, begann den Abend partizipativ mit einfachen Fragen ans Publikum, die zwischen bitterem Ernst und augenzwinkernder Oberfläche changierten. (…) Dorn erinnerte an den Philosophen Bernhard Waldenfels, in dessen Theorie die Heimwelt und die Fremdwelt eine große Rolle gespielt hatten. (…) NTM-Schauspielintendant Christian Holtzhauer kann die Veranstaltung als Erfolg verbuchen. Das Publikum hat aktiv mitgewirkt, was Michel Friedman Hoffnung machen sollte. Denn Moderator Stiller forderte Friedmans Mahnungen aufnehmend am Ende: ›Bleiben wir wachsam, werden wir aktiv!‹« LINK [€]

Rhein-Neckar-Zeitung, Interview von Alexander Wenisch mit Ijoma Mangold, 26. Januar 2026. »Geboren und aufgewachsen bin ich in Heidelberg. Heidelberg steht für meine Kindheit und Jugend. Solange man als Kind in der Welt lebt, in der man aufwächst, hat man eigentlich noch gar kein Heimatgefühl – es ist einfach selbstverständlich. So wie das Wasser für den Fisch: Er denkt nicht darüber nach, weil er sich ein Leben außerhalb des Wassers gar nicht vorstellen kann. Erst in dem Moment, in dem man dieses Geburtsbiotop verlässt und in die Ferne zieht, schärft sich – zumindest war das bei mir so – ein Bewusstsein dafür, wie sehr man geprägt ist: von der Region, der Mentalität, dem Dialekt und natürlich dem Pfälzer Wein, den ich sehr schätze. Mit der Entfernung von Heidelberg wurde mir erst klar, wie sehr ich daran hänge.« LINK [€]

Mannheimer Morgen, Interview von Stefan M. Dettlinger mit Deniz Yücel, 22. Januar 2026. »Wir sprechen über Demokratie nicht nur als Polarisierung, sondern auch als Spaltung von Öffentlichkeit. Mit der Reihe versuchen wir, vor Ort, Abend für Abend, diese Spaltung ein bisschen zu überwinden und so eine republikanische Öffentlichkeit herzustellen, in der jeder mitreden kann (…) indem wir keine Verbotsschilder aufstellen, sondern sagen: Jeder ist eingeladen, jeder kann alles sagen – nicht zu beliebigen Zeiten und nicht in beliebiger Länge, damit viele zu Wort kommen. Aber wir haben keine Angst vor dem freien Wort. Beim letzten Mal war das Ergebnis sehr kontrovers, aber zivilisiert. Und danach sagten die Leute: „Danke, dass Sie das ermöglicht haben. Wir hätten nicht gedacht, dass das überhaupt noch möglich ist.« LINK [€] und PDF

Heimat-Gesprächsreihe in Baden-Württemberg: Ist das noch|schon mein Land?

Heimat
Grafik: Scholz & Friends / PEN Berlin

PEN Berlin geht in den Südwesten Deutschlands und veranstaltet in 22 größeren und kleineren Orten in Baden-Württemberg eine Gesprächsreihe – der Auftakt einer großen Serie, der weitere Veranstaltungen folgen werden: im März in Rheinland-Pfalz, im August und September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Wie bei unserer vielbeachteten Veranstaltungsreihe vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg 2024 und wie bei unserer Kundgebung im September im mecklenburgischen Klütz ist das Publikum eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Mehr noch, das Publikum ist integraler Bestandteil des Konzepts. Es soll nicht ehrfürchtig den Gästen lauschen, um am Ende zwei, drei hastige Fragen zu stellen, sondern ist eingeladen, mitzusprechen – mit dem Podium, aber auch untereinander. MEHR


Gespräch im Berliner Ensemble: Iran – Jetzt Regime Change? 

PEN Berlin
 

Angesichts der dramatischen Lage in Iran lädt PEN Berlin am Sonntag, dem 18. Januar, zu einer öffentlichen Gesprächsrunde ins Neue Haus des Berliner Ensembles ein. Was passiert gerade in Iran und wie brutal ist die Repression inzwischen? Was kann Deutschland tun, was muss Europa tun und was wird bisher versäumt? Und vor allem: Welche Schritte sind jetzt möglich – politisch, zivilgesellschaftlich, konkret? Darüber diskutieren: Journalistin und Autorin Natalie Amiri, der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes VolkmannMina Khani von der Menschenrechtsorganisation Hengaw, Autorin und Boardmitglied des PEN Berlin Daniela Sepehri mit der Moderatorin Shila Behjat. Der zum Podcast aufbereitete Mitschnitt der Veranstaltung ist überall verfügbar, wo es Podcasts gibt. Hier geht es zum AUDIO

 


Türkei: Ein Abend mit Ilhan Çomak und Jan Wagner

Ilhan Çomak
Ilhan Sami Çomak | Foto: Ute Langkafel 

Wie übersteht man 30 Jahre Gefängnis? Wenn man mit 21 Jahren einem selbst für türkische Verhältnisse aberwitzigen Justizskandal zum Opfer fällt? Im Fall von Ilhan Sami Çomak lautet die Antwort darauf: mit Literatur, genauer gesagt mit Lyrik. Zehn Gedichtbände hat er in seiner Haftzeit veröffentlicht. Dass Çomak Ende 2024 das Gefängnis nicht als gebrochener und nicht als verbitterter Mensch verlassen hat, hat viel mit der Kraft der Literatur zu tun. Darüber sprechen wir mit ihm am 8.1.2026 im Maxim Gorki Theater anlässlich der deutschen Veröffentlichung seines Gedichtbands »Bring mich fort aus dieser Stille«. Durch den Abend führt Lyriker und Büchner-Preisträger Jan Wagner. « MEHR

 


Iran: Narges Mohammadi und die Angst des Regimes

Narges Mohammadi
Narges Mohammadi | Foto: Wikipedia/Voice of America

Heute wurden in in der ostiranischen Stadt Maschdad zahlreiche Menschenrechtsaktivist:innen und Journalist:innen festgenommen, darunter die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi sowie Sepideh Qolian und Alieh Motalebzadeh. Die Verhaftungen fanden bei einer Trauerzeremonie für den vor wenigen Tagen unter dubiosen Umständen verstorbenen Menschenrechtsanwalt Dr. Khosro Alikordi statt. (…) Daniela Sepehri, Boardmitglied des PEN Berlin, sagte: »(…) Wenn Journalist:innen und Menschenrechtsaktivist:innen selbst beim Gedenken festgenommen werden, zeigt das Regime, wie groß seine Angst vor dem freien Wort ist. Wir fordern die sofortige Freilassung aller Festgenommenen.« MEHR

 


Autoren im Knast: Peyman Farahavar, María Cristina Garrido, Mohamed Tadjadit

Pham Dong Trang Alaa Abd-El Fattah ToomajSalehi

Daniela Sepehri: »Das Regime im Iran hat seit Anfang des Jahres mehr als 1.600 Menschen hingerichtet. Bitte lasst nicht zu, dass Peyman Farahavar, unser Kollege, für seine Poesie als nächstes hingerichtet wird.« Außer um den zum Tode verurteilten iranischen Lyriker Peyman Farahavar ging es auf unserem Kongress um die in Kuba inhaftierte Lyrikerin María Cristina Garrido Rodríguez (Vorstellung: Andrea Landfried) sowie um den algerischen Lyriker Mohamed Tadjadit (Vorstellung: Jayrôme Robinet). TEXTE

 


Scherbakowa, Radisch, Welzer: Berlin wächst auf 720 Mitglieder

Irina Sherbakowa, Harald Welzer, Ulrike Draesner
Foto: Archiv | Debora Mittelstaedt | Archiv

PEN Berlin hat am 30. November 2025 seine jährliche Mitgliederversammlung abgehalten. Dort wurde Linn Penelope Rieger, Autorin, Literaturvermittlerin und Geschäftsführerin von Edit und Netzwerk Lyrik, ins elfköpfige Leitungsgremium nachgewählt. Zudem wurden 35 neue Mitglieder aufgenommen, darunter Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa, die Literaturkritikerin Iris Radisch, der Soziologe Harald Welzer, die Jugendbuchpreisträgerin Maren Amini, Schriftstellerin Ulrike Draesner sowie Julia Draganović, Direktorin der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. MEHR

 


Thea Dorn: »Warum tust du dir das eigentlich an?«

Eva Menasse
Thea Dorn bei ihrer Eröffnungsrede auf dem PEN-Berlin-Kongress 2025 im Säälchen | Foto: Ali Ghandtschi

Eröffnungsrede auf dem PEN-Berlin-Kongress »Wer räumt das hier auf?«: »Seit ich mich vor einem Jahr auf das Amt der PEN-Berlin-Sprecherin eingelassen habe, gibt es eine Frage, die mir ständig gestellt wird: »Warum tust du dir das eigentlich an?« […] Ich vermute, Entscheidungen, die den Alltag so dramatisch verändern wie die, die ich vor einem Jahr getroffen habe, haben in aller Regel etwas mit der eigenen Lebensgeschichte zu tun. Trotzdem will ich hier keine autobiographische Nabelschau veranstalten. Denn ich vermute, dass meine Entscheidung ebenso sehr mit allgemeineren Konstellationen der Zeit zu tun hat. Deshalb hoffe ich, dass Überlegungen zu der Frage, warum ein Mensch, der in seinem privaten und beruflichen Leben mehr als genug zu tun hat, sich auf ein kraft- und zeitintensives (ich sage nicht: -raubendes) Ehrenamt einlässt – dass Überlegungen zu dieser Frage von allgemeinerem Interesse sein könnten.« TEXT


Thea Dorn: »Die Erleichterung war riesig«

Thea Dorn
Foto: Peter Rigaud

Zur Freilassung von Boualem Sansal Interview von Andrea Gerk mit Thea Dorn, DLF Kultur, Lesart, 13. November 2025: »Wir alle kennen die Redewendung, dass man Gnade vor Recht ergehen lässt, und natürlich wäre es in diesem Fall viel angemessener gewesen, Recht vor Gnade ergehen zu lassen und Boualem Sansal von diesen abstrusen Vorwürfen „Vergehen gegen die Einheit der Nation“ freizusprechen. Aber dass das angesichts der real existierenden Machtverhältnisse in Algerien offenbar nicht zu haben ist, muss man sagen: Immerhin ist ein kranker, mutiger, nicht mehr ganz junger Mann auf diese Weise freigekommen. Aber selbstverständliche hat es einen bitteren Beigeschmack.« LINK


Algerien: Boualem Sansal endlich in Freiheit

Boualem Sansal
Foto: Dirk Skiba

Nach einem Jahr Gefängnis in Algerien ist Boualem Sansal heute sicher in Deutschland angekommen. Wir freuen uns riesig – und sind tief erleichtert! Wir senden Boualem Sansal, seiner Familie und seinen Angehörigen unsere besten Wünsche. Ein besonderer Dank gilt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der seit Monaten diskret, aber entschlossen hinter den Kulissen verhandelt hat – sowie allen, die sich unermüdlich für Boualem Sansals Freilassung eingesetzt haben.

 


Deniz Yücel: »Besser Buchmesse als Menschenjagd«

Deniz Yücel
Marlene Gawrisch/Welt

Interview von Christian Eger mit Deniz Yücel, Mitteldeutsche Zeitung, 6. November 2025: »Wir hatten im PEN Berlin diskutiert, ob wir uns den Protesten anschließen sollen, und uns dagegen entschieden, weil es nicht unsere Aufgabe ist, gegen Buchmessen zu protestieren, sondern dann einzuschreiten, wenn das Recht auf Meinungs-, Kunst- oder Pressefreiheit eingeschränkt wird, von wem auch immer. (…) Eine Buchmesse sollte für niemanden ein Anlass zur Beunruhigung sein. Das widerspricht dem Naturell einer Buchmesse. Unsereins hat ja der extremen Rechten immer vorgehalten, sie sollten mal ein paar Bücher lesen, anstatt nur rumzugrölen. Jetzt kann ich mich nicht darüber beschweren, wenn einige von ihnen genau dies tun. Besser Buchmesse als Menschenjagd.« LINK [€] und LINK


Iran: Neue Festnahmen wichtiger Intellektueller

Iran
Foto: Wikipedia/Herzi Pinki

In einer koordinierten Aktion stürmten Sicherheitskräfte des iranischen Regimes am Montag, den 3. November, mehrere Wohnungen wichtiger Intellektueller. Seit den Protesten im Herbst 2022 hat die Verfolgung von Autor:innen, Journalist:innen und Wissenschaftler:innen nicht nachgelassen. Ihnen wird ihre Arbeit und Forschung erschwert, sie können sich nur eingeschränkt äußern und müssen tagtäglich Verhaftungen und Strafverfolgung fürchten. Was jedoch nachgelassen hat: die internationale mediale und politische Aufmerksamkeit. Dabei steht außer Frage, dass nur Solidarität und das beständige Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen dabei helfen können, Menschen vor Verhaftungen und der Gewalt eines Staates zu schützen, der auch vor Hinrichtungen nicht zurückschreckt. MEHR


Thea Dorn: »Expertenherrschaft ist keine Demokratie«

Thea Dorn
Foto: obs/ZDF/Svea Pietschmann

Zur Veranstaltung »Wie populär darf’s denn sein?« mit Andreas Rödder und Julian Nida-Rümelin, moderiert von Thea Dorn und Deniz Yücel am 7. November im Körber-Haus in Hamburg. Gespräch auf DLF Kultur, Studio 9, 2. November 2025: »Wenn man sagt: ›Unsere Gesellschaften sind so kompliziert geworden, (…) das gibt da oben so einen Kreis von Experten, die wissen Bescheid, die sagen, wo es lang geht und der Rest soll einfach machen. Das ist, muss man ganz klar sagen, keine Demokratie mehr. Und deshalb muss man es schaffen – und das ist auch Aufgabe von Journalisten (…) – so zu vermitteln, dass der berühmte einfache Mensch, der Teil des Volkes, eine Chance hat, sich selber ein Urteil zu bilden. Die Gegenseite muss aber natürlich einen gewissen guten Willen mitbringen, dass er sich ein Urteil bilden will und nicht jeden Blödsinn glaubt, der ihm auf irgendeiner windigen Seite im Netz entgegenschwappt.« LINK und AUDIO


Zu Susanne Dagen: Entweder nicht einladen oder aushalten, aber nicht ausladen

Susanne Dagen
Susanne Dagen | Foto: Wikipedia/staDDrat

Niemand muss Susanne Dagen einladen. Aber wenn ein Veranstalter sich dazu entschließt – im Fall des »Denkfests« in Landau mit Hamed Abdel-Samad, Meron Mendel, Susan Neiman und vielen anderen – dann darf man erwarten, dass er zu dieser Einladung steht. Vergangene Woche hieß es in unserer Presseerklärung zur Ausladung von Michel Friedman: »Veranstalter tragen die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Gäste und Zuschauer. Wenn es begründete Sicherheitsbedenken wegen eines Gasts oder Themas gibt, muss man diese ernst nehmen. Dann ist es allerdings Aufgabe des Staats, die Sicherheit aller zu gewährleisten. Die Sorge vor (möglichen) Störungen (…) kann niemals ein Argument sein, eine Veranstaltung abzusagen.« MEHR


Zur Chefket-Ausladung: Sind Sie jetzt Bundestrikotminister, Herr Weimer?

Chefket, Wolfram Weimer, Jan Böhmermann
Chefket, Wolfram Weimer, Jan Böhmermann | Fotos: Archiv (2); picture alliance/dpa – HMB Media/Uwe Koch

Vier Fragen an Jan Böhmermann, Chefket, Haus der Kulturen der Welt und Wolfram Weimer: Herr Weimer, Ihre Ankündigung, die Korridore »des Sagbaren, Erkundbaren und Darstell­baren (…) zu weiten, anstatt sie zu verengen«, klang gut. Oder meinen Sie mit Meinungsfreiheit bloß die Freiheit, die Meinung des Kulturstaatsministers zu vertreten? Sie wissen doch, dass in Deutschland der Staat die Autonomie der Kunst und der Kultureinrichtungen fördert. Michel Friedman fragte vorgestern in Klütz: »Was mischt sich ein Politiker in die Programmplanung eines Literaturhauses ein?« Ganz recht, Herr Weimer, Sie dürfen diese Frage gern auf sich beziehen. Oder sind Sie jetzt der Bundestrikotminister? MEHR


Zeit-Online aus Klütz: »Der Marktplatz wird wirklich eine Agora«

PEN Berlin in Klütz
Kundgebung »Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört« Klütz, 29.9.25. Bühne mit Oliver Hintz, Michel Friedman, Thea Dorn und Miro Zahra (v.l.n.r.) | Foto: picture alliance/dpa, Bernd Wüstneck

Reportage von Alisa Schellenberg Zeit-Online, 30. September 2025: »Deniz Yücel und ein Kollege sind mit Mikrofonen unterwegs auf dem Marktplatz, der wirklich eine Agora wird. Ein Fest für Sozial- und Politikwissenschaftler. Viele wollen jetzt sprechen, fassen sich ein Herz. (…) Nicht alles von dem, was am Montag gesagt wurde, war nett. Manches war sogar hässlich. Aber es wurde gerungen, gestritten. Und danach sah es am Anfang gar nicht aus. Am Ende sagt Thea Dorn, die Moderatorin des Abends, so etwas wie das heute in Klütz habe sie noch nie erlebt.« MEHR

 

Ebenfalls aus Klütz: Bericht von Christoph Kümmritz, NDR 3, Nordmagazin, 29.9.2025:

 

Deniz Yücel: »Das Grundgesetz gilt auch in Klütz«

Deniz Yücel
Deniz Yücel mit Saalmikrofon. Publikumsdiskussion im Rahmen des Gesprächsreihe »Das wird man ja wohl noch sagen dürfen«. Dresden, 19.8.2024 | Foto: Philipp Baumgartner 

Interview mit den Lübecker Nachrichten, 27. September 2025: »Wir wollen nicht eskalieren und wie ein Ufo in Klütz landen. Selbstverständlich haben wir die Stadtvertretung eingeladen. Unsere Kundgebung ist ein Angebot, aus dieser Situation herauszufinden – nicht mit einem ›Schwamm drüber‹, aber durch den Dialog, auch im Streit. Und ich fahre lieber nach Klütz in dem Wissen, dass es dort Leute gibt, die diese Kundgebung begrüßen. Aber wir würden das auch machen, wenn dem nicht so wäre. (…) Das Grundgesetz gilt überall: in Klütz, in Kiel, in Kreuzberg. Und ich wünsche mir, dass am Montag aus Klütz die Botschaft ausgeht: Der nächste, der jemanden canceln möchte, sollte sich das zweimal überlegen und sich fragen, ob er sich dadurch nicht noch größeren Ärger einhandelt.« MEHR


Ehrenmitglied des PEN Berlin: Wir trauern um Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller
Georg Stefan Troller (1921 – 2025) im Jahr 2011 im ZDF | Foto: Bodo Witzke / CC

Georg Stefan Troller ist am Samstagmorgen in Paris im Alter von 103 Jahren gestorben. Troller war seit 2023 Ehrenmitglied des PEN Berlin – ein Emigrant, Chronist und Humanist, dem die Freiheit des Wortes und die Würde des Menschen Maßstab und Maßnahme waren. Für PEN Berlin bleibt Georg Stefan Troller Vorbild: als Künstler des Gesprächs, als Verteidiger der offenen Gesellschaft, als Kämpfer gegen Faschismus und Antisemitismus und als Zeuge eines Jahrhunderts, in dem die Freiheit des Wortes mehrfach verloren gegangen ist und wieder erkämpft wurde. Sein Werk erinnert uns daran, dass Freiheit nicht bloß ein Zustand ist, sondern immer auch eine Haltung, ein Imperativ, und zeigt beispielhaft, dass Sprache mehr vermag als festzustellen: Sie kann retten, bewahren, verwandeln. MEHR


Thea Dorn zu Klütz: »Für uns hat sich nichts geändert«

Flyer zur Kundgebung in Kütz
Thea Dorn auf einer vom PEN Berlin veranstalteten Lesung gegen Antisemitismus, November 2023 | Foto: PEN Berlin

»Wir sind erstaunt über die Frage, ob die Kundgebung trotz Rücktritts des Bürgermeisters stattfinden wird. PEN Berlin hat deutlich gemacht, wogegen sich diese Kundgebung richtet und wofür sie plädiert: allem voran für die Autonomie der Kultur und gegen die Unsitte von Canceln und Gegen-Canceln. Eine Rücktrittsforderung haben wir nie erhoben, im Gegenteil: Wir haben selbstverständlich auch Herrn Mevius zu der Kundgebung eingeladen. Außerdem ging es nie um Klütz und Michel Friedman allein, sondern pars pro toto um übergeordnete Tendenzen. An der Ausladung Michel Friedmans durch die Stadt Klütz, die uns zu der Kundgebung am Montag bewogen hat, hat sich durch den angekündigten Rücktritt von Bürgermeister Jürgen Mevius nichts geändert«, erklärt PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn.

 

Kundgebung in Klütz: »Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört«

PEN Berlin Kütz
Grafik: PEN Berlin

Die Ausladung unseres Gründungsmitglieds Michel Friedman von einem Auftritt im Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz (Mecklenburg) hat zu Irritationen geführt – auch bei uns. Wir bedauern, dass die für den Oktober 2026 anlässlich des 120. Geburtstags von Hannah Arendt geplante Veranstaltung abgesagt wurde. So ist ein Eindruck entstanden, den niemand wollen kann, dem Demokratie, Kunst und der zivilisierte Austausch am Herzen liegen. Darum rufen wir zu einer Kundgebung auf, und zwar am 29. September, 17 Uhr Am Markt, Klütz. (…) Welche der öffentlich genannten Gründe in welchem Maß tatsächlich zur Ausladung von Michel Friedman geführt haben, können wir nicht beurteilen. Deshalb halten wir vier Grundsätze fest, für die sich auch die Kundgebung in Klütz aussprechen wird. MEHR


Solidaritätsabend für die Ukraine auf dem ilb

Festrede von Wolodymyr Jermolenko: »Das Wort ›Held‹ ist für uns nicht mehr pathetisch«

Wolodymyr Jermolenko
Wolodymyr Jermolenko, Präsident des PEN Ukraine, bei seiner Festrede | Foto: Erik Weiss

»Heute hilft Europa der Ukraine – aber auch die Ukraine hilft Europa. Sie hilft Europa, seinen Sinn wiederzufinden, dessen tiefere Bestimmung im Widerstand gegen Tyranneien liegt. Das ist der Ursprung der Europäischen Union. Europa selbst war imperialistisch und weiß, was es heißt, auf der Seite des Bösen zu stehen – und dann auf die Seite des Lichts zu wechseln. Was es heißt, Tyrann zu sein – und dann diese Tyrannei zu überwinden. Ein Held – das ist derjenige, der dem die Stirn bietet, der stärker ist als er. Weil ihn der Glaube an das Unmögliche trägt. Das Wort ›Held‹ ist für uns nicht mehr pathetisch. Es ist pragmatisch geworden. Wir fordern heraus, was stärker scheint als wir. Wir gewinnen Kraft, indem wir tun, was zuvor unmöglich schien. Darum sagen wir: Ehre der Ukraine. Ehre den Helden.« GANZE REDE: TEXT und AUDIO

 

Grußbotschaft von Serhij Zhadan: »Alles ist vom Krieg gezeichnet«

 

Eröffnungsrede von Deniz Yücel: »Wir sind nicht neutral«

Deniz Yücel
Deniz Yücel bei seiner Eröffnungsrede | Foto: Erik Weiss

»Bei Borchert und den meisten Schriftstellern seiner Generation kann man biographisch nachvollziehen, weshalb ihre Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sich um die Kategorien Krieg, Diktatur und Widerstand drehte. Aber die entscheidenden literarischen Hinweise für die Hauptlektion aus dem NS-Regime (…) finden sich in erster Linie nicht bei Wolfgang Borchert, Siegfried Lenz oder Günter Grass, sondern bei Paul Celan und Nelly Sachs. Es bleibt eine zivilisatorische Großtat, dass die Männer aus Smolensk oder Charkiw, die Auschwitz, und die Männer aus New York oder Alabama, die Buchenwald befreit haben, eben nicht Borchert folgend »Nein« gesagt, sondern unter größten Opfern die »sinnreich erdachten Wohnungen des Todes« (Sachs) geschlossen und diesem »Meister aus Deutschland« (Celan) mit Waffengewalt das Handwerk gelegt haben.« GANZE REDE


Zum Jahrestag des Aufstands im Iran: Herr Dobrindt, würden Sie den Dalai Lama zurückweisen?

Jin Jiyan Azadi
Foto: Archiv

Es jährt sich zum dritten Mal der Beginn des Aufstands gegen die islamistische Diktatur im Iran. (…) In der ersten Zeit nach der Niederschlagung des Aufstands hat die Bundesregierung unbürokratisch Visa an besonders gefährdete iranische Oppositionelle erteilt; auch der PEN Berlin konnte mehrere verfolgte Kolleg:innen mit Unterstützung der deutschen Behörden nach Deutschland in Sicherheit bringen. Iinzwischen werden faktisch keine Einreisegenehmigungen nach §22 Aufenthaltsgesetz mehr erteilt – weder für iranische Staatsbürger noch für andere. »Man muss befürchten, dass Herr Dobrindt auch der Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi oder dem Dalai Lama einen Aufenthaltstitel verweigern würde, um die Migrationsstatistik zu verbessern«, sagte Deniz Yücel MEHR


Lahav Shani ausgeladen: Das Recht, sich nicht zu äußern

Lahav Shani
Lahav Shani | Foto: Münchner Philharmoniker/Tobias Hase

PEN Berlin kritisiert die Ausladung des israelischen Dirigenten Lahav Shani vom Flanders Festival Ghent – insbesondere die Begründung, Lahav Shani habe nicht »für nötige Klarheit über seine Haltung gegenüber dem genozidalen Regime in Tel Aviv« gesorgt. Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, sich frei und ohne Furcht vor Repressalien zu äußern; sie beinhaltet auch das Recht, sich nicht äußern zu müssen. Bekenntniszwang ist ein Merkmal autoritärer und erst recht totalitärer Regime. Künstler:innen Bekenntnisse abzuverlangen, verstößt gegen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, wie es das Prinzip der Trennung von Kunst und Künstler:innen missachtet. MEHR


Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels: Gratulation, Eva Menasse!

ilb Ukraine
Eva Menasse auf der Frankfurter Buchmesse, Oktober 2023 | Foto: Ali Ghandtschi

Eva Menasse, Schriftstellerin und Gründungsprecherin des PEN Berlin, erhält renommierten »Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln«. Sie stehe »mit ihrem Einsatz für Meinungsfreiheit und offenen Diskurs und mit ihrem kreativen Schaffen konsequent und eindrucksvoll für den kritischen Blick, für Aufklärung und aktives gesellschaftliches Engagement«, heißt es in der Begründung der Jury. Eva Menasses Engagement ende »nicht bei ihrer literarischen, essayistischen und journalistischen Arbeit, ihre Haltung manifestiert sich auch ganz konkret in ihrem persönlichen Handeln.« Genau so ist es PEN Berlin gratuliert herzlich!«


Gaza-Krieg: PEN Berlin fordert mehr Schutz für Journalist:innen

PEN Berlin

Bei den israelischen Luftangriffen auf das Nasser-Krankenhaus in Khan Younis sind zwanzig Menschen ums Leben gekommen – darunter fünf Journalist:innen, die für internationale Medien gearbeitet haben. Journalist:innen stehen unter dem Schutz des Völkerrechts. Sie sind nicht Kriegspartei. Ihr Auftrag ist es, die Öffentlichkeit zu informieren. PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel sagte: »Dieser Schutz gilt nur in dem Maße, in dem sie tatsächlich als Journalisten handeln. Aber er gilt unabhängig von ihren politischen Ansichten. Pressefreiheit ist nicht teilbar.« MEHR


Wolodymyr Jermolenko: »In den besetzten Gebieten ist die ukrainische Kultur tot«

Wolodymyr_Jermolenko
Wolodymyr Jermolenko | Foto: Yuriy Stefanyak

Welt, Interview von Deniz Yücel mit Wolodymyr Jermolenko, Philosoph und Präsident des PEN Ukraine, 21. August 2025: »Die Invasion hat ein kulturelles Wiederaufleben ausgelöst. Es gibt mehr Interesse an ukrainischer Literatur, es gibt Festivals. Die ukrainische Kultur boomt. Aber in den besetzten Gebieten ist die ukrainische Kultur tot, verboten. (…) In der gesamten Geschichte der Ukraine waren die Intellektuellen engagiert. Sie haben für ihr Volk gekämpft, für die Sprache, die Kultur. Das tun sie auch jetzt – mit Worten, Ideen, Büchern, aber auch als Freiwillige und Soldaten an der Front. Vor einigen Tagen wurde der Maler Dawyd Tschytschkan beerdigt, ein Anarchist, der sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte.« LINK [€]


Zum Genderverbot: Bravo, Herr Staatsminister! Aber Gendern ist nicht alles

Gendernverbot
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer | Foto: Jesco Denzel/Bundesregierung

Zur Empfehlung von Wolfram Weimer, in öffentlich geförderten Institutionen auf gendergerechte Sprache zu verzichten: PEN Berlin empfiehlt, das Augenmerk nicht allein auf die Sprache zu richten, sondern sich im nächsten Schritt die in Museen oder Theatern dargebotenen Inhalte vorzuknöpfen. »Das beste Argument für das Gendern schien mir schon immer die Schnappatmung, die es bei seinen Gegnern auslöst«, sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. »Selten wurde das so glänzend bekräftigt wie nun durch den Kulturstaatsminister.« MEHR


Georg-Büchner-Preis 2026: Gratulation, Ursula Krechel!

Ursula Krechel
Ursula Krechel | Foto: Archiv

Wir gratulieren herzlich Ursula Krechel, Mitgründerin des PEN Berlin und Ehrenpräsidentin der Herzen, zum Georg-Büchner-Preis. »Und da stehen wir: Lauter ehrenamtliche Menschen mit einem Beruf, vor dem uns unsere Eltern gewarnt haben.« (Aus ihrer Rede auf dem PEN-Berlin-Kongress 2023). GANZE REDE

 

 

 


Zum »BKA-Aktionstag«: Ja, selbst Hass kann eine zulässige Meinung sein

BKA
Foto: Wikipedia/Dima

Das Bundeskriminalamt führte am 25. Juni seinen 12. »Aktionstags zur Bekämpfungen von strafbaren Hasspostings« durch. Dabei kam es zu über 180 »polizeilichen Maßnahmen«, darunter 65 Wohnungsdurchsuchungen. »Die Aufgabe der Ermittlungsbehörden besteht darin, im Rahmen der Gesetze und unter Achtung des Grundgesetzes Straftaten zu verfolgen. Ihre Aufgabe ist es nicht ›Aktionstage‹ zu veranstalten oder ›Zeichen zu setzen‹. Das macht die Polizei in autoritären Regimen: Sie setzt Zeichen – zur Einschüchterung und Abschreckung«, sagt PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. MEHR


Algerien: Fünf Jahre Haft für Boualem Sansal bestätigt

Boualem Sansal
Boualem Sansal | Foto: Dirk Skiba | Grafik: PEN Berlin

Der französisch-algerische Schriftsteller Boualem Sansal ist heute vom Berufungsgericht in Algier erneut zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Damit wurde das Urteil vom 27. März 2025 bestätigt. PEN Berlin und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verurteilen dieses Urteil erneut mit aller Schärfe. […] Wir ersuchen den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune im Rahmen der traditionellen Begnadigungen zum algerischen Nationalfeiertag am 5. Juli, eine Geste der Humanität zu zeigen und Boualem Sansal freizulassen. MEHR

 


Internationale Menschenrechtsorganisationen: Solidarität mit Basma Mostafa

Danial Moghaddam
Basma Mostafa | Foto: ISHR | Grafik: HuMENA

Wir, die unterzeichnenden Organisationen, fordern die ägyptische Regierung dazu auf, die grenzüberschreitende Repression gegen im Exil in Deutschland lebende ägyptische Journalist:innen unverzüglich zu beenden. Insbesondere fordern wir die Regierung dazu auf, auf den UN-Bericht zu reagieren, der die Schikanen und Überwachungsmaßnahmen gegen die ägyptische Investigativjournalistin Basma Mostafa dokumentiert. Zudem fordern wir die deutschen Behörden auf, ihre Sicherheit zu gewährleisten und ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Meinungsfreiheit nachzukommen. MEHR

 


Iran: Besorgt über die Festnahme von Danial Moghaddam

Danial Moghaddam
Danial Moghaddam | Foto: privat

PEN Berlin ist zutiefst besorgt über die erneute Festnahme des Rappers Danial Moghaddam durch die Islamische Republik Iran. (…) Moghaddam hat sich in seinen Songs und Videos immer wieder kritisch über das Mullah-Regime geäußert und sich für die Familien eingesetzt, deren Angehörige bei den »Frau, Leben, Freiheit«-Protesten 2022 getötet worden sind. Moghaddam hat sich in seinen Songs und Videos immer wieder kritisch über das Mullah-Regime geäußert und sich für die Familien eingesetzt, deren Angehörige bei den »Frau, Leben, Freiheit«-Protesten 2022 getötet worden sind. »Das Regime geht jetzt noch brutaler gegen die eigene Bevölkerung vor«, sagte Daniela Sepehri, Board-Mitglied des PEN Berlin. MEHR


Türkei: Protest gegen die Verhaftung von Fatih Altayli

Fatih Altaylı
Fatih Altaylı | Foto: Archiv

Mit Fatih Altayli trifft die Wut des türkischen Regimes einen Journalisten, der lange Zeit für große Medien gearbeitet hat, solange dort noch Reste von kritischem Journalismus möglich waren. PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel sagte: »Fast schon lustig ist der konkrete Vorwurf: »Bedrohung« des Staatspräsidenten. Der Mann, der den gesamten Staat – inklusive der Justiz – kontrolliert, wirft Fatih Altayli »Bedrohung« vor – einem Journalisten, der in seinen 43 Berufsjahren über keine anderen Mittel verfügt hat als die Kraft seines Wortes.« MEHR

 


Neu im Board: Lucy Fricke, Ijoma Mangold und Daniela Sepehri

Lucy Fricke, Ijoma Mangold, Daniela Sepehri
Neu gewählt: Fricke, Mangold, Sepehri | Fotos: Gerald von Foris, Wikpedia/Krimidoedel, Nassim Rad

Die Autorenvereinigung PEN Berlin hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung das elfköpfige Leitungsgremium nachbesetzt und neue Mitglieder aufgenommen. Neu ins Board gewählt wurden die Schriftstellerin Lucy Fricke (»Töchter«), die Poetry Slammerin und Menschenrechtlerin Daniela Sepehri und der Journalist und Autor Ijoma Mangold, Feuilletonist bei der Zeit. Zu den 35 neu aufgenommenen Mitgliedern gehören die Regisseurin und Schriftstellerin Doris Dörrie, die Schriftstellerinnen Valerie Fritsch und Helga Schubert, der Publizist Roger de Weck, der Historiker Andreas Rödder, die Satirikerin Paula Irmschler, der Philosoph Wolfram Eilenberger sowie Britta Egetemeier, die Verlegerin von Penguin/Random House. MEHR


Große Spendenaktion für unabhängige Medien in der Türkei:
Journalismus ist kein Verbrechen. Und nicht umsonst.

Türkei Pressefreiheit
Grafik: Ballhaus West

Seit der Verhaftung von Ekram Imamoglu stehen unabhängige Medien in der Türkei noch stärker unter Druck: Geldstrafen, Festnahmen, Einschüchterungen. Hinzukommt, dass Alphabet seine Algorithmen so geändert hat, dass kritische Medien nicht mehr bei Google News auftauchen. Die Folge sind gravierende Einnahmeverluste, die die unabhängigen Medien zusätzlich in ihrer Existenz bedrohen (…) Wir möchten einen Beitrag zur Unterstützung unabhängiger Medien in der Türkei leisten, der über das rein Symbolische hinausgeht.« MEHR | TÜRKÇE

 


Iran: Todesurteil gegen den Dichter Peyman Farahavar

Peyman Farahavar
Peyman Farahavar | Foto: privat

PEN Berlin ist zutiefst erschüttert über das Todesurteil gegen den Dichter Peyman Farahavar aus der Provinz Gilan im Iran. Ein »Revolutionsgericht« warf ihm »bewaffneten Aufstand« und »Krieg gegen Gott« vor. In seinen politischen Gedichten setzt sich Peyman Farahavar für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ein. Insbesondere kritisiert er die Abholzung der Wälder, illegale Landverkäufe und die Vertreibung lokaler Bauern aus der Provinz Gilan durch staatliche Maßnahmen. »Das Todesurteil gegen einen Dichter, der nichts anderes getan hat, als Umweltzerstörung und Korruption anzuprangern, entlarvt den iranischen Machtapparat als das, was er ist: ein System organisierter Barbarei«, sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. MEHR


taz: Mordaufruf gegen den Journalisten Nicholas Potter

Nicholas Potter
Nicholas Potter | Foto: Olga Blackbird

Die Drohungen gegen den taz-Journalisten Nicholas Potter haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. (…) »Man kann und muss über vieles diskutieren, und wir sind grundsätzlich immer dafür, die Grenzen der Meinungsfreiheit so weit wie irgend möglich auszulegen«, sagte Deniz Yücel. »Aber bei Morddrohungen gibt es nichts zu diskutieren. Kritik ist kein Verbrechen, Mordaufrufe schon. Wir erwarten, dass auch propalästinensische Stimmen diese Grenze ziehen und die niederträchtige Kampagne gegen Nicholas Potter verurteilen. Und wir gehen davon aus, dass die Berliner Sicherheitsbehörden weiterhin alle Anstrengungen unternehmen werden, um die Sicherheit von Nicholas Potter zu gewährleisten und die Täter zu ermitteln. Unsere Solidarität gilt dem angefeindeten Kollegen. Nicholas, Du bist nicht allein!« MEHR


PEN International: 57th International Writers‘ Meeting

Bled

Wir haben die Köpfe zusammengesteckt beim PEN International Writers for Peace Committee Meeting in Bled. Vier intensive Tage mit Kolleg:innen aus aller Welt über die Rolle der Literatur in Zeiten von Klimakrise und Krieg.

Vielen Dank an Slovene PEN Centre für die wunderbare Gastfreundschaft und an alle PEN Zentren für den Austausch!

Foto: Joachim Helfer (PEN Berlin), Tanja Tuma (Vizevorsitzende PEN International), Tienchi Martin-Liao (Unabhängiges Chinesisches PEN Zentrum) und Kim Echlin (PEN Canada) (v.l.n.r.)

 


Thea Dorn zur Ausladung von Omri Boehm: »Ein verkorkster, unwürdiger Vorgang«

Thea Dorn
Thea Dorn | Foto: Peter Rigaud

DLF Kultur, 7. April 2025: »Der Philosoph Omri Boehm sollte auf der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald als Redner sprechen, dann lud man ihn wieder aus. Thea Dorn sieht darin eine neue Qualität von Ausladungen: ›Bislang hatten diese Fälle von Ausladungen eher die Struktur, dass Gruppen – teilweise auch welche, die sich im Netz organisieren, wie zuletzt bei Thilo Mischke –, Druck auf Institutionen ausüben, und die Institutionen dann plötzlich kalte Füße kriegen und umfallen. Das kriegt aber eine neue Qualität, wenn dieser Druck von Regierungen, die wie in Israel, wie in den USA, zwar demokratisch gewählt sind, aber […] autokratische Züge tragen – wenn diese Regierungen anfangen, Druck auszuüben, dann wird es natürlich noch viel heikler.‹« LINK und AUDIO

 

Omri Boehms Rede in der Gedenkstätte Buchenwald: Ausladeritis, die nächste

Omri Borhm
Omri Boehm auf der Veranstatung »Wie utopisch ist der Frieden?« des PEN Berlin, Leipziger Buchmesse, März 2024 | Foto: PEN Berlin

»Aberwitzig« ist nicht der schlechteste Begriff, um den Gesamtvorgang zu beschreiben. Aus Sicht von PEN Berlin wäre Omri Boehm ein höchst geeigneter Redner für die Gedenkveranstaltung gewesen. Nun ist es dem Botschafter Israels in Deutschland unbenommen, dies anders zu sehen. Es zeugt jedoch von einem eigenwilligen Amtsverständnis, wenn Ron Prosor sich als eine Art Schiedsrichter der deutschen Erinnerungskultur zu verstehen scheint, der, wie er per dpa verlautbaren ließ, »stolz« darauf sei, Formen des Holocaust-Gedenkens, die ihm bzw. der Regierung Netanjahu nicht in den Kram passen, »die rote Karte zu zeigen« MEHR


Neuerscheinung: »manuskripte« mit Texten von Mahtab Yaghma

Mahtab Yaghma
Grafik/Foto: PEN Berlin

Unsere Stipendiatin, die iranische Lyrikerin Mahtab Yaghma, eröffnet mit ihren eindringlichen Gedichten im manuskripte no. 247 eine neue Kooperation zwischen der Grazer Literaturzeitschrift und dem PEN Berlin für Texte von Autor:innen im Exil. Mahtab Yaghmas Gedichte wurden von dem Schriftsteller Ali Aliabdollahi ins Deutsche übersetzt. Ein besonderer Dank gilt dem manuskripte-Herausgeber, Andreas Unterweger, der diese Kooperation mit großzügigem Engagement mitgestaltet. LINK

 

 


Koalitionspapier: Wer kein Wahrheitsministerium will, sollte kein Wahrheitsgesetz schaffen

Wahrheitsgesetz
Foto: Archiv

Pressemitteilung vom 1. April 2025: »CDU/CSU und SPD planen Gesetze, die das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in unzulässiger Weise einschränken würden. Dies gilt für die Passage des Koalitionspapiers, in der davon die Rede ist, man wolle ›Hass und Hetze noch intensiver bekämpfen‹ und den Straftatbestand der Volksverhetzung verschärfen. Und das gilt für die beabsichtigte Schaffung eines neuen Delikts der ›Informationsmanipulation‹. […] Aber in einer offenen Gesellschaft ist Wahrheit immer Gegenstand der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, so schmerzlich das manchmal sein mag. ›Wer kein Wahrheitsministerium will, sollte auch kein Wahrheitsgesetz schaffen‹, sagte Deniz YücelMEHR


Urteil in Algerien: »Haftstrafe für Schriftsteller Boualem Sansal«

3Sat, Kulturzeit, Bericht von Lotar Schüler, 27. März 2025: »Das Urteil ist gefällt. Fünf Jahre Haft für den algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal. Kulturstaatsministerin Claudia Roth: ›Jetzt muss unsere gemeinsame Forderung sein: die unmittelbare und unverzügliche Freilassung eines großartigen Schriftstellers und Intellektuellen.‹ Thea Dorn: ›Es ist ganz wichtig, dass es weiter ein öffentliches Bewusstsein für den Fall gibt. […] Weil das erste was in so einem System passiert, ist dass sie dem Inhaftierten erklären, du bist eh vergessen, für dich interessiert sich keiner mehr, du kannst hier bei uns verrotten.‹« LINK und VIDEO

 

 

Algerien: Fünf Jahre Haft für Boualem Sansal

Boualem Sansal
Boualem Sansal | Foto: Dirk Skiba | Grafik: PEN Berlin

Vor dem Strafgericht in Dar El Beïda bei Algier wurde am 27. März 2025 das Urteil im Schnellverfahren gegen den algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal gesprochen. Sansal wurde zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 500.000 algerischen Dinar, etwa 3.500 Euro, verurteilt. Der PEN Berlin verurteilt den Prozess und dieses Urteil aufs Schärfste und fordert die sofortige Freilassung des 80-jährigen Schriftstellers. »Algerien soll – so der Stand der aktuellen Koalitionsverhandlungen – zu einem sicheren Drittstaat erklärt werden«, so Deniz Yücel, Sprecher des PEN Berlin. »Algerien ist nicht sicher, am wenigsten für Menschen, die es wagen, die Machthaber zu kritisieren.« MEHR

 

Algerien: Boualem Sansal drohen zehn Jahre Haft

Boualem Sansal
Boualem Sansal | Foto: Dirk Skiba | Grafik: PEN Berlin

Vor dem Strafgericht in Dar El Beida bei Algier begann heute ein Schnellverfahren gegen den algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal. Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft. Das Urteil wird für den 27. März erwartet. »Was wir hier erleben, ist eine Justizfarce«, sagte Deniz Yücel, Sprecher des PEN Berlin. »Es ist zu befürchten, dass das Urteil bereits feststeht, noch ehe dieser Schnellprozess begonnen hat. So handeln Schurkenstaaten.« (…) PEN Berlin verurteilt das Verfahren aufs Schärfste und fordert Boualem Sansals sofortige Freilassung. Wir appellieren an die Bundesregierung, sich entschieden für den Schriftsteller einzusetzen und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit er sofort freigelassen wird. MEHR

 

Boualem Sansal: Protest auf der Internationalen Tourismusbörse

3sat, Kulturzeit, Bericht von Luis Babst, 4. März 2025: »Dienstagmittag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Mitglieder der Schriftstellervereinigung PEN bereiten sich auf eine Protestaktion vor: Freiheit für Boualem Sansal! Das fordern die Autorinnen und Autoren. Denn der französisch-algerische Schriftsteller wurde bei seiner Einreise am Flughafen von Algier im vergangenen November verhaftet. (…) [Thea Dorn]: ›Dass ein schwerkranker 80-jähriger Mann ohne Anklage im vierten Monat in Haft sitzt, seinem Anwalt wird die Akteneinsicht verwehrt (…) Das ist Verhalten von Schurkenstaaten.‹ Die Demonstrierenden wollen mit ihrem Protest vor einem algerischen Tourismusstand auf den Kontrast zwischen Urlaubsziel und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen. (…) [Daniel Kehlmann:] ›Wir müssen seine Freilassung fordern. So wie übrigens auch die westlichen Regierungen. Macron hat das schon getan. Ich hoffe mir sehr, dass die deutsche Regierung das auch tun wird. Meinungsfreiheit besteht nur, wenn wir sie alle haben. Wenn sie für einige nicht gilt, gilt sie für niemanden.« LINK und VIDEO


Entführter israelischer Journalist: Wir trauern um Oded Lifshitz

Oded Lifshitz
Oded Lifshitz | Foto: privat

Auch wenn die forensische Untersuchung noch aussteht, scheint es nun traurige Gewissheit zu sein: Der entführte israelische Journalist Oded Lifshitz ist tot. Am Donnerstag, den 20. Februar 2025, übergab die Hamas seinen Leichnam zusammen mit drei weiteren toten Geiseln: Shiri Bibas und ihren beiden Söhnen, Ariel und Kfir. Lifshitz war zusammen mit seiner Frau, Yocheved, bei dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 entführt worden. Yocheved wurde bereits im Oktober 2023 freigelassen. In unserer Resolution vom 8. Dezember 2024 Zum Schicksal des Journalisten Oded Lifshitz hatten wir noch um ein Lebenszeichen gebeten. MEHR


Iran: Saman Yasin in Berlin angekommen

Saman Yasin
Saman Yasin mit Freund:innen | Foto: PEN Berlin

Der aus dem kurdischen Teil Irans stammende Rapper war seit Oktober 2022 wegen seiner regimekritischen Texte inhaftiert. Im Zusammenhang mit den Protesten »Frau, Leben, Freiheit« wurde Yasin der »Feindschaft gegen Gott« beschuldigt und vom Revolutionsgericht in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. […] PEN Berlin-Boardmitglied Joachim Helfer sagt: »Saman Yasin ist endlich frei, unser anderes iranisches Ehrenmitglied Toomaj Salehi ist es seit Dezember 2024. Das ist vermutlich eine Folge der kritischen Situation, in der sich die Islamische Republik Iran derzeit befindet. Es zeigt aber auch, dass internationale Solidarität und der Einsatz für Menschenrechte etwas bewirken können.« MEHR


Uganda: Freiheit für Eron Kiiza

Eron Kiiza
Eron Kiiza | Foto: Konrad Hirsch

Der bekannte ugandische Rechtsanwalt und Dichter Eron Kiiza wurde am 7. Januar im Militärgericht von Kampala zunächst daran gehindert, als Anwalt des mehrfachen Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Kizza Besigye, im Gericht Platz zu nehmen. Nach seinem Protest wurde er gewaltsam verhaftet, abgeführt und kurz darauf, nunmehr im Käfig der Angeklagten, wegen angeblicher Missachtung des Gerichts zu neun Monaten Haft verurteilt. […] PEN Berlin-Boardmitglied Joachim Helfer stellt dazu fest: »Ein korruptes Regime wie das ugandische wird versuchen, das freie Wort ebenso zu unterdrücken wie eine unabhängige Justiz. Beides gehört zusammen und wird sich am Ende überall durchsetzen, auch in Uganda.« MEHR


Thea Dorn im DLF: »Demokratie ist anstrengend«

Thea Dorn
Thea Dorn | Foto: obs/ZDF/Svea Pietschmann

Gespräch mit Korbinian Frenzel, Deutschlandfunk Kultur, 18. Dezember 2024: »Es klingt ein bisschen so, da gab es zwei Extremistenlager und das ist wirklich falsch. Also eben diesen Antrag, der auch in meiner Lesart pro-palästinensisch war, den haben Kollegen wie Eva Menasse, Daniel Kehlmann mitgetragen oder Omri Boehm, das ist grotesk, aus denen Extremisten zu machen. (…) Ich habe über das Projekt geredet, wir alle müssen gucken, wie man den Citoyen in sich weckt. (…) Und ja, das ist anstrengend, aber da will ich überhaupt nicht rumjammern, weil es ein Missverständnis ist zu glauben, dass Demokratie unanstrengend ist oder einfach. Es geht aber darum Nerven zu behalten, zu versuchen keine unnötigen Fronten aufzumachen und daran zu glauben, dass man im Gespräch bleiben kann. Und da bin ich, auch wenn es vielleicht medial nicht so klang, zuversichtlich, dass das auch mit PEN Berlin weiterhin geht.« LINK und AUDIO

Deniz Yücel in der SZ: »Vielleicht musste es auch mal knallen«

PEN Berlin
Lesung aus Adania Shiblis Roman »Eine Nebensache« Oktober 2023 | Foto: Archiv

Interview mit Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung, 13. Dezember 2014: »Resolutionen sind für mich nicht die zentrale Aufgabe des PEN Berlin. Im Leitungsteam dachten wir dann: Okay, jetzt liegen Resolutionsentwürfe vor, obwohl alle wissen, dass keine Vereinsresolution den Lauf der Welt beeinflusst. Aber für die deutsche Diskussion könnte es ein Gewinn sein, wenn es gelänge, beide Lager in wenigstens einer Frage zu einen. Darin steckt ja eine Chance, die in Deutschland niemand außer dem PEN Berlin hat: (…) Die Chance zu einem Dialog zwischen Leuten, die nicht ohnehin miteinander im Dialog sind. (…) Wir hatten vor den Resolutionen, der Mitgliedersammlung und alledem eine Chance, die wir leider verpasst haben – allen voran ich als Verantwortlicher. Vielleicht haben wir diese Chance immer noch, trotz allem (…). Und vielleicht musste es auch mal knallen, damit es wieder konstruktiver weitergehen kann.« GANZES INTERVIEW

 

Offener Brief von Mitgliedern des PEN Berlin: »Wir bleiben«

PEN Berlin

»Was gerade im PEN Berlin passiert, ist ein direktes Abbild der gesellschaftlichen Zerrüttung. Aus Verzweiflung über den Zustand der Welt versinken vernünftige und kluge Menschen im ›Narzissmus der kleinen Differenzen‹ […] Die öffentlich ausgetragenen Wortgefechte und Meinungskriege – angesichts des massenhaften Tötens und Sterbens in vielen Teilen der Welt zumindest fragwürdig – sind allerdings geeignet, diesem jungen Verein, in dem unglaublich viel ehrenamtliche Arbeit steckt, Schaden zuzufügen. Wir erinnern daher daran, wozu er gegründet wurde: Als Menschenrechtsorganisation zum Schutz verfolgter Kolleg:innen einerseits, als maximal offene Plattform für die vielen Debatten andererseits, die uns allen auf den Nägeln brennen. In nur zweieinhalb Jahren ist hier vieles gelungen, auch wenn natürlich, wie überall, Fehler gemacht worden sind.« GANZER BRIEF


Simone Buchholz zur Arbeit im PEN Berlin: »Macht haben? Nee, komm«

Simone Buchholz
Simone Buchholz auf dem PEN-Berlin-Kongress, Hamburg, November 2024 | Foto: M. Eisenmann

taz, 11. Dezember 2024: »Zufriedenstellend ist, nachts um zwei mit einer Kollegin unterwegs zu sein, die, wäre sie nicht mit ihren beiden Söhnen in Berlin, für acht Jahre in einem Gefängnis sitzen würde. Tut sie aber nicht. Sie ist hier, sie hat eine Wohnung, sie ist vor kurzem in die Künstlersozialkasse aufgenommen worden und damit ins deutsche Gesundheitssystem (was wichtig ist, wenn man Fluchterfahrung hat und die Mächtigen nicht zimperlich waren), und sie kann in einer schäbigen Hamburger Kneipe rauchend und Bier trinkend auf einer Bank stehen und singen, wenn sie Bock drauf hat. Das, und nur das, wird beschädigt, wenn sich etwa wegen Resolutionen die Köpfe eingeschlagen werden, wegen ›geistiger und moralischer Hygiene‹.« LINK

 

Über uns

PEN Berlin.
Wir stehen im Wort.

Wir wollen einen neuen PEN.
Einen zeitgemäßen und diversen PEN, in dem sich auf Deutsch schreibende oder in Deutschland lebende Schriftsteller:innen und Übersetzer:innen aller literarischen und publizistischen Genres zusammenfinden.
Einen PEN von und für Kolleg:innen, die sich für Meinungsfreiheit und einen offenen Diskurs einsetzen, ohne Präsident:innen und andere Titel, mit einem paritätischen Board an der Spitze.
Einen PEN, der sich im Sinne der Charta des internationalen PEN gegen jede Form von Menschenhass wendet, dessen Mitglieder sich in den Dienst der Meinungsfreiheit stellen und die gemeinsam für eine bessere Zukunft eintreten.
Im Geiste unserer Namensgeberin Berlin, der Vielsprachigen, der Stadt, die heute für Offenheit und für die Überwindung von Grenzen steht, nennen wir uns PEN Berlin – eine NGO, die sich den Idealen der Aufklärung, der Meinungsvielfalt, der Toleranz und der Solidarität verpflichtet.
Denn die Freiheit des Wortes ist weltweit bedrohter als jemals zuvor. Immer mehr Autor:innen fürchten um ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit. Unser Fokus wird deshalb auf der materiellen und ideellen Unterstützung verfolgter Kolleg:innen liegen.
Wir brauchen diesen neuen PEN, um dem Wort, der Literatur, der Poesie und jedem anderen textbasierten Genre den Raum zu geben, der notwendig ist, um sich frei zu entfalten.
Und wir brauchen diesen neuen PEN, der gemeinsam und unabhängig von Herkunft und Haltung Missstände anprangert und denjenigen hilft, die in ihrer freien Meinungsäußerung bedroht werden.
Uns sind alle willkommen, die mit dem Wort arbeiten und bereit sind, sich uns bei diesem Vorhaben anzuschließen.
Wir stehen im Wort.
Darum haben wir zum 10. Juni 2022 den PEN Berlin gegründet. Derzeit (November 2024) hat der PEN Berlin etwa 730 Mitglieder. PEN Berlin ist Mitglied des Dachverbands PEN International und der Deutschen Literaturkonferenz.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner