Auch März 2026: Weimer, Fleischhauer, Sansal, Ulmen/Fernandes
Thea Dorn im DLF Kultur: »Jungs, ich glaube euch kein Wort«

DLF Kultur, Der Tag mit Thea Dorn, Gespräch von Korbinian Frenzel, 25. März 2026: »›Was sollen diese Beteuerungen? Nach ihren Taten sollst du sie beurteilen und nicht nach ihren Worten‹, sagt Thea Dorn im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur, und weist damit die reflexhafte Distanzierung vieler Männer im Fall Christian Ulmen zurück. ›Dieses hysterische Distanzieren auf Social Media – da kann ich nur sagen: Jungs, ich glaube euch kein Wort.‹ Auch mit Blick auf die internationale Politik findet Dorn deutliche Worte. Appelle an das Völkerrecht hätten ›etwas fast Verzweifeltes‹ – denn ›jedes Gesetz ist darauf angewiesen, dass es eine Instanz gibt, die die Einhaltung durchsetzt.‹ Die entscheidende Frage sei, ›wie wir uns weiter in der Welt orientieren sollen, wenn wir nicht mehr wissen, was ein Bild ist, das etwas mit Realität zu tun hat.‹« LINK
Thea Dorn mit Boualem Sansal u.a. auf der Leipziger Buchmesse
Börsenblatt, Bericht von Jona Jeska, 26. März 2026: »In seinem Grußwort machte Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz deutlich, worum es an diesem Abend geht: ›Wir sprechen über den Mut zur Wahrheit (…).‹ Überraschend kritisch äußerte sich Sansal zum Instrument der Begnadigung: ›Ich lehne die Begnadigung ab (…). Ich möchte einen richtigen Prozess haben‹. Im anschließenden Podiumsgespräch wurde der Begriff der Wahrheit aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. (…) Thea Dorn hob hervor, dass zwischen überprüfbaren Aussagen und kontextabhängigen Deutungen unterschieden werden müsse.« LINK
Frankfurter Allgemeine, Bericht von Jan Wiele, 22. März 2026: »Der menschlich eindrucksvollste Termin der Messe war dann ein Podium am Donnerstagabend im Paulinum mit dem schwerkranken algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal, der hier erstmals seit seiner Freilassung aus algerischer Haft im vergangenen November öffentlich auftrat. Dabei waren noch die russische Germanistin Irina Scherbakova, die die Menschenrechtsorganisation Memorial mitbegründet und Russland 2022 verlassen hat, ferner die deutsch-iranische Professorin Katajun Amirpur und die Publizistin Thea Dorn, Sprecherin von PEN Berlin. Sowenig man die ganz verschiedenen Einlassungen zum Thema Widerstand gegen repressive Systeme auf einen Nenner bringen konnte, so gebannt folgte man ihnen, darunter sehr aufschlussreichen Ausführungen Amirpurs zur Zerrissenheit der iranischen Diaspora.« LINK [€]
Leipziger Volkszeitung, Bericht von Janina Fleischer, 20. März 2026. »›Was ist wahr und wann kann das gefährlich sein?‹ war am Abend eine Podiumsdiskussion im Paulinum überschrieben. (…) Neben vielen anderen hatten sich Sansals deutsche Verlegerin Katharina E. Meyer (Merlin), der Romanist Alfonso de Toro, das Literaturhaus Leipzig und der PEN Berlin für den im November 2024 am Flughafen Algier verhafteten Schriftsteller eingesetzt. (…) ›Deutschland hat mich befreit‹, sagt Sansal nun in Leipzig. Dass ihm 2011 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde, habe es ihm ermöglicht, ›in der Welt gehört zu werden‹. (…) Woran lässt sich Wahrheit festmachen? ›Es gibt Sätze, die sind wahr‹, sagt Thea Dorn, und es gibt Sätze, ›da müsse man genau hinschauen‹: Wer sagt was? Unter welchen Umständen? Und gegen wen? Mit welchem eigenen Interesse? ›Wir erleben, dass dreist gelogen wird zu Propagandazwecken und Lügen als Wahrheit verkauft werden‹. (…) Dies sei auch eine Frage der Macht. ›Wir sind im Augenblick zu schnell dabei zu sagen: Diese Meinung gehört nicht mehr in unseren Diskursraum.‹« LINK [€]

rbb 24 radio3 am Morgen, Gespräch von Massimo Maio mit Natascha Freundel, 20. März 2026: »Gestern Abend bei der Leipziger Buchmesse gab es einen besonderen Auftritt der französisch-algerische Schriftsteller Boualem Sansal, der zum ersten Mal öffentlich gesprochen hat, nachdem er aus der algerischen Haft entlassen worden ist. (…) Es war eine ganze Gesprächsrunde mit dabei: die russische Historikerin Irina Scherbakowa, die Iranforscherin Katajun Amirpur und die Schriftstellerin und Sprecherin des PEN Berlin Thea Dorn. (…) [Sansal] möchte, und das betonte er auch gestern Abend in Leipzig, einen fairen Prozess. Er möchte freigesprochen, nicht begnadigt werden. Dass ein freier Mensch es auch juristisch ist. (…) Auch Thea Dorn, Schriftstellerin, Philosophin, hat gegen die auch in Deutschland ja immer wieder geäußerte Meinung argumentiert, dass man in Deutschland, in der Demokratie, hier seine Meinung nicht frei sagen könne.« LINK
Betreff: Staatsanwaltschaft München vs. Jan Fleischhauer
Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Michael Hanfeld, 6. März 2026: »Erst steigt die Justiz Norbert Bolz nach, weil sie einen ironischen Tweet nicht verstand und meinte, der Philosoph verbreite verfassungswidrige Propaganda, nun ist der Journalist Jan Fleischhauer dran. (…) Das macht nicht nur uns, sondern auch den Sprecher des PEN-Berlin, Deniz Yücel, fassungslos. Der Sinn von Paragraph 86a könne nicht ›in einer Sakralisierung von Nazi-Parolen liegen‹, meint er. Demnach dürfe man ›nicht mal in satirischer Absicht eine historische Parole aufgreifen und gegen Neonazis und Rechtsradikale verwenden. Die Ermittlungsbehörden handeln so, als würde ihre Devise lauten: ‚Nazikram ist heilig, über den Führer macht man keine Witze.‹ Wir wünschten, das wäre Satire, ist es aber nicht.« LINK
epd, Bericht, übernommen u.a. vom Sonntagsblatt, 6. März 2026: »Dass die Zahl der in der Statistik zu politisch motivierter Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) erfassten Äußerungsdelikte in den vergangenen Jahren so sprunghaft angestiegen ist, liegt laut PEN Berlin auch an dieser ›eigenwilligen Gesetzesauslegung durch die Ermittlungsbehörden‹, wie es heißt. Dass solche Ermittlungen nur in den wenigsten Fällen zu einer Verurteilung führen, mache die Sache nicht besser. ›Schon die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens wirkt einschüchternd und ist wohl auch genauso gemeint‹, kritisierte die Autorenvereinigung.« LINK
Betreff: Wolfram Weimer vs. Berlinale

radio 3, radio 3 am morgen, Gespräch von Katja Weber mit Deniz Yücel, 5. März 2026: »Was soll in dem Knigge drinstehen? Ukrainische Fahnen sind erlaubt, aber palästinensische nicht? Oder man fragt vorher den Kulturstaatsminister fragt oder konsultiert den Verfassungsschutz konsultiert, beim Buchhandlungspreis geschehen? (…) Wolfram Weimar sagt: ›Hass, Hetze und Antisemitismus sind für mich keine Meinungsfreiheit, sondern Menschenfeindlichkeit.‹ Das klingt nach der beliebten Rede im ›Kampf gegen Rechts‹, ist aber Quatsch, weil Hass und Hetze‹ keine rechtliche Kategorien sind. Und ›für mich‹ kann sowieso kein Maßstab sein.« (…) Nichts, was Abdallah Alkhatib gesagt hat, ist rechtlich relevant. (…) Darauf mit einem Knigge zu reagieren, in der Hoffnung, dass das nicht nochmal vorkommt, ist ein Eingriff in die Kunst- und Meinungsfreiheit.« LINK und AUDIO
tagesschau.de, Bericht, 5. März 2026: »Der frühere Berliner Kultursenator Lederer hat davor gewarnt, in die Ausrichtung der Berlinale einzugreifen. Das Filmfestival könne einpacken, wenn die Kulturpolitik ihr Vorgaben mache, sagte er am Donnerstag im rbb24 Inforadio. (…) Auch die Schriftstellervereinigung PEN Berlin hat die Pläne von Kulturstaatsminister Weimer für die Berlinale zurückgewiesen. Der angekündigte Verhaltenskodex für die Filmfestspiele sei der Versuch, politisch Einfluss zu nehmen und werde der Berlinale schaden, sagte PEN-Sprecher Deniz Yücel dem rbb. Noch sei nicht klar, was genau in dem ›Knigge‹ drinstehen soll, wie Yücel es nannte. Aber denkbar sei, dass es künftig Überprüfungen durch den Verfassungsschutz gebe, wie gerade beim Buchhandlungspreis geschehen. Möglichweise würden dann bestimmte Filme nicht mehr ausgezeichnet werden oder Regisseure ihre Filme erst gar nicht bei der Berlinale einreichen.« LINK
Betreff: Wolfram Weimer vs. Deutscher Buchhandlungspreis

Süddeutsche Zeitung, Bericht von Felix Stephan und Jörg Häntzschel, 3. März 2026: »Bericht Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat drei Buchgeschäfte – darunter den Berliner ›Buchladen zur schwankenden Weltkugel‹ – von der Preisliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen lassen und dies mit den Ergebnissen einer Überprüfung durch den Verfassungsschutz begründet. (…) Auf Anfrage teilt ein Sprecher des Staatsministers mit, dass man sich entschieden habe, die drei Buchhandlungen nicht auszuzeichnen, weil man über ›verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse‹ verfüge. Die Entscheidung, heißt es weiter, entspreche der politischen Linie der Bundesregierung, ›Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen‹.« LINK
radio eins, Bericht von Alexandra Nestmann, 4. März 2026: »Der Autorenverband PEN Berlin formulierte in Reaktion auf die Überprüfung und den Ausschluss von der Preisvergabe mehrere Fragen an Weimer, etwa ob die ›verfassungsschutzrechtlich relevanten Erkenntnisse‹, auf die sich der Minister beruft, öffentlich überprüfbar seien und ob die betroffenen Buchhandlungen die Möglichkeit hatten, dazu Stellung zu beziehen.« LINK
taz, Bericht von Jens Uthoff, 4. März 2026: »Der PEN Berlin zeigt sich in einer Pressemitteilung irritiert von dem Vorgang. ›Bei der Vergabe eines Buchhandlungspreises sollte man auf Anfragen beim Verfassungsschutz verzichten, sowieso sollte man auf den Verfassungsschutz nur in Ausnahmefällen zurückgreifen‹, sagt Deniz Yücel, PEN-Berlin-Vorsitzender, der taz. ›Gerade bei Linken hat der Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren einen Reputationsgewinn erfahren, den ich schon immer befremdlich fand. Gesinnungsschnüffelei bei Buchhandlungen gehört nicht zu den eigentlichen Aufgaben dieser Behörde.‹« LINK
Tagesspiegel, Bericht von Alexander Fröhlich und Julia Schmitz, 4. März 2026: »Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin veröffentlichte ›sieben Fragen an die Kulturpolitik‹. Darin heißt es unter anderem: ›Misstraut der Kulturstaatsminister der Jury des Buchhandlungspreises? Warum werden die Vorschläge der vom BKM berufenen Jury einer Prüfung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz unterzogen?‹ Auch zahlreiche Verlage und Buchhandlungen äußern sich in den sozialen Medien. ›Mit Sorge betrachten wir den intransparenten Eingriff des BKM bei der Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises und die daraus folgende Stigmatisierung dreier Buchhandlungen‹, schreibt der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch auf seiner Instagram-Seite. Dass sie ohne Angabe von Kriterien und Gründen von der Liste der Preisträger gestrichen worden seien, sei nicht akzeptabel. ›Wir erwarten eine Aufklärung seitens des BKM.‹« LINK [€]
rbb24 Inforadio, Interview von Stephan Ozsváth mit Thea Dorn, 5. März 2026: »War es nicht J.D. Vance, der vor einem Jahr an prominenter Stelle erklärt hat, Deutschland habe ein Problem mit der Meinungsfreiheit? Im Ernst: Noch muss sich in Deutschland niemand selbst zensieren. Wer es tut, tut es vorauseilend, und vorauseilende Unterwerfung ist ein Verhalten, das Demokratien ebenfalls aushöhlt. Abgesehen davon: Der aktuelle Fall zeigt ja, dass völlig unklar ist, inwiefern man sich selbst zensieren soll. Denn nochmals: Was diesen drei Buchhandlungen konkret vorgeworfen wird, weiß noch nicht einmal der Kulturstaatsminister, zumindest darf er es offiziell nicht wissen. Das weiß allein das Bundesamt für Verfassungsschutz. Und das Spiel ›Ich weiß etwas, was du nicht weißt – aber ich sage dir nicht, was!‹ ist eines Kafka-Romans würdig, aber nicht eines Rechtsstaats.« LINK
junge Welt, Beitrag von Peter Merg, 5. März 2026: »Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh. Weiß jeder und jetzt auch Wolfram Weimer. Denn kaum, dass er mit der versuchten Disziplinierung der Berlinale die gesamte heimische und internationale Filmszene gegen sich aufgebracht hat, hagelt es erneut Kritik: Vom PEN Berlin bis zum Börsenverein des deutschen Buchhandels protestiert derzeit alles, was im Literaturbetrieb Rang und Namen hat, dagegen, dass der Kulturstaatsminister mögliche Träger des deutschen Buchhandlungspreises vom Verfassungsschutz überprüfen ließ.« LINK
Frankfurter Rundschau, Bericht von Katja Thorwarth, 6. März 2026: »Auch der Verein PEN Berlin äußerte Kritik und stellte Fragen: ›Was genau bedeutet im Fall der von der Preisverleihung ausgeschlossenen Buchhandlungen der Hinweis auf ‚verfassungsschutzrechtlich relevante Erkenntnisse? Sind diese Erkenntnisse öffentlich überprüfbar? Hatten die betroffenen Buchhandlungen die Möglichkeit, zu den ‚Erkenntnissen‘ des Verfassungsschutzes Stellung zu beziehen?‹ Fragen, mit denen sich nun Gerichte beschäftigen dürften.« LINK
junge Welt, Presseschau, 8. März 2026: »Der Kulturstaatsminister und der Inlandsgeheimdienst seien »übergriffig – weil sie die intellektuelle Herausforderung durch Bücher, die sie durch antikapitalistische oder andere linke Positionen irritieren, nicht als Gewinn sehen«, befindet Ronen Steinke in der Süddeutschen Zeitung. (…) Ob nun davon auszugehen sei, »dass demnächst Theater, die Stücke von Bertolt Brecht oder Heiner Müller spielen, oder die Wagner-Festspiele in Bayreuth vom Verfassungsschutz beobachtet werden«, möchte die Schriftstellervereinigung PEN Berlin von Weimer wissen. (…) Auf die paradoxe Situation, »dass der Unabhängigen vorbehaltene Deutsche Buchhandelspreis selbst abhängig ist: von dem, was in linken Kreisen als ›Staatsknete‹ beschimpft wird«, weist derweil die FAZ hin. LINK
Börsenblatt, Bericht, 10. März 2026: »Heftige Kritik kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Dessen Vorsteher, Sebastian Guggolz, nennt das Vorgehen ›äußerst fragwürdig‹. Er betont, dass die Auszeichnung einer Buchhandlung nicht von der politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängen dürfe und fordert Transparenz. (…) PEN Berlin fragt den Kulturstaatsminister direkt, warum die Vorschläge der Jury überhaupt vom Verfassungsschutz geprüft werden. Die Kurt Wolff Stiftung spricht von einer ›Einflussnahme, die die Grundprinzipien des Preises konterkariert‹. Und sogar ehemalige Jurymitglieder betonen, sie hätten die drei Buchhandlungen wieder nominiert. Denn alle drei Buchläden hatten den Preis in der Vergangenheit für ihr Engagement bereits erhalten, teils mehrfach. LINK
epd, Bericht, übernpmmen u,.a. vom Deutschlandfunk, 10. März 2026: »Kulturstaatsminister Weimer hat die für kommende Woche geplante öffentliche Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt. (…) Der Vorsitzende des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages, der Grünen-Politiker Lehmann, sagte, Weimer sei seiner Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen. Der Welt-Journalist und Mitbegründer der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, kritisierte auf X: ›Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit.‹ Der vielfach prämierte Schriftsteller Sasa Stanisic warf Weimer unter anderem ›Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür und Illiberalität‹ vor.« LINK
taz, Kommentar von Dirk Knipphals, 10. März 2026: »Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Kurt-Wolff-Stiftung, PEN Berlin und PEN Deutschland, viele Verlage und Buchhandlungen, nicht zuletzt auch die unabhängige Jury des Buchhandlungspreises haben bereits gegen die Eingriffe des Kulturstaatsministers in die Unabhängigkeit der kulturellen Szene protestiert. Für die Preisverleihung waren längst Statements und Solidaritätsbekundungen mit den ausgeschlossenen Buchhandlungen angekündigt. Dem wollte sich Weimer offenbar nicht aussetzen, was man als Notbremse werten muss, aber durchaus auch als feige bezeichnen kann. Er hat die Veranstaltung gecancelt.« LINK
Frankfurter Rundschau, Kommentar von Michael Hesse, 12. März 2026: »Aus der Welt schafft Weimer den Konflikt mit der Absage gewiss nicht. Im Gegenteil, nun steht er noch stärker im Fokus: Er zerstöre eine Kulturinstitution nach der anderen, heißt es etwa. Für viele ist daher sein Rücktritt überfällig, die Grünen und die Linke fordern ihn bereits vehement. Deniz Yücel von PEN Berlin schrieb auf X: ›Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit.‹ Diese Reißleine hätte Weimer besser nicht gezogen.« LINK
Welt, Kommentar von Marc Reichwein, 12. März 2026: »Zur Wahrheit gehört auch, dass die Buchbranche sich in den vergangenen Jahren gehörig politisiert hat, etwa wenn sie in wohlfeilen Choreografien kollektiv Symbolplakate wie ›Demokratie wählen. Jetzt‹ in die Höhe hielt (wie 2024 beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse). Formiert hat sich das nonstop für das ›freie Wort‹ und die ›Meinungsfreiheit‹ eintretende Buchgewerbe seit Jahren auch in Initiativen wie ›Verlage gegen rechts‹, sodass Verlage aus dem rechten Spektrum – dieses zu differenzieren fällt Linken traditionell schwer, im Zweifel sind alle Faschisten oder Nazis – sich inzwischen auf einer eigenen Buchmesse organisieren, der ›Büchermesse Seitenwechsel‹. Dass deren Organisatorin, die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen, mit ihrem Buchhaus Loschwitz 2015 und 2016 zweimal selbst mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde, scheint heute (…) wie ein Fanal aus einer alten Zeit. Susanne Dagen wurde zur Persona non grata, die im politisch eher linksstehenden Kulturbetrieb gecancelt wird (man denke an ihre Ausladung beim Denkfest 2025 im pfälzischen Landau, die auch der PEN Berlin kritisierte). LINK

