Medien

[Interviews, namentlich gezeichnete Beiträge oder offene Briefe, die einzelne Boardmitglieder unterzeichnet haben, geben nicht notwendig die Ansichten des gesamten Boards wieder.]

Januar 2026 (Heimat-Reihe, Iran, Ilhan Çomak)

Zur Gesprächsreihe »Ist das noch|schon mein Land?«

Mannheimer Morgen, Bericht von Stefan M. Dettlinger, 27. Januar 2026. »Unterhaltsam ist die vom PEN Berlin veranstaltete Diskussionsreihe zum Thema Heimat am Montagabend im Alten Kino Franklin in Mannheim gestartet. Aron Boks, einer der Moderatoren der Veranstaltung, begann den Abend partizipativ mit einfachen Fragen ans Publikum, die zwischen bitterem Ernst und augenzwinkernder Oberfläche changierten. (…) Dorn erinnerte an den Philosophen Bernhard Waldenfels, in dessen Theorie die Heimwelt und die Fremdwelt eine große Rolle gespielt hatten. Seien die beiden Welten nicht gut austariert, entstehe Angst, sagte die Philosophin. (…) NTM-Schauspielintendant Christian Holtzhauer kann die Veranstaltung als Erfolg verbuchen. Das Publikum hat aktiv mitgewirkt, was Michel Friedman Hoffnung machen sollte. Denn Moderator Stiller forderte Friedmans Mahnungen aufnehmend am Ende: „Bleiben wir wachsam, werden wir aktiv!“« LINK [€]

Rhein-Neckar-Zeitung, Interview von Alexander Wenisch mit Ijoma Mangold, 26. Januar 2026. »Geboren und aufgewachsen bin ich in Heidelberg. Heidelberg steht für meine Kindheit und Jugend. Solange man als Kind in der Welt lebt, in der man aufwächst, hat man eigentlich noch gar kein Heimatgefühl – es ist einfach selbstverständlich. So wie das Wasser für den Fisch: Er denkt nicht darüber nach, weil er sich ein Leben außerhalb des Wassers gar nicht vorstellen kann. Erst in dem Moment, in dem man dieses Geburtsbiotop verlässt und in die Ferne zieht, schärft sich – zumindest war das bei mir so – ein Bewusstsein dafür, wie sehr man geprägt ist: von der Region, der Mentalität, dem Dialekt und natürlich dem Pfälzer Wein, den ich sehr schätze. Mit der Entfernung von Heidelberg wurde mir erst klar, wie sehr ich daran hänge. Das ist natürlich bequem, weil man in der Ferne leicht dazu neigt, alles zu verklären und sich danach zurückzusehnen – ohne dass diese Sehnsucht wirklich auf die Probe gestellt würde. LINK [€]

SWR Kultur, lesenswert, Gespräch von Kristine Harthauer mit Deniz Yücel, 23. Januar 2026. »Dass Menschen in verschiedenen Medien wahrnehmen, in verschiedenen Wahrheiten leben, und miteinander nicht mehr diskutieren. Und das ist so, wenn man in andere Länder guckt, zum Beispiel in die Türkei oder in die USA, wo diese Prozesse schon weiter fortgeschritten sind, dann sieht man auch, wohin diese Spaltung von Öffentlichkeit führt: nämlich zu einer existenziellen Bedrohung für die Demokratie. Und dagegen vorgehen kann man nicht, wenn man das einfach nur das beklagt, sondern versucht, diese Spaltung von Öffentlichkeit zu überwinden. Das ist unser Ansatz, mit den Mitteln eines ehrenamtlich arbeitenden Vereins, nicht mehr, aber auch nicht weniger.« LINK und AUDIO

Südwest Presse, Bericht von Marcus Golling, 23. Januar 2026. »Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang, vor Arbeitslosigkeit, vor einer unkontrollierten Zuwanderung, vor einer Machtübernahme der Rechtsextremisten, vor der Klimakatastrophe, vor Krieg. Über all das wird aus Sicht des PEN Berlin zu oft in abgeschlossenen Zirkeln diskutiert. Diesmal seien aber alle eingeladen, bei freiem Eintritt. Sprecher Yücel: ›Das größte Problem ist die Spaltung von Öffentlichkeit. Unser Ziel ist, soweit wir das können, an jedem Abend diese Spaltung zu überwinden, in Calw oder Bad Mergentheim, aber natürlich auch in Freiburg und Heidelberg.‹ Diese Absicht zeigt sich auch auf den Podien: Dort sitzen etwa der Soziologe Heinz Bude, der frühere Stuttgarter Grünen-OB Fritz Kuhn oder die Schriftstellerin Eva Menasse, aber auch Steffen Mayer, der Landesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, die BR-Journalistin Julia Ruhs oder die frühere AfD-Politikerin Joana Cotar.« LINK

Mannheimer Morgen, Interview von Stefan M. Dettlinger mit Deniz Yücel, 22. Januar 2026. »Wir sprechen über Demokratie nicht nur als Polarisierung, sondern auch als Spaltung von Öffentlichkeit. Mit der Reihe versuchen wir, vor Ort, Abend für Abend, diese Spaltung ein bisschen zu überwinden und so eine republikanische Öffentlichkeit herzustellen, in der jeder mitreden kann (…) indem wir keine Verbotsschilder aufstellen, sondern sagen: Jeder ist eingeladen, jeder kann alles sagen – nicht zu beliebigen Zeiten und nicht in beliebiger Länge, damit viele zu Wort kommen. Aber wir haben keine Angst vor dem freien Wort. Beim letzten Mal war das Ergebnis sehr kontrovers, aber zivilisiert. Und danach sagten die Leute: „Danke, dass Sie das ermöglicht haben. Wir hätten nicht gedacht, dass das überhaupt noch möglich ist.« LINK [€] und PDF

Berliner Zeitung, Bericht von Cornelia Geißler, 19. Januar 2026. »Die Autorenvereinigung PEN Berlin nimmt erneut ein Unbehagen in der Gesellschaft auf. Nachdem sie 2024 vor den Landtagswahlen in 37 ostdeutschen Städten von Annaberg bis Zwickau öffentliche Gespräche zum Thema Meinungsfreiheit organisierte, steht nun die Frage nach Heimat im Zentrum. Probleme, eine Wohnung zu finden, die unbefriedigende Verkehrssituation, die Gesundheitsversorgung, Kriminalität und Einsamkeit beschäftigen viele Menschen. ›All diese und weitere Ängste lassen sich in einem Motiv bündeln: die Angst vor dem Verlust des Vertrauten‹, schreibt PEN Berlin in der Ankündigung.« LINK

 

Zur Veranstaltung »Iran − jetzt Regime Change?« im Berliner Ensemble

PEN Berlin Klütz
Shila Behjat (Mod.), Mina Khani, Natalie Amiri, Johannes Volkmann und Daniela Sepehri | Foto: Ali Ghandtschi 

Tagesspiegel, Bericht von Christiane Peitz, 19. Januar 2026. »Zu Beginn der ausverkauften, von Shila Behjat moderierten Podiumsdiskussion am Sonntag im Berliner Ensemble steht weniger die Frage nach einem Ende von Ayatollah Chamenei im Zentrum als die seit zwei, drei Tagen immer offensichtlichere Brutalität der iranischen Revolutionsgarden und paramilitärischen Basidsch-Milizen. Eine Brutalität, die sprachlos macht, so PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn. Reden wir trotzdem, versuchen wir. Mit dabei sind Natalie Amiri, Mina Khani, Daniela Sepehri und Johannes Volkmann.« LINK  

PEN Berlin Klütz
Daniela Seperhi (l.) und Mahtab Yaghma im Berliner Ensemble | Foto: Ali Ghandtschi 

radio3 [rbb], Bericht von Kai Salander, 19. Januar 2026. »Die iranische PEN-Stipendiatin und Lyrikerin Mahtab Yaghma eröffnet die Gesprächsrunde im Berliner Ensemble am Sonntagnachmittag mit einer Schreckensnachricht. […] Die langjährige Leiterin des ARD-Außenstudios in Teheran, Amiri, spricht von einem ›Wechselbad der Gefühle‹ für die Menschen. Einerseits gebe es die Hoffnung, die USA auf ihrer Seite zu wissen. Andererseits hätten die Menschen Angst vor einem Militärschlag. Doch wie kann Deutschland helfen? Der CDU-Mann Johannes Volkmann wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Berlin stehe den Sanktionen nicht im Weg, sondern Brüssel. […] Natalie Amiri will das Argument nicht gelten lassen. Deutschland könne in Brüssel sehr wohl Interessen durchboxen – siehe Autoindustrie.« LINK  

DLF Kultur, Fazit, Bericht von Gerd Brendel, 19. Januar 2026. »Die entscheidende Frage ›Gibt es eine Chance für den Sturz des Mullah-Regimes?‹ Am Anfang der Veranstaltung stand die Erinnerung an die Toten. ›Ziba aus Nishapur lebt nicht mehr‹, erzählt die Lyrikerin Mahtab Yaghma zu Beginn der Veranstaltung im Berliner Ensemble zur Situation im Iran. ›Ziba war mir die Liebste von meinen Freundinnen, 33 Jahre alt, sie hatte eine 8-jährige Tochter‹. Die junge Mutter ist eine von tausenden Opfern, ermordet in Gefängnissen und auf den Straßen Irans in den letzten Wochen und Tagen. Davon erzählt die iranische Publizistin und Künstlerin Mina Khani. Und Daniela Zeperi zitiert einen politischen Gefangenen, der schon vor einem Jahr in einem Brief aus dem Gefängnis prophezeite: ›Die Tyrannei hat immer ein Verfallsdatum.‹« LINK  

radio3 [rbb], radio3 am Morgen, Anja Herzog im Gespräch mit Daniela Sepehri, 16. Januar 2026: »Die Revolutionsgarde auf die Terrorliste zu setzen, wäre für das Regime ein sehr harter Schlag. Die Revolutionsgarde ist ein zweites Militär, das damals von Khomeini gegründet wurde, um die Islamische Revolution von 1979 zu verteidigen und in die Welt zu verbreiten. Sie unterstützt die Hamas, die Hezbollah, all die Terrorproxies in der Region, und sie ist für die brutale Niederschlagung der Proteste immer verantwortlich. Die Revolutionssgarde hat sich über die Jahre zu einem zweiten Staat innerhalb des Staates etabliert. Es hat wichtige Führungspositionen in Politik und Wirtschaft. Sie auf die Terrorliste zu setzen, würde de facto bedeuten, das gesamte Regime auf die Terrorliste zu setzen.« LINK  

 

Zu Ilhan Sami Çomak

radio3 [rbb], radio3 am Nachmittag, Bericht von Tomas Fitzel, 9. Januar 2026, im Anschluss an unsere gemeinsame Veranstaltung mit dem Maxim Gorki Theater mit Ilhan Sami Çomak, der nach 30 Jahren türkischer Haft Ende 2024 freigelassen wurde, und Jan Wagner. İlhan Sami Çomak: »Ich habe oft darüber nachgedacht, warum ich Gedichte geschrieben habe. Ein sehr wichtiger Grund war, um damit meine Existenz in dieser Welt zu festigen. Denn sie haben mich in eine Welt der Nichtexistenz geworfen. Mit meinen Gedichten habe ich mich fest an die Welt geklammert und meine Stimme in die Welt hinaus getragen. Das war meine größte Rache an all denen, die mir dieses Unrecht angetan hatten.« LINK

 

ÄLTERE BEITRÄGE

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