Kongress 2025

Vierter Kongress des PEN Berlin »Wer räumt das jetzt auf?«
Berlin, Säälchen, 29. November 2025
Beiträge zum Nachlesen

Thea Dorn: »Warum tust du dir das eigentlich an?«

Thea Dorn
Thea Dorn bei ihrer Eröffnungsrede | Foto: Ali Ghandtschi

Eröffnungsrede  von Thea Dorn: »Seit ich mich vor einem Jahr auf das Amt der PEN-Berlin-Sprecherin eingelassen habe, gibt es eine Frage, die mir ständig gestellt wird: »Warum tust du dir das eigentlich an?« […] Ich vermute, Entscheidungen, die den Alltag so dramatisch verändern wie die, die ich vor einem Jahr getroffen habe, haben in aller Regel etwas mit der eigenen Lebensgeschichte zu tun. Trotzdem will ich hier keine autobiographische Nabelschau veranstalten. Denn ich vermute, dass meine Entscheidung ebenso sehr mit allgemeineren Konstellationen der Zeit zu tun hat. Deshalb hoffe ich, dass Überlegungen zu der Frage, warum ein Mensch, der in seinem privaten und beruflichen Leben mehr als genug zu tun hat, sich auf ein kraft- und zeitintensives (ich sage nicht: -raubendes) Ehrenamt einlässt – dass Überlegungen zu dieser Frage von allgemeinerem Interesse sein könnten.« REDE

Sofi Oksanen: »Vor den Augen der Welt«

Sofi Oksanen
Sofi Oksanen bei ihrer Festsrede | Foto: Ali Ghandtschi

Festrede von Sofi Oksanen: »Die koloniale Assimilierungspolitik Russlands [ist] wirksamer als man glauben möchte, denn sie betrifft nicht nur die Menschen in den von Russland kontrollierten Gebieten, sondern auch Menschen, die außerhalb Russlands leben. Sie hat auch Ihr Denken, Ihre Weltsicht, Ihre Werte und moralischen Maßstäbe beeinflusst. Russlands Kolonialpolitik ist so effizient, dass das westliche Sprechen über den Krieg überhaupt nicht den zentralen Aspekt des Krieges betont, seine eigentliche Ursache, mit dem die Deportationen so unmittelbar verknüpft sind. Und genau darum kann die Friedensrhetorik, die sich nur auf Grenzverläufe fixiert, auch niemals zu einem nachhaltigen und gerechten Frieden führen. Im Herzen des Krieges liegt Identitätspolitik.« REDE

 

Wolfgang Kubicki/Renate Künast: »Gibt es ein Recht auf Hass?«

Wolfgang Kubicki, Renate Künast
Kontrahenten Renate Künast, Wolfgang Kubicki auf dem PEN-Berlin-Kongress | Foto: Ali Ghandtschi

Impulsreferat von Wolfgang Kubicki: »Der technologische Fortschritt muss dazu führen, dass wir unsere freiheitlichen Ideale ins 21. Jahrhundert hinüberretten und bestenfalls hin zu einer noch freieren Gesellschaft fortentwickeln, nicht dazu, dass wir sie über Bord werfen. Genau auf diesem Weg befinden wir uns aber – und dagegen wehre ich mich, solange ich politisch tätig bleibe!« REDE

Impulsreferat von Renate Künast: »Womit hat es alles begonnen, die ganze Debatte? Sie hat damit begonnen, dass die Behauptung lautete, in diesem Land könne man seine Meinung nicht mehr sagen. Und das steigerte sich in Hass. Und als man dann gesagt hat, Hass ist aber doch keine Meinung, kein grundgesetzlich geschützter Meinungsbeitrag, wurde auch das kritisiert und man behauptete, auch das sei eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.« REDE

 

Autoren im Knast: Peyman Farahavar, María Cristina Garrido, Mohamed Tadjadit

Peyman Farahavar, Garrido Rodríguez, Mohamed Tadjadit
Grafik: PEN Berlin

Daniela Sepehri: »Das Regime im Iran hat seit Anfang des Jahres mehr als 1.600 Menschen hingerichtet. Bitte lasst nicht zu, dass Peyman Farahavar, unser Kollege, für seine Poesie als nächstes hingerichtet wird.« Außer um den zum Tode verurteilten iranischen Lyriker Peyman Farahavar ging es auf unserem Kongress um die in Kuba inhaftierte Lyrikerin María Cristina Garrido Rodríguez (Vorstellung: Andrea Landfried) sowie um den algerischen Lyriker Mohamed Tadjadit (Vorstellung: Jayrôme Robinet). TEXTE

 

Medienberichte

Mitwirkende

Kongressszenen

 

Programm: »Wer räumt das jetzt auf?«

PEN Berlin
Grafik: Benjamin Buchegger

Säälchen, Holzmarktstraße 25, 10243 Berlin
Samstag, 29. November 2025

Durch den Tag führt Bascha Mika (Journalistin). Daniela Sepehri, Andrea Landfried und Jayrôme Robinet stellen gefangene Autoren vor.

13.00 Uhr | Eröffnungsrede von Thea Dorn (Schriftstellerin, Sprecherin PEN Berlin)

13.30 Uhr | Podiumsdiskussion | »Macht, Geld, NGO«
Mit: Morten Freidel (Journalist, NZZ), Timo Reinfrank (Amadeu-Antonio-Stifung), Ulrike Winkelmann (taz-Chefredakteurin) und Holger Marcks (Sozialwissenschaftler). Moderation: Catherine Newmark (Journalistin)

Unter dem Titel »Macht, Geld, NGO« werden die Journalist:innen Morten Freidel (NZZ) und Ulrike Winkelmann (Chefredakteurin der taz), Timo Reinfrank (Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung) und Holger Marcks (Leiter der Forschungsstelle »Gegen Hass im Netz«) der Frage nachgehen, wie viel Subvention die Subversion verträgt.

14.45 Uhr | Gespräch | »What’s Next, America?«
Mit: Thomas Meaney (Journalist/Granta) und Nora Krug (Autorin). Moderation: Paul-Henri Campbell (Lyriker). Auf Englisch 

Thomas Meaney, der Herausgeber des internationalen Literaturmagazins Granta, wird mit der deutsch-amerikanischen Autorin und Illustratorin Nora Krug über die derzeitige Situation in den USA sprechen.

15.30 Uhr | Podiumsdiskussion | »Literatur heute: Kann das weg?«
Mit: Helge Malchow (Ex-Verleger KiWi), Manja Präkels (Schriftstellerin), Kristof Magnusson (Schriftsteller) und Khuê Phạm (Schriftstellerin). Moderation: Insa Wilke (Literaturkritikerin)

Auf dem Panel »Literatur heute: Kann das weg?« denken der ehemalige Kiwi-Verleger Helge Malchow und die Schrifteller:innen Manja Präkels, Kristof Magnusson und Khuê Phạm darüber nach, wie es um die Literatur gegenwärtig bestellt ist. Hat sie sich gnadenlos überschätzt? Oder gewinnt sie angesichts zunehmender Unfreiheiten an dissidentischer Kraft?

16:45 Uhr | Gespräch | »Transnationale Repression: Wo die Macht dich findet«
Mit: Basma Mostafa (Journalistin) und Noura Chalati (Reporter ohne Grenzen). Moderation: Jenny Friedrich-Freksa (Chefredakteurin Kulturaustausch). Auf Englisch  

Ob Autorin:Innen im Exil wirklich sicher sind oder einen die Macht überall findet, darüber redet Basma Mostafa von Reporter ohne Grenzen mit der Politikwissenschaftlerin und Expertin für Geheimdienste Noura Chalati.

17.30 Uhr |  Impulsreferate und Publikumsdiskussion | »Gibt es ein Recht auf Hass?«
Mit: Wolfgang Kubicki (Rechtsanwalt und Ex-MdB), Renate Künast (Ex-MdB und Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Aron Boks (Saalmikrofon) und dem Publikum (Publikum).

Die Grenzen zulässiger Meinungsäußerungen werden immer enger gezogen. Dass die Freiheit des Wortes auch die Freiheit des bescheuerten oder abstoßenden Wortes umfasst, scheint kaum noch aushaltbar zu sein. Ob es allerdings ein »Recht auf Hass?« gibt, dazu werden Wolfgang Kubicki und Renate Künast Impulsreferate geben und diesem Thema auch juristisch nachgehen.

19:15 Uhr | Gespräch | »Georgien: Und was, wenn die Wende scheitert?«
Mit: Nino Haratischwili (Autorin). Moderation: Doris Akrap (Journalistin/taz)

Über die aktuelle Lage in Georgien und die Frage »Was ist, wenn die Wende scheitert?« wird Nino Haratischwili mit der Journalistin Doris Akrap sprechen.

20.00 Uhr | Festrede von Sofi Oksanen (Schriftstellerin) 

Diesjährige Festrednerin ist die finnisch-estnische Schriftstellerin Sofi Oksanen. Der Journalist Ijoma Mangold wird in Oksanens Werk einführen.  

20.40 Uhr | Konzert von Katharina Franck
 

Zum Abschluss spielt Katharina Franck, die nicht nur als Solo-Künstlerin ein Ereignis ist, sondern auch mit ihrer Band Rainbirds bald wieder auf Tour gehen wird, ein kurzes Konzert.

21.30 Uhr | Durchatmen, dann Disco 
DJ: Doris Akrap

 

 

Gefördert von:

LOTTO Stiftung

 

In Kooperation mit:

Büchertisch:

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