Pressemitteilung vom 16. April 2026
Literatur: Für die Freiheit der Kritik und der Replik

Der PEN Berlin, da kann man sich auf ihn verlassen, verteidigt immer das freie Wort, und zwar auch dort, wo es scharf, polemisch und verletzend ist. Eine ganze kulturelle Gattung, die Literaturkritik, lebt unter anderem von dieser polemischen Schärfe.
Der Literaturkritiker (und Mitglied von PEN Berlin) Denis Scheck ist jetzt in massiver Weise angegriffen worden, weil er in seiner Sendung Druckfrisch, mithin in einem performativen Format, das intellektuelle Urteile in Bilder übersetzen muss, mit theatralischer Geste Bücher in die Tonne bzw. in die Altbücherkiste befördert, genauer: (auch) Bücher von Frauen dorthin befördert. Der Vorwurf lautet nicht, dass seine Urteile falsch, sondern dass sie sexistisch seien.
Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wenn Autorinnen und Autoren – wie jetzt Sophie Passmann, ebenfalls Mitglied des PEN Berlin, Elke Heidenreich und Ildikó von Kürthy – die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.
Bücher leben von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung. Marcel Reich-Ranicki zerriss einst – it’s legend – auf dem Cover des Spiegel Günter Grass’ Roman »Ein weites Feld« in Fetzen. Das war nicht schön, das war nicht angemessen, das war nicht pädagogisch wertvoll und es war vielleicht nicht einmal gerecht, aber es war eben Literaturkritik. Wir brauchen Orte auch der scharfen Auseinandersetzung darüber, was gut und was schlecht ist. Und an dieser Debatte darf sich jeder beteiligen.
»Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen«, sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. »Darum hoffen wir sehr, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen.«
PEN Berlin. Wir stehen im Wort.