Januar/Februar 2025 (PEN-Nahost-Debatte, Kiiza, Yasin, Menasse)
Vorläufig letzte Worte zur PEN-Nahost-Debatte
Cicero, Essay von Ralf Hanselle, 18. Januar 2025: »Manchmal bekommt man den Eindruck, so manch eine öffentliche Figur trete lediglich in einen Verein ein, um hernach unter großem Gepolter wieder aus diesem auszutreten. Club-Quitting, das scheint das freiberufliche Pendant zum Job-Quitting geworden zu sein. Immerhin: Susan Neiman bedauert den offenen Brief heute. Und Michael Landgraf, Generalsekretär beim PEN Deutschland, sieht in derlei Aufmerksamkeitsgehascherl ein grundsätzlicheres Problem: ›Trash Talk schafft es meist auf die Titelseiten der Zeitungen. Eine differenziertere Sicht auf die Welt, ein leises Abwägen und Nachdenken haben es da viel schwerer.‹ Der Medienwechsel der vergangenen Jahre habe Reden und Schreiben extrem beschleunigt. Literatur und literarische Sprache kämen kaum noch hinterher, sagt Landgraf, der sich im PEN zuweilen nach den guten alten Tagen eines Heinrich Böll zurückzusehnen scheint. (…) ›Gibt es heute noch eine Instanz wie Heinrich Böll?‹, fragt Michael Landgraf, dessen PEN Deutschland im nächsten Jahr eine neue Leitungsfigur sucht. Vielleicht sollte man die Idee vom moralischen Schriftsteller einfach begraben.« LINK [€]
Iran: Zur Freilassung unseres Ehrenmitglieds Saman Yasin

Bayerischer Rundfunk, mit Informationen von epd, 18. Januar 2025: »›Saman Yasin ist endlich frei‹, so PEN Berlin-Boardmitglied Joachim Helfer, ›unser anderes iranisches Ehrenmitglied Toomaj Salehi ist es seit Dezember 2024.‹ Das sei vermutlich eine Folge der kritischen Situation, in der sich die Islamische Republik Iran derzeit befände. ›Es zeigt aber auch, dass internationale Solidarität und der Einsatz für Menschenrechte etwas bewirken können.‹« LINK
Deutschlandfunk, 18. Januar 2025: »Ihr Ehrenmitglied Yasin sei seit gestern in Berlin, teilte der PEN heute mit. Der aus dem kurdischen Teil Irans stammende Rapper war seit Oktober 2022 wegen seiner regimekritischen Texte in Haft. Yasin war laut PEN der ›Feindschaft gegen Gott‹ beschuldigt und vom Revolutionsgericht in einem Schauprozess zum Tode verurteilt worden.« LINK
Zeit-Online, 18. Januar 2025: »Im Gefängnis wurde [Saman Yasin] laut PEN schwer gefoltert und misshandelt, unter anderem durch eine Scheinhinrichtung. Die deutsch-iranische Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help hatte sich zusammen mit PEN Berlin und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Carlos Kasper für Yasins Freilassung eingesetzt. Der Schriftstellerverband will den Rapper nach eigenen Angaben beim Einleben in Berlin unterstützen.« LINK
Berliner Zeitung, Bericht von Ulrich Seidler, 19. Januar 2025: »Der 29-jährige Yasin sei den Angaben nach am Freitag am Flughafen von der deutsch-iranischen Autorin Daniela Sepehri, PEN-Berlin-Mitglied und Mitinitiatorin des Patenschaftsprogramms für politische Gefangene in Iran, in Empfang genommen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carlos Kasper hatte die Patenschaft für Yasin übernommen und seine Freilassung gefordert.« LINK
Hiphop.de, Bericht von Michael Ebenger, 19. Januar 2025: »Außerdem danken sie der Hilfsorganisation HÀWAR.help, die ›sich unermüdlich dafür eingesetzt hat, dass Saman Yasin jetzt in Deutschland in Sicherheit ist‹, so das PEN Berlin in der Pressemitteilung.« LINK
WDR Cosmo, Bericht von Anne Lorenz, 20. Januar 2025: »Gegen das Todesurteil legte Saman Yasin Berufung ein – mit Erfolg: Das Gericht hob das Urteil auf. Ende Oktober wurde der 26-Jährige vorläufig auf Kaution freigelassen. Nun ist er sicher im Exil in Berlin angekommen, wie die Schriftstellervereinigung PEN Berlin bekannt gegeben hat.« LINK
Eva Menasse: »Polarisierung und Fanatisierung sind durchschlagend«

Zeit, Podcast Alles gesagt, Jochen Wegner und Christoph Amend im Gespräch mit Eva Menasse, 9. Januar 2025: »Ich habe die letzten Jahre mit meinen Essays immer wieder versucht, in den Diskurs einzugreifen (…) Und ich habe auch das Gefühl, dass man zuhört oder dass das zumindest gar keine Wirkung hat. Ich habe diesen Verein gegründet, den PEN Berlin, und das mit Deniz Yücel von einer Mitmach-Klitsche zu einem richtig großen Schriftsteller- und Autorinnenverband gemacht, Stand heute. Und trotzdem habe ich das Gefühl, es geht alles nicht. Die Polarisierung und die Fanatisierung der Leute ist so durchschlagend, dass man gerade nichts mehr machen kann.« AUDIO [Ausschnitt] und LINK [Ganzes Gespräch]
Uganda: Zur Verhaftung von Eron Kiiza

Deutschlandfunk, 8. Januar 2025: »Seine Gedichte sprechen von der Sehnsucht des ugandischen Volkes nach Freiheit und Gerechtigkeit – als Anwalt setzt er sich für Regimekritiker und gegen die Strafverfolgung queerer Menschen ein: Nun ist der ugandische Dichter und Rechtsanwalt Eron Kiiza selbst verhaftet worden. Kiiza sei am Dienstag nach einer Auseinandersetzung in einem Militärgericht in der Hauptstadt Kampala festgesetzt und kurzerhand zu neun Monaten Haft verurteilt worden, teilte die Schriftstellervereinigung PEN Berlin mit und fordert seine sofortige Freilassung. Ein korruptes Regime wie das ugandische versuche, das freie Wort ›ebenso zu unterdrücken wie eine unabhängige Justiz‹, sagte Schriftsteller und PEN-Mitglied Joachim Helfer.« LINK