Archiv 2025

Oktober 2025 (Klütz-Epilog, Cheftek, Dagen, Bolz, Frankfurter Buchmesse)

Zur Frankfurter Buchmesse

Leipziger Volkszeitung, Bericht von Janina Fleischer, 11. Oktober 2025: »›Literatur heute: Kann das weg?‹ Mit dieser Frage eröffnet die Schriftstellervereinigung PEN Berlin in der kommenden Woche ihr Diskussionsforum auf der Frankfurter Buchmesse. Und präzisiert: ›Hat die Literatur sich gnadenlos überschätzt? Oder gewinnt sie angesichts zunehmender Unfreiheiten an dissidentischer Kraft?‹ Es ist nur ein Aspekt, die Literatur der Gegenwart zu hinterfragen. Ein anderer ist die Bewertung als gut, wahr, schön.« LINK [€]

Patricia Evangelista
Deniz Yücel, Patricia Evangelista, Zoë Beck, Ulrich Gutmair (v.l.n.r.) am Rand der Buchmesse | Foto: PEN Berlin

taz, Beitrag von Ulrich Gutmair, 18. Oktober 2025: »›Let go chainsmoking‹, sagt Patricia Evangelista und marschiert energisch los, um vor Halle 3.1 Kette zu rauchen. Eben saß die philippinische Autorin noch auf einem Barhocker am Stand der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, der inzwischen schon Messetradition ist. Mit auf dem Podium ihre deutsche Verlegerin und Übersetzerin Zoë Beck vom Verlag CulturBooks, ich durfte Fragen stellen. (…) Am Stand wird Evangelista aus dem Publikum gefragt, ob sie Teil der offiziellen Delegation des diesjährigen Gastlands der Frankfurter Buchmesse sei. Ja, sagt Evangelista, aber sie habe sich ausbedungen, auf der Messe sagen zu dürfen, was sie will – ›Whatever the fuck I want.‹« LINK

 

 

Kamel Daoud
Iris Radisch (Mod.) Kamel Daoud, Übersetzerin (v.l.n.r.) beim Gespräch über Boualem Sansal am Messestand des PEN Berlin, 16.10.2025 | Foto: PEN Berlin

Zeit-Online, Bericht von Jolinde Hüchtker, 18. Oktober 2025: »Einige Beamte des hessischen Landeskriminalamts haben sich um den Messestand des PEN Berlin verteilt und lassen ihre Blicke unruhig über die Besucher schweifen, denn hier ist heute ein Mann zu Gast, der nicht mehr sicher ist: der französisch-algerische Autor Kamel Daoud. Mit Zeit-Redakteurin Iris Radisch spricht er über seinen Roman Huris, der gerade ins Deutsche übersetzt wurde und vom algerischen Bürgerkrieg handelt – vor allem aber spricht er über seinen Freund Boualem Sansal, ebenfalls französisch-algerischer Schriftsteller und Regimekritiker, der seit fast einem Jahr in algerischer Haft sitzt. Heute, am 15. Oktober, ist Sansals 81. Geburtstag. Er feiert ihn allein, in einer neun Quadratmeter großen Zelle.« LINK [€]

 

Zu den Koalitionsplänen in Sachen Desinformation

Süddeutsche Zeitung, Rezension von Ronen Steinke, 10. Oktober 2025: »Als die schwarz-rote Koalition im Frühjahr diesen ominösen Satz in ihren Koalitionsvertrag hineinschrieb, da löste das bei vielen Beobachtern George-Orwell-Vibes aus: Man wolle die ›bewusste Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen‹ staatlich bekämpfen, schrieben die Koalitionäre von Union und SPD – und dass eine ›Medienaufsicht‹ künftig gegen ›Informationsmanipulation‹ vorgehen werde. Für viele klang das verdächtig danach, dass der Staat sich zu einem Kontrolleur über die Wahrheit aufschwingen wolle. Deniz Yücel, der Sprecher des PEN Berlin, warnte vor einer ›Art Wahrheitsgesetz‹, viele andere kritisierten ebenfalls einen bedenklichen politischen Trend.« LINK

Zur Ausladung von Susanne Dagen aus Landau (und Canceln allgemein)

Susanne Dagen
Susanne Dagen | Foto: Wikipedia/staDDrat

DLF Kultur, Meldung, 2. Oktober 2025: »Gestern hatten die Veranstalter des ›Denkfest‹ die Buchhändlerin und Verlegerin Susanne Dagen ausgeladen. Begründet wurde das mit Hinweisen auf konkrete Aktionen gegen Dagen, die auch kulturpolitische Sprecherin der AfD in Sachsen ist. Diese Ausladung kritisierte nun der PEN Berlin scharf. Sicherheitsbedenken müsse man ernst nehmen, heißt es in einer Stellungnahme. Allerdings sei es dann die Aufgabe des Staates, für Sicherheit zu sorgen.« LINK

WDR 3, Mosaik, Meldung, 2. Oktober 2025: »In einer Stellungnahme der Autorenvereinigung heißt es, Dagen repräsentiere 30 Prozent der Wähler. (….) Wenn ein Veranstalter sich zu einer Einladung entschließe, dürfe man erwarten, dass diese Einladung stehe. Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit würden auch gelten, wenn es einem nicht in den Kram passe.« LINK

Berliner Zeitung, Bericht von, Susanne Lenz, 2. Oktober 2025: »PEN Berlin merkt allerdings auch an, dass sich in den USA derzeit beobachten lasse, was die lautstarke Forderung von Rechtspopulisten nach Meinungsfreiheit wert ist: keinen Cent. ›Dasselbe gilt für die AfD. Sie plakatiert zwar Zeit für freie Meinung. Doch viele Einlassungen ihres führenden Personals bis hin zu zahllosen Anträgen ihrer kommunalen Fraktionen lassen keinen Zweifel daran, dass Frau Dagens Partei, wenn sie die Gelegenheit dazu bekäme, alles und jeden canceln würde, der nicht in ihre Streichholzschachtelwelt passt.‹« LINK

nd – Der Tag, Beitrag von Hans-Dieter Schütt, 9. Oktober 2025: Stich-Worte im wahrsten Sinne sind: Naher Osten, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Furcht vor Gewalttätigkeiten. Eingeladene sind (plötzlich?!) unzumutbare Reizfiguren. Auch ein Michel-Friedman-Auftritt im Literaturhaus Klütz: Widerruf, aus Sicherheitsgründen. Die Loschwitzer Buchhändlerin Susanne Dagen, engagiert in der AfD-Kommunalpolitik, sollte am ›Denkfest‹ teilnehmen – und wurde ausgeladen. PEN Berlin erklärt: Was das oft bemühte Wort vom ›Aushalten‹ wert sei, zeige sich, wenn es wirklich etwas auszuhalten gelte. ›Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit gelten nicht nur, wenn es einem in den Kram passt, sondern auch dann, wenn es einem nicht in den Kram passt. Gerade dann.‹« LINK

 

Zur Ausladung von Cheftek (und Canceln allgemein)

Chefket, Wolfram Weimer, Jan Böhmermann
Chefket, Wolfram Weimer, Jan Böhmermann | Fotos: Archiv (2); Picture Alliance/dpa – HMB Media/Uwe Koch

Berliner Zeitung, Bericht von Katharina Heflik, 1. Oktober 2025: »Die Debatte um die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket im Haus der Kulturen der Welt (HKW) lässt nicht ab. Nun kritisiert auch der Verband PEN Berlin die Ausladung. An das HKW gerichtet fragt PEN Berlin nach dem ›offenen Dialog‹ für den das Haus stehe. Man habe die Chance vertan, mit dem Rapper und dessen Haltung zum Nahost-Krieg in den Dialog zu gehen.« LINK

Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Bernhard Heckler und Thore Rausch, 2. Oktober 2025: »Anfang der Woche sagte Jan Böhmermann das Konzert ab, verwies in einer Pressemitteilung auf Kritik, ›insbesondere auch von jüdischer Seite‹. (…) Der PEN Berlin fragte am Mittwoch in einer Pressemitteilung vorsichtig nach, ob denn Wolfram Weimer jetzt auch der ›Bundestrikotminister‹ sei. Während Jan Böhmermann und die Veranstalter des HKW sich seitdem nicht äußern, wird es online immer lauter.« LINK

 

Nach der Ausladung von Michel Friedman (Klütz-Epilog)

taz, Beitrag von Jan Kahlcke, 3. Oktober 2025: »Auf der Bühne, die die PEN-Leute organisiert haben, sagt [Michel Friedman]: ›Ich freue mich, hier zu sein.‹ Mit Gespür für die Pointe fügt er hinzu: ›Ich wollte ja im kommenden Jahr ohnehin kommen.‹ Ein paar hundert Menschen sind gekommen. Vorn an der Bühne stehen viele kulturell Interessierte aus der Region, die Friedman applaudieren. Die meisten Klüt­ze­r:in­nen dagegen haben sich so weit davon entfernt aufgestellt, wie es der Klützer Markt eben zulässt. Die Lücke dazwischen wirkt unversöhnlich. Aber von der Bühne aus entwickelt sich eine offene Diskussion, in der beide Lager zumindest versuchen, einander zu verstehen.« LINK

Ostsee-Zeitung, Bericht von Michael Prochnow, 7. Oktober 2025: »Der Streit um die Absage von Michel Friedman, der im kommenden Jahr aus seinem Buch „Mensch“ in Klütz lesen sollte, geht weiter. Der Leiter des Literaturhauses, Oliver Hintz, hat die Diskussion erneut angeheizt. Bürgermeister Jürgen Mevius rückt er in die Nähe von Antisemiten und einige Demonstranten, die sich auf der Veranstaltung vor einer Woche hinter den Bürgermeister gestellt hatten, bezeichnet er als ›pöbelnde Gruppe‹. (…) Das Tischtuch zwischen Jürgen Mevius und Oliver Hintz ist offenbar durchschnitten. Es hat laut Hintz in den vergangenen Wochen nur ein einziges Gespräch zwischen ihnen gegeben. ›Als am Montag vor der Veranstaltung auf dem Markt das Literaturhaus mit gelben Tüchern behängt war, habe ich ihn aufgefordert, das entfernen zu lassen.‹ Jeder Mensch wisse, dass diese Farbe für die Stigmatisierung der Juden stehe, auch der Bürgermeister.‹ ›Völliger Unsinn‹, sagt Jürgen Mevius. ›Die Tücher sind das Zeichen des Literaturhauses.‹« LINK [€]

Ostsee-Zeitung, Bericht von Michael Prochnow, 8. Oktober 2025: »Der Brief könnte das berufliche Ende von Hintz in Klütz bedeuten. Bei der angesetzten Sondersitzung dürfte es um die Kündigung des Honorarvertrages gehen, den der Literaturhaus-Leiter und die Stadt abgeschlossen haben. Der Brief hat dessen Chancen auf eine Zukunft im Literaturhaus nach Aussage mehrerer Stadtvertreter nicht gerade verbessert. Auf vier DIN-A4-Seiten erläutert Oliver Hintz darin, wie er die Dinge einordnet. Und er blickt zurück auf die Demonstration am 29. September, als unter anderem Michel Friedman, Schriftstellerin Thea Dorn und der bekannte Journalist Deniz Yücel auftraten.« LINK [€]

Ostsee-Zeitung, Bericht von Michael Prochnow, 17. Oktober 2025: »Die Zeichen stehen auf schnelle Trennung: Der Leiter des Klützer Literaturhauses „Uwe Johnson“, Oliver Hintz, steht offenbar kurz vor dem Ende seiner beruflichen Laufbahn in der Stadt in Nordwestmecklenburg. Nach Informationen der Redaktion muss Hintz am kommenden Dienstag, dem 21. Oktober, seinen Schreibtisch räumen. Er wurde aufgefordert, zum Personalgespräch im Amt zu erscheinen. Dazu soll er Schlüssel und Laptop mitbringen.« LINK [€]

Lübecker Nachrichten, Beitrag von Hanno Kabel, 20. Oktober 2025: »Mit der Hannah-Arendt-Woche wollte das Literaturhaus ›Uwe Johnson‹ in Klütz (Nordwestmecklenburg) das Erbe der jüdischen Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) aufgreifen. Für 2026 hatte der Leiter des Hauses, Oliver Hintz, den jüdischen Publizisten Michel Friedman eingeladen. Auf Druck von Bürgermeister und Stadtvertretern zog er die Einladung zurück. Der Fall (…) erregte bundesweites Aufsehen. Jetzt steht auch die längst fertig geplante, erste Hannah-Arendt-Woche 2025 in Frage: Mehrere Künstler haben in einer Erklärung, die der Redaktion vorliegt, ihren Rückzug bekanntgegeben.« LINK [€]

Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Felix Stephan, 20. Oktober 2025: »Man hätte natürlich auch den Bürgermeister Jürgen Mevius gern zu den Vorgängen gesprochen. Dieser fährt allerdings vom ersten Tag der Affäre an konsequent eine zweigleisige Kommunikationsstrategie: Auf Presseanfragen reagiert er im ersten Schritt entweder gar nicht oder herablassend, um dann im zweiten Schritt eine einseitige Berichterstattung zu beklagen und sich als Opfer einer Kampagne in Pose zu werfen. Auch die SZ bat ihn mit mehrtägiger Frist um eine Beantwortung von Fragen rund um den Vorgang – ohne Ergebnis. Diese Strategie ist nun vor allem am ganz rechten Rand des politischen Spektrums in Gebrauch und wirkt schon dadurch nicht eben effektiv dem Verdacht entgegen, dass Friedman in Klütz nicht zuletzt wegen seines Judentums der Auftritt verwehrt wurde – ein Verdacht, der leicht zu zerstreuen wäre.« LINK [€]

dpa, Bericht von Frank Pfaff, übernommen u.a. von Spiegel, 21. Oktober 2025: »Die darauffolgende Debatte über die möglichen Gründe für die Absage – von Kostenfragen bis hin zur Angst vor antisemitischen Protesten – sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Zu einer Kundgebung in Klütz, zu der die Autorenvereinigung PEN-Berlin eingeladen hatte, kamen Ende September rund 500 Menschen. Zu den Rednern gehörte auch Friedman, der vor Beschränkungen der Freiheit der Kunst warnte.« LINK

PEN Berlin Klütz
Deniz Yücel bei der Kundgebung in Klütz | Foto: Picture Alliance/dpa, Bernd Wüstneck

NDR Kultur, Der Morgen, Gespräch von Franziska von Bosse mit Deniz Yücel, 21. Oktober 2025: »Diese Unsitte des Cancelns und Ausladens, meist, weil die einladende Institution einem Druck nicht standhält – da war aus unserer Perspektive die Sache mit Michel Friedman nur ein Fall von vielen. Die zweite Ebene war, ein konkretes Gesprächsangebot für die Klützer zu machen. (…) Wir haben niemandem etwas unterstellt. Wir haben in unserem Aufruf grundsätzlich gesagt, dass Antisemitismus inakzeptabel sei. (…) Es gibt natürlich dieses Phänomen der schnellen Schuldzuweisung, aber es gibt auch das entgegengesetzte Phänomen, gerade in einer Gegend, wo 40 Prozent bei der letzten Wahl eine in großen Teilen rechtsextreme Partei gewählt haben. Ich verstehe eine Empörung darüber, wenn man sich zu Unrecht beschuldigt fühlt. Aber das umzukehren und zu sagen, es gebe in Klütz überhaupt kein Problem mit Rechtsextremismus und Antisemitismus – damit macht man sich das zu einfach. (…) Wir haben ein Angebot gemacht, auf dem Marktplatz wurde das Gespräch geführt, das intensiv, aber auch kontrovers war, aber am Ende haben alle Beteiligten gesagt: ›Auf der Grundlage können wir weiterarbeiten.‹ Mehr als dieses Angebot können wir aber auch nicht machen. Ein Gespräch ist immer die Voraussetzung einer Einigung, aber ein Gespräch muss nicht notwendig in eine Einigung führen.  Dazu bedarf es am Ende auch des guten Willens der Beteiligten. Offenbar hat es hier nicht geklappt.« LINK und AUDIO

Welt, Beitrag von Jens Ulrich Eckhard, 23. Oktober 2025: »Die Gründe für diesen Schritt konnte auch eine von der Autorenvereinigung PEN Berlin veranstaltete Kundgebung auf dem Klützer Marktplatz Ende September nicht zutage fördern. (…) Friedman, der eigens zur PEN-Diskussion angereist war, kritisierte auf der Bühne seine Ausladung. ›Es ist jemand ausgeladen worden als unerwünschte Person. Das darf es in Deutschland nicht geben‹, sagte er damals und bezeichnete die Sicherheitsbedenken von Mevius als ›fadenscheinig‹. Dieser wiederum kündigte damals als Reaktion auf die Kritik seinen Rücktritt zu Ende Oktober hin an.« LINK [€]

Lübecker Nachrichten, Essay von Hanno Kabel, 26. Oktober 2025: »Der Philosoph Hans-Georg Gadamer hat gesagt: ›Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte.‹ Unsere Gesellschaft ist dabei, das Gespräch zu verlernen. In Klütz hatte der andere immer Unrecht. Auch nach der Kundgebung mit Michel Friedman, die zum Gespräch anregen sollte.« LINK [€]

Der Streit um die Ausladung von Michel Friedman hatte vier Teilnehmer, die zur ersten Hannah-Arendt-Woche kommen sollten, zur Absage bewogen – aus Solidarität mit Literaturhauschef Oliver Hintz, der seinen Posten räumen muss. Daher fällt die für den 10. bis 14. November geplante Veranstaltung aus. Die Schauspieler Moritz Stoepel und Susanne Schwan, sowie der Musiker Simon Bellett und der frühere Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Björn Engholm (SPD), hatten die Trennung von Hintz scharf kritisiert. In einem offenen Brief nannten sie den Umgang mit Hintz einen ›kulturpolitischen Skandal‹. Ihrer Meinung nach sei die Veranstaltungsreihe ohne Hintz undenkbar. LINK

taz, Beitrag von Jan Kahlcke, 29. Oktober 2025: »Über den ehrenamtlichen Bürgermeister bracht ein Shitstorm herein und er kündigte seinen Rücktritt an. Friedman kam, ein Jahr vor dem Termin der Einladung, nach Klütz – zu einer Kundgebung der Autorenvereinigung PEN Berlin zur Rettung der Meinungs- und Kunstfreiheit. Hintz stand dort mit ihm auf der Bühne und erhob wüste Antisemitismus-Vorwürfe gegen seine Kolleginnen und die Stadt, weil das Literaturhaus mit gelben Schärpen geschmückt war: ›Gelb ist die Farbe des Sterns, den die Familie von Michel Friedman einst tragen musste.‹ Und zufällig auch die Farbe des Klützer Stadtwappens. Spätestens da war der Bruch nicht mehr zu kitten.« LINK

Die Zeit Nr. 46/2025, Beitrag von August Modersohn, 30. Oktober 2025: »(…) da machte die Nachricht die Runde, das in Klütz beheimatete Literaturhaus Uwe Johnson habe den Publizisten Michel Friedman erst eingeladen – und dann, auf Geheiß des Bürgermeisters, wieder ausgeladen. Die Furcht vor einem rechten Mob sei zu groß gewesen, hieß es. Woraufhin der PEN Berlin eine Kundgebung in Klütz organisierte, mit Michel Friedman. Viele Medien berichteten über den Fall, auch die Zeit. Bald trat der Bürgermeister zurück. Und der Literaturhausleiter wurde freigestellt. Doch ist bis heute nicht wirklich geklärt, was genau in Klütz geschehen ist. Es gibt im Ort viele Erzählungen, die sich widersprechen. Es gibt große, schwere Vorwürfe. Der eine gilt als Lügner, die andere als Antisemitin. Und je mehr man sich der Wahrheit anzunähern versucht, desto verrückter und schlimmer wird der Fall. Gegenwärtiger halt.« LINK [€]

Neue Zürcher Zeitung, Beitrag von Peter Jandl, 31. Oktober 2025: »Zwei Menschen, die ihren Job verlieren oder aufgeben, eine Veranstaltungsreihe, die nicht stattfinden wird, und ein Imageschaden, der viel grösser ist als die Gemeinde, die ihn jetzt zu tragen hat: War es das wert? Sehr definitiv nein, sagt der Schriftstellerverband PEN Berlin, der in letzter Zeit oft als Feuerwehr der Meinungsfreiheit ausrückt und quer durch alle Lager vor Hysterie warnt. Man hätte den Rapper Chefket nach Antisemitismus-Vorwürfen nicht aus einer Berliner Veranstaltung Jan Böhmermanns ausladen sollen und die rechte Buchhändlerin und Verlegerin Susanne Dagen nicht beim Philosophie-Festival in Rheinland-Pfalz.« LINK [€]

 

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