Pressemitteilung vom 20. Mai 2026
Ausladung von Arne Semsrott: AfD-Kulturpolitik aus Angst vor der AfD
PEN Berlin protestiert gegen die Ausladung von Arne Semsrott, Autor und Leiter des Portals FragDenStaat, von einer geplanten Lesung in der Stadtbibliothek Magdeburg.
Anfang des Jahres war Semsrott im Literaturhaus Magdeburg – keiner städtischen, aber einer von der Stadt geförderten Einrichtung – zu Gast, woraufhin die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat der Stadtverwaltung eine »grobe Verletzung der parteipolitischen Neutralität« vorwarf. Die wortkarge Stellungnahme der Stadtverwaltung deutet darauf hin, dass die Absage der für den 5. Juni in der Stadtbibliothek geplanten Lesung eine Reaktion der Stadt auf diesen Vorgang ist.
»Das ist ein Akt von Feigheit«, sagt PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. »Und wer auch immer diese Entscheidung getroffen hat: Die politische Verantwortung dafür trägt Oberbürgermeisterin Simone Borris. Dabei wäre es ihre Aufgabe, die Autonomie der Kultur gegen Druck von wem auch immer zu verteidigen.«
Diesem Prinzip fühlt sich PEN Berlin stets verbunden. So wie wir gegen die Ausladung unseres Gründungsmitglieds Michel Friedman in Klütz, gegen die Ausladung der Buchhändlerin Susanne Dagen in Landau protestiert haben, wenden wir uns nun gegen die Ausladung von Arne Semsrott in Magdeburg. »Die Autonomie der Kultur gilt immer. Und Freiheit ist immer die Freiheit des Ausgeladenen«, so Yücel.
In diesem Fall ist das Kulturzentrum Moritzhof eingesprungen, sodass Arne Semsrott am geplanten Termin in Magdeburg aus seinem Buch »Gegenmacht« lesen kann. Das ist zwar lobenswert, aber nicht beruhigend. Denn es ändert nichts am Versagen der politisch Verantwortlichen, noch lässt sich diese Lösung auf kleinere Orte übertragen. »Dort gibt es in aller Regel keine Kultureinrichtungen, die vollkommen unabhängig von den Stadtverwaltungen arbeiten. Es wirft kein gutes Licht auf die Landeshauptstadt Magdeburg, wenn die politisch Verantwortlichen aus Angst vor der AfD quasi die Kulturpolitik der AfD übernehmen, so Yücel.
Übrigens: Kurz vor den Landtagswahlen geht die Autorenvereinigung PEN Berlin selbst nach Sachsen-Anhalt: mit der Gesprächsreihe »Ist das noch|schon mein Land?«. Im ersten Teil dieser Reihe zum Thema Heimat haben wir Anfang des Jahres 41 Veranstaltungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz organisiert. Der zweite Teil, der uns außerdem nach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin führen wird, startet am 10. August im Hörsaal im Rathaus von Bitterfeld-Wolfen. Abschluss des Sachsen-Anhalt-Teils ist am 27. August im Moritzhof in Magdeburg. Die weiteren Daten und die Teilnehmer:innen werden wir in Kürze bekannt geben.
PEN Berlin. Wir stehen im Wort.
