Neue Sprecherin Thea Dorn für Eva Menasse

Die Autorenvereinigung PEN Berlin hat am Freitag in der Universitätsbibliothek Hamburg ihre dritte Mitgliederversammlung in Präsenz abgehalten. Bei der turnusgemäß Neuwahl wurde der Journalist Deniz Yücel als Sprecher bestätigt. Neu als Sprecherin gewählt wurde die Schriftstellerin (»Trost«) und ZDF-Moderatorin (»Das Literarische Quartett«) Thea Dorn. Sie löst damit die Schriftstellerin Eva Menasse ab, die seit Gründung der Vereinigung im Juni 2022 dieses Amt innehatte, aber sich nicht mehr zur Wahl stellte. Yücel und Dorn wurden mit großer Mehrheit gewählt.
Im Leitungsgremium des Vereins, dem Board, wurden die Schriftsteller Dana Grigorcea (Zürich), Sophie Sumburane (Potsdam) und Joachim Helfer (Berlin), der Dramatiker Konstantin Küspert (Nürnberg) und die Übersetzerin Sandra Hetzl (Berlin) bestätigt. Neu im insgesamt elfköpfigen Board sind der Schriftsteller Tomer Dotan-Dreyfus, die Verlegerin Birgit Schmitz (beide Berlin) der Lyriker Paul-Henri Campbell (Wien) und die Autorin und Juristin Andrea Landfried (Heidelberg).
»Der PEN Berlin mag eine Sturzgeburt gewesen sein. Dass er keine Trotzgeburt gewesen ist, sondern dem ernsthaften Wunsch entsprungen, eine zeitgemäße, im produktiven Sinne streitbare Autorenvereinigung auf die Beine zu stellen, hat die Arbeit der vergangenen zweieinhalb Jahre eindrucksvoll gezeigt. Ich habe einen gewaltigen Respekt vor der Aufgabe, die vor mir liegt, ebenso sehr freue ich mich darauf«, sagte die neue Sprecherin Thea Dorn, die dem PEN Berlin seit der Gründung angehört.
Und Deniz Yücel ergänzte: »Ich danke Eva Menasse und allen anderen meiner Kolleginnen und Kollegen im Board für die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre. Als Verein, dem jede Vereinsmeierei suspekt ist, hat der PEN Berlin seit seiner Gründung geliefert – als Menschenrechtsorganisation, die verfolgte Autorinnen und Autoren unterstützt, aber auch als Vereinigung für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt. Diese Arbeit gilt es nun, auf solides Fundament zu stellen.«
»Der PEN Berlin hat es geschafft, in Rekordzeit zu einem kulturpolitisch relevanten Player zu werden«, hatte zuvor die ausscheidende Sprecherin Eva Menasse bei der Vorstellung ihres Tätigkeitsberichts gesagt.
Zugleich nahm die Mitgliederversammlung 99 Personen aus verschiedenen publizistischen Genres neu in den Verein auf, darunter die Schriftsteller Martina Hefter, Frank Schätzing, Caroline Wahl und Hannes Bajohr, die Soziologen Steffen Mau und Heinz Bude, die Journalisten Shila Behjat, John Goetz und Juan Moreno, die Fernseh- bzw. Radiomoderatoren Jo Schück und Jörg Thadeusz, die Lyriker Christoph Danne, Romina Nikolić und Kinga Tóth, die Dramatikerin Theresia Walser, die Satirikerin Ella Carina Werner, der Musiker Sebastian Krumbiegel, der Rushdie-Übersetzer Bernhard Robben, der Pionier des Poetry Slams in Deutschland Wolf Hogekamp, der Jurist und Verfassungsblog-Gründer Maximilian Steinbeis und der Schauspieler Ulrich Matthes.
Der PEN Berlin wächst damit auf rund 730 Mitglieder – und ist damit die mitgliederstärkste Autorenvereinigung im deutschsprachigen Raum. Der Frauenanteil liegt nun bei 49,9% (bei der Gründung: 40,4%), das Durchschnittsalter beträgt 53,6 Jahre (Gründung: 53,1).
Ein Resolutionsantrag zum Thema »getötete Journalisten in Gaza und im Libanon«, den rund zwanzig Mitglieder beantragt hatten, wurde nach längerer Debatte vertagt. Dorn und Yücel stellten eigens zu diesem Thema »so bald wie möglich« eine außerordentliche Mitgliederversammlung in Aussicht.
An diesem Samstag lädt der PEN Berlin unter dem Motto »So kommen wir weiter« zu seinem schon traditionellen (und publikumsöffentlichen) Kulturkongress ein.
Der diesjährige Festredner ist der israelische Schriftsteller Etgar Keret, zu den weiteren Gästen gehören der renommierte bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev, der ebenfalls international bekannte irische Kommentator Fintan O‘Toole, die im deutschen Exil lebende ugandische Autorin Stella Nyanzi und der Autor Philipp Ruch (»Zentrum für politische Schönheit«). Weitere Themen sind: Kulturpolitik in Ostdeutschland unter Druck, die innere Zensur beim Schreiben und als Publikumsdebatte die Frage, ob Verbote ein probates Mittel gegen Rechtsextremismus sind.
Die Eröffnungsrede hält Eva Menasse, durch den Abend führt die Journalistin Bascha Mika. Fabrik Altona, Hamburg, ab 14 Uhr.
PEN Berlin. Wir stehen im Wort.