Archiv 2025

Oktober 2025 II (Friedrich Merz, Norbert Bolz, Frankfurter Buchmesse, Desinformation)

Zum Türkei-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz

Friedrich Merz
Foto: Steffen Prößdorf/Wikipedia

RedaktionsNetzwerk Deutschland, Bericht von Can Merey u.a., 29. Oktober 2025: »Vor dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat der Sprecher der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, die Einschränkung der Menschenrechte in dem Land kritisiert. ›Ich würde mir wünschen, dass Merz ein deutliches Wort zur Menschenrechtslage in der Türkei spricht‹, sagte Yücel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). ›Das betrifft die Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit. Es sitzen wieder verstärkt Journalisten in Gefängnis oder wurden mit Hausarrest belegt. Es gibt eine massive Unterdrückung der demokratischen Opposition.‹« LINK [€]

 

 

Zur Hausdurchsuchung bei Norbert Bolz

Norbert Bolz
Foto: Horst Galuschka/dpa

Junge Freiheit, Bericht, 23. Oktober 2025: »Auch ARD-Journalist Gabor Halasz nannte die angeordnete Hausdurchsuchung ›absurd‹. Ähnlich äußerte sich der Autor Hasnain Kazim: ›Was er schreibt, beziehungsweise das, was ich davon zu lesen bekomme, teile ich oft nicht. Aber völlig unabhängig davon halte ich dieses Vorgehen gegen ihn für absurd.‹ Welt-Autor Deniz Yücel hob hervor: ›Die Berliner Staatsanwälte, die die Razzia bei Norbert Bolz angeordnet haben, sind nicht bescheuert. Sie sind gefährlich.‹« LINK

Welt, Kommentar von Deniz Yücel, 24. Oktober 2025: »›Hessen gegen Hetze‹ ist keine NGO, die für bestimmte Projekte staatliche Unterstützung erhält, (…) sondern eine Einrichtung des hessischen Innenministeriums. Mit der Causa Bolz fällt diese Meldestelle nicht zum ersten Mal auf. (…) Die Angehörigen der NSU-Opfer warten bis heute auf eine Antwort der hessischen Landesregierung auf die Frage, was Andreas Temme, damals Beamter des Landesamtes für Verfassungsschutz, am 6. April 2006 in dem Kasseler Internetcafé zu suchen hatte, in dem Halit Yozgat vom NSU ermordet wurde (…) Das ist die Meldung, die die deutsche Öffentlichkeit vom hessischen Innenministerium erwarten darf. Und nicht massenhafte Meldungen von Meinungsäußerungen, die vom Grundgesetz gedeckt sind, aber von einer irrlichternden Denunziationsbude verfolgt werden.« LINK [€]

Beliner Zeitung, Bericht von Sinem Koyuncu, 24. Oktober 2025: »Nach einer Hausdurchsuchung beim Medienwissenschaftler Norbert Bolz wegen eines Beitrags in den sozialen Medien wird das Vorgehen der Behörden scharf kritisiert. (….) Der Journalist Deniz Yücel richtete ebenfalls kritische Worte an die Adresse der Staatsanwaltschaft. Auf X schreibt er: ›Die Berliner Staatsanwälte, die die Razzia bei Norbert Bolz angeordnet haben, sind nicht bescheuert. Sie sind gefährlich.‹« LINK [€]

Tichys Einblick, Beitrag von Alexander Wendt, 31. Oktober 2025: »Nun muss man erwähnen, dass auch die frühere Grünenvorsitzende Ricarda Lang, die taz (die schon 1989 getitelt hatte ›Deutschland erwache!‹) und der Sprecher des PEN Berlin, Deniz Yücel, die Ermittlung gegen Bolz samt Hausdurchsuchung kritisierten. Yücel sogar mit einer Formulierung, die ihm selbst ein Verfahren einbringen könnte. Umso interessanter, wer sofort bereitstand, den staatlichen Übergriff auf den Wissenschaftler kleinzureden und sogar ausdrücklich zu loben. LINK

 

Zur Frankfurter Buchmesse

Leipziger Volkszeitung, Bericht von Janina Fleischer, 11. Oktober 2025: »›Literatur heute: Kann das weg?‹ Mit dieser Frage eröffnet die Schriftstellervereinigung PEN Berlin in der kommenden Woche ihr Diskussionsforum auf der Frankfurter Buchmesse. Und präzisiert: ›Hat die Literatur sich gnadenlos überschätzt? Oder gewinnt sie angesichts zunehmender Unfreiheiten an dissidentischer Kraft?‹ Es ist nur ein Aspekt, die Literatur der Gegenwart zu hinterfragen. Ein anderer ist die Bewertung als gut, wahr, schön.« LINK [€]

Patricia Evangelista
Deniz Yücel, Patricia Evangelista, Zoë Beck, Ulrich Gutmair (v.l.n.r.) am Rand der Buchmesse | Foto: PEN Berlin

taz, Beitrag von Ulrich Gutmair, 18. Oktober 2025: »›Let go chainsmoking‹, sagt Patricia Evangelista und marschiert energisch los, um vor Halle 3.1 Kette zu rauchen. Eben saß die philippinische Autorin noch auf einem Barhocker am Stand der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, der inzwischen schon Messetradition ist. Mit auf dem Podium ihre deutsche Verlegerin und Übersetzerin Zoë Beck vom Verlag CulturBooks, ich durfte Fragen stellen. (…) Am Stand wird Evangelista aus dem Publikum gefragt, ob sie Teil der offiziellen Delegation des diesjährigen Gastlands der Frankfurter Buchmesse sei. Ja, sagt Evangelista, aber sie habe sich ausbedungen, auf der Messe sagen zu dürfen, was sie will – ›Whatever the fuck I want.‹« LINK

 

 

Kamel Daoud
Iris Radisch (Mod.) Kamel Daoud, Übersetzerin (v.l.n.r.) beim Gespräch über Boualem Sansal am Messestand des PEN Berlin, 16.10.2025 | Foto: PEN Berlin

Zeit-Online, Bericht von Jolinde Hüchtker, 18. Oktober 2025: »Einige Beamte des hessischen Landeskriminalamts haben sich um den Messestand des PEN Berlin verteilt und lassen ihre Blicke unruhig über die Besucher schweifen, denn hier ist heute ein Mann zu Gast, der nicht mehr sicher ist: der französisch-algerische Autor Kamel Daoud. Mit Zeit-Redakteurin Iris Radisch spricht er über seinen Roman Huris, der gerade ins Deutsche übersetzt wurde und vom algerischen Bürgerkrieg handelt – vor allem aber spricht er über seinen Freund Boualem Sansal, ebenfalls französisch-algerischer Schriftsteller und Regimekritiker, der seit fast einem Jahr in algerischer Haft sitzt. Heute, am 15. Oktober, ist Sansals 81. Geburtstag. Er feiert ihn allein, in einer neun Quadratmeter großen Zelle.« LINK [€]

 

Zu den Koalitionsplänen in Sachen Desinformation

Süddeutsche Zeitung, Rezension von Ronen Steinke, 10. Oktober 2025: »Als die schwarz-rote Koalition im Frühjahr diesen ominösen Satz in ihren Koalitionsvertrag hineinschrieb, da löste das bei vielen Beobachtern George-Orwell-Vibes aus: Man wolle die ›bewusste Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen‹ staatlich bekämpfen, schrieben die Koalitionäre von Union und SPD – und dass eine ›Medienaufsicht‹ künftig gegen ›Informationsmanipulation‹ vorgehen werde. Für viele klang das verdächtig danach, dass der Staat sich zu einem Kontrolleur über die Wahrheit aufschwingen wolle. Deniz Yücel, der Sprecher des PEN Berlin, warnte vor einer ›Art Wahrheitsgesetz‹, viele andere kritisierten ebenfalls einen bedenklichen politischen Trend.« LINK

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