Archiv 2025

September 2025 (Lahav Shani, Michel Friedman/Klütz, Georg Stefan Troller)

Zur PEN-Berlin-Kundgebung »Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört« in Klütz

NDR, Bericht von Daniel Batel, 29. September 2025: »Auf diesen Nachmittag haben in Klütz alle gewartet. Um 17 Uhr startete eine Kundgebung auf dem Marktplatz in der 3000-Einwohner-Stadt, die wegen der Ausladung Michel Friedmans von einer Lesung bundesweit in die Schlagzeilen geraten war. 430 Menschen versammelten sich im Publikum, um den Mann zu sehen, der hier eigentlich verhindert werden sollte: Michel Friedman. LINK und AUDIO

NDR [TV], Nordmagazin, Bericht von Christoph Kümmritz, 29. September 2025: »Hier ist ein Vorfall passiert, zu dem wir ›nein‹ sagen und wir möchten verstehen, wie es zu diesem Vorfall gekommen ist«, sagt PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn in ihrer Anfangsrede. LINK und VIDEO

 

3sat, Kulturzeit, Beitrag von Bernd Mosebach und Susanne Seidl sowie Gespräch von Nina Mavis Brunner mit Michel Friedman, 29. September 2025: »Die Kulturfreiheit ist eine ganz wichtige Freiheit, die übrigens sowohl von Präsident Trump als auch in Ungarn von Orbán, dort wo totalitäre Entwicklungen sind, als erste angegriffen wird. Und so gesehen war das hier ein Versuch, Brücken zu bauen, aber bewusst zu machen: Eine Einmischung der Politik in die Kultur darf es in unserem freien Land nicht geben. Dazu gehört auch Klütz.«. LINK und VIDEO

 

NDR [TV], NDR Info, Bericht von Christoph Kümmritz, 29. September 2025: »Er ist nach Klütz gekommen. Statt im Herbst 2026, wie ursprünglich geplant, schon heute. Rund 430 Menschen sind zur Demonstration des Schriftstellerverbands PEN erschienen. Der Verband sieht die Kulturfreiheit in Gefahr.« LINK und VIDEO

 

Spiegel, Reportage von Alina Herbing, 30. September 2025: »Der PEN Berlin hat bewusst darauf verzichtet, Busse mit Menschen zu der Kundgebung zu bringen. Sie wollen Klütz nicht überrollen, sondern ins Gespräch kommen, erklärt Thea Dorn. Auch vom PEN Berlin hat niemand den ehrenamtlichen Bürgermeister dazu aufgefordert zurückzutreten. ›Wir möchten verstehen, wie es zu diesem Vorfall gekommen ist‹, sagt Thea Dorn. ›Wir haben allen Respekt vor Menschen, die sich hier und anderswo ehrenamtlich in der Politik engagieren. Wir sind auch ein Ehrenamtsverein. Wir wissen, was es bedeutet, ehrenamtlich tätig zu sein.‹« LINK

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Michel Friedman und Thea Dorn auf dem Marktplatz von Klütz | Foto: PEN Berlin

dpa, Bericht von Iris Leithold, übernommen u.a. von der FAZ, 29. September 2025: »Nach der umstrittenen Ausladung Michel Friedmans von der Hannah-Arendt-Woche 2026 in Klütz haben laut Polizei rund 500 Menschen an einer Kundgebung und Diskussion mit dem Publizisten auf dem Markt der Kleinstadt in Nordwestmecklenburg teilgenommen. PEN Berlin hatte dazu eingeladen. Friedman machte dabei sein Unverständnis darüber deutlich, dass sich ein Bürgermeister in die Programmplanung eines Literaturhauses einmische. ›Die Zeiten sind doch vorbei, dachte ich‹, sagte er.« LINK 

Ostsee-Zeitung, Liveticker von Michael Meyer u.a., 29. September 2025: »Nach einem Schlusswort von der Bühne geht mit der Kundgebung nun eine lebhafte und emotionale Diskussion zuende. Damit beenden wir den Liveticker aus Klütz.« LINK [€]

Ostsee-Zeitung, Reportage von Michael Meyer, 29. September 2025: »Der Marktplatz kam ins Gespräch. Und wie! (…) Klütz hat gepunktet auf seinem Marktplatz im Herbst. Friedman lässt durchklingen, dass er sich über eine erneute Einladung nach Klütz freuen würde. Und Thea Dorn sagt zum Abschluss versöhnlich: ›So etwas habe ich noch nie erlebt, dass so viele Menschen in der Kälte auf einem Marktplatz stehen und miteinander reden. Ich alte Frankfurterin habe heute begriffen, wie Demokratie gehen kann. Danke Klütz!‹« LINK [€]

Süddeutsche Zeitung, Reportage von Ulrike Nimz, 30. September 2025: »›Wir sind kein Ufo, das hier landet, wir sind ein Angebot an die Klützerinnen und Klützer‹, sagt Deniz Yücel. Und bevor es zu kuschelig wird: ›Wir hätten diese Kundgebung auch gemacht, wenn das ganze Dorf dagegen gewesen wäre‹. Wer schon einmal auf ostdeutschen Marktplätzen stand, wenn Personal aus Berlin anreist, um über Demokratie zu debattieren, der weiß, wie das ausgehen kann. Angela Merkel, Olaf Scholz, Annalena Baerbock – sie alle haben schon gegen Trillerpfeifen und Beleidigungen angeschrien. In Klütz gibt es auch das: Solidarität. ›Wer Angst hat, ist dabei, den Weg der Demokratie schon zu verlassen‹, mahnt ein Bürgermeister aus der Region. Man könne sich auch einfach mal bei Herrn Friedman entschuldigen, findet ein anderer. Meinungsfreiheit, da sind sich die meisten einig, darf nicht nur für die eigene gelten.« LINK

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Marktmikrofon mit Aron Boks und Bettina Martin, Kunstministerin von Mecklenburg-Vorpommern | Foto: PEN Berlin

Vorwärts, Reportage von Finn Lyko, 30. September 2025: »Als Thea Dorn und Deniz Yücel, die Sprecher*innen des Vereins, die kleine Bühne auf dem Marktplatz betreten, schaut ein Mann am Rande der Menschenmenge skeptisch. ›Weißt du, wer die sind?‹, fragt er den Mann neben sich. Der schüttelt nur den Kopf. Neugierig scheinen viele Klützer*innen dennoch zu sein. Mehr als 400 Menschen sind laut Polizei gekommen. (…) Jede Person, die eine Frage hat oder etwas sagen möchte, meldet sich und bekommt dann ein Mikrofon gereicht. Jetzt kommt die Stadtgesellschaft zu Wort.« LINK

Neue Zürcher Zeitung, Reportage von Nathan Giwerzew, 30. September 2025: »Michel Friedman lächelt als er in der mecklenburgischen 3000-Seelen-Stadt Klütz die Bühne betritt. Man habe ihn wissen lassen dass er nicht hierher passe sagt der 69-jährige jüdische Publizist auf dem Marktplatz zwischen Backstein- und Fachwerkhäusern. Schon setzen die ersten Bürger zu Buhrufen an dann aber ergänzt er: ›Ich finde wir passen sehr gut zueinander.‹ Für einen Moment gelingt es Friedman die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Die rund tausend Klützer werden noch weitere zwei Stunden in der Kälte ausharren, um das mit Friedman auszudiskutieren, was ihnen auf der Seele brennt.« LINK

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Kundgebung auf Markplatz mit Plakat für die Meinungsfreiheit | Foto: PEN Berlin

Zeit-Online, Reportage von Alisa Schellenberg, 30. September 2025: »Deniz Yücel und ein Kollege sind mit Mikrofonen unterwegs auf dem Marktplatz, der wirklich eine Agora wird. Ein Fest für Sozial- und Politikwissenschaftler. Viele wollen jetzt sprechen, fassen sich ein Herz. (…) Nicht alles von dem, was am Montag gesagt wurde, war nett. Manches war sogar hässlich. Aber es wurde gerungen, gestritten. Und danach sah es am Anfang gar nicht aus. Am Ende sagt Thea Dorn, die Moderatorin des Abends, so etwas wie das heute in Klütz habe sie noch nie erlebt.« LINK [€] und PDF

Deutschlandfunk, Kultur heute, Beitrag von Silke Hasselmann, 30. September 2025: »Wortmeldungen gab es viele. Die einen unterstützten das Hauptanliegen des Berliner Schriftsteller- und Autorenverbandes, zu dessen Gründungsmitgliedern Michel Friedman gehört, nämlich Kunstfreiheit auch gegenüber dem Klützer Literaturhaus. [Miro Zahra:] ›Wir haben hier eine eigenständige kulturelle Institution, die hat einen Leiter, der hat ein künstlerisches Programm entwickelt und Michel Friedman ist ein Teil davon. Und keine der lokalen Politikerinnen oder Politiker hat das Recht, das infrage zu stellen. Es geht um Kunstfreiheit, die durch unser Grundgesetz geschützt wird.‹« LINK und AUDIO

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Kundgebung und Podium mit Oliver Hintz, Michel Friedman, Thea Dorn und Miro Zahra | Foto: Picture Alliance/dpa, Bernd Wüstneck

taz, Reportage von Jan Kahlcke, 30. September 2025: »Es gelingt etwas Erstaunliches: Der Markt, abgesperrt mit einem Trecker und einem Kipplader, wird zu etwas, das die Moderatorin, die Autorin Thea Dorn, später mit der altgriechischen Agora vergleichen wird. Ein Debattenforum auf Kopfsteinpflaster, bei dem je­de:r die Chance hat, zu Wort zu kommen.  (…) Wenn jüdische Menschen ausgeladen werden, weil es zu aufwändig scheint, sie vor Antisemiten zu schützen, ist die Demokratie in Gefahr. Das hat die PEN-Leute um Deniz Yücel bewogen, die Kundgebung abzuhalten. Und darüber gibt es an diesem Herbstabend auch keinen Dissens.« LINK

DLF Kultur, Lesart, Gespräch von Andrea Gerk mit Gregor Sander, 30. September 2025: »Das ist wirklich ein ernsthaftes, seriöses Literaturhaus, das da in dieser winzigen Stadt steht. Das ist ein alter Kornspeicher und da ist auch noch die Bibliothek der Stadt drin, da ist die Stadtinformation drin. Da werden Lesungen und Literaturveranstaltungen gemacht, ich selber habe da auch schon gelesen. Das ist extrem besonders. Und das war auch einer der Gründe für mich, warum ich da hingefahren bin. Ich würde nämlich sehr gerne, dass dieses Literaturhaus Uwe Jonsson das alles überlebt und dass das dort im sehr schönen Klütz stehenbleibt und weiteren Literaturveranstaltungen gemacht werden.« LINK und AUDIO

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Marktmikrofon mit Deniz Yücel (r.) und dem Klützer Stadtvertreter Alexander Marx | Foto: PEN Berlin

radio 3 [rbb], Radio 3 am Morgen, Bericht von Daniel Batel, 30. September 2025: »Die Ursachen der Entscheidung blieben zwar auch nach der Veranstaltung weiter unklar, dafür gab es Raum für unterschiedlichste Meinungen, was vielen Besuchern imponierte: [Besucherin:] ›Ich fand diese Art und Weise, sich auf dem Marktplatz zu treffen und wirklich das Mikrofon aufzumachen für alle und wirklich jedem die gleiche Zeit zu geben, toll. Ich hatte aber den Eindruck, dass nicht alle, die was zu sagen hatten, was gesagt haben. Ich finde es großartig, dass die Klützerinnen und Klützer auch hier waren, auch die, die zum Bürgermeister stehen und dass alle das miteinander ausgehalten haben. Ich glaube, einige gehen hier anders vom Platz, als sie hierher gekommen sind.‹« LINK und AUDIO

Nordkurier, Bericht von Udo Roll, 1. Oktober 2025: »Nach gut zwei Stunden lebhafter und teilweise kontroverser Diskussion auf dem Marktplatz in Klütz über seine Ausladung für eine Veranstaltung im kommenden Jahr äußerte der Publizist Michel Friedman am Montagabend eine Hoffnung: ›Vielleicht werde ich ja wieder eingeladen.‹« LINK

 

Berichte und Interviews vor der Kundgebung in Klütz

Ostsee-Zeitung, Bericht von Hanno Kabel, 21. September 2025: »Der streitbare jüdische Publizist und Philosoph Michel Friedman sollte 2026 für eine Lesung ins Literaturhaus nach Klütz kommen. Doch dann kam Druck aus der Stadtvertretung. Der Auftritt ist abgesagt. Über die Gründe will der Bürgermeister nicht sprechen.« LINK [€]

Frankfurter Allgemeine, Beitrag von Matthias Alexander u.a., 21. September 2025: »Die Stadtvertretung hat Hintz nach dessen Angaben untersagt, den prominenten Publizisten Michel Friedman für Oktober 2026 in das Literaturhaus auftreten zu lassen. Anlässlich des 120. Geburtstages von Hannah Arendt (mit der Johnson eine Freundschaft verband) sollte er sich zu Fragen der Demokratie äußern. Und so musste Hintz Friedman, der auch in seinem jüngsten Bestseller ›Mensch!‹ vor der AfD warnt, wieder ausladen. Hintz fand den Vorgang so ungeheuerlich, dass er am Samstag eine Pressemitteilung verschickte.« LINK [€]

Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Felix Stephan, 22. September 2025: »Oliver Hintz war es auch, der den jüdischen Schriftsteller Michel Friedman bat, zur Eröffnung der Hannah-Arendt-Woche aus seinem Buch ›Mensch! Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten‹ zu lesen, und Friedman sagte zu. Was dann passierte, scheint dem Buch selbst entnommen zu sein. Hintz schildert es heute so: Eine Mitarbeiterin des Literaturhauses, deren Gesinnung schon zuvor kein Geheimnis war, drohte offen, die Lesung von Michel Friedman zu verhindern oder aber sich mindestens der Organisation der Veranstaltung komplett zu verweigern.« LINK

NDR [TV], Nordmagazin, Bericht von Friedrich Leist und Gespräch von Stefan Leyh mit Michel Friedman,  22. September 2025: »[Friedman:] ›Woher weiß eigentlich ein Bürgermeister ein Jahr vorher schon, ob es Demonstrationen von Rechtsextremisten geben wird? Die Vorwegnahme eines solchen Gedankens ist ein entweder Offenbarungseid – nämlich, dass er sicher ist, dass in seinem kleinen Ort man mit den Rechtsextremisten heute und auch in einem Jahr erst rechnet, rechnen müssen. Oder aber es ist ein Ausdruck, eine Pseudo-Argumentation, mit dieser Gefahr zu drohen. (….) Da hat ein wehrhafter Staat, Gott sei Dank, eine wunderbar funktionierende Polizei. Wer dann noch so tut, als ob er fürsorglich, also meinetwegen absagt, den möchte ich nur sagen: Ich kann mich schon selbst um mich kümmern.‹« LINK und VIDEO

 

dpa/Zeit-Online, Bericht, 23. September 2025: »Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Ausladung des Publizisten Michel Friedman von einem Auftritt in Klütz im Kreis Nordwestmecklenburg kritisiert. Die Ausladung sei ›ein direkter Angriff auf die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit in unserem Land und ein Armutszeugnis für die dortige Gemeinde‹, sagte der Jurist.« LINK

Ostsee-Zeitung, Kommentar von Michael Meyer, 23. September 2025: »Jetzt ist es zu spät: Kind im Brunnen. Egal, wer da welche Entscheidungen getroffen hat: Die Kleinstadt Klütz hat mit Michel Friedman einen der streitbarsten und klügsten Köpfe Deutschlands ein- und wieder ausgeladen. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Wenn der überforderte Bürgermeister seinen Literaturhauschef zurückgepfiffen hat, weil er Sorge vor einem rechten Aufmarsch hat, hat er nicht nur seinem Klütz, das nun als muffig kleinbürgerliches Provinznest wahrgenommen wird, einen Bärendienst erwiesen, sondern auch der Demokratie.« LINK [€]

NDR [TV], Nordmagazin, Bericht von Anja Bauer und Marc Langebeck,  23. September 2025: »[Friedman:] ›Woher weiß eigentlich ein Bürgermeister ein Jahr vorher schon, ob es Demonstrationen von Rechtsextremisten geben wird? Die Vorwegnahme eines solchen Gedankens ist ein entweder Offenbarungseid – nämlich, dass er sicher ist, dass in seinem kleinen Ort man mit den Rechtsextremisten heute und auch in einem Jahr erst rechnet, rechnen müssen. Oder aber es ist ein Ausdruck, eine Pseudo-Argumentation, mit dieser Gefahr zu drohen.« LINK und VIDEO

 

Spiegel Online, Bericht von Jean-Pierre Ziegler u.a., 23. September 2025: »Am Donnerstagabend erhebt sich in einem Saal der Regionalen Schule Klütz eine Frau aus dem Publikum; sie hat ein Anliegen. Im Raum sitzen gut drei Dutzend Menschen, vorn der Bürgermeister, daneben die Stadtvertreter. Das Lokalparlament ist zu seiner monatlichen Sitzung zusammengekommen, sie fällt in eine unruhige Zeit. Ein Kamerateam des NDR filmt, der Journalist Deniz Yücel, einst in der Türkei inhaftiert, verfolgt das Geschehen als Sprecher der Schriftstellervereinigung PEN Berlin. (…) Es ist spät am Abend, als die Sitzung in Klütz endet. (…) Jürgen Mevius schlägt den Umschlag um sein iPad. Ging es bei der Absage auch um Proteste von rechts? Der Bürgermeister verweist auf seine Stellungnahme. Dann sagt er noch, ein Mitglied aus der Stadtvertretung habe gesagt, der Besuch sei ›eine Nummer zu groß‹. Was das bedeutet, erfährt man nicht. Schon am kommenden Montag könnte sich zeigen, ob diese Sorge berechtigt war. Michel Friedman will bei einer Demonstration am Marktplatz als Redner auftreten – die Veranstaltung könnte groß werden.« LINK [€]

NDRT Kultur, Journal, Gespräch von Anna Novák mit Michel Friedman, 23. September 2025: »Ich habe von der Person, die mich eingeladen hat, die Ausladung dann schriftlich über meinen Verlag bekommen. Und mein erster Gedanke war, was für eine peinliche Heuchelei eines Bürgermeisters. Dass diejenigen, die antidemokratisch eine Kulturveranstaltung stören wollen, mit demokratischen Mitteln zu schützen, nämlich mit Polizei. Und eine wehrhafte Demokratie zu sein und zu zeigen, der Staat lässt sich von Antidemokraten nicht erpressen.« LINK und AUDIO

DLF Kultur, Meldung, 23. September 2025: »Wegen der Ausladung des Publizisten Michel Friedman von einer Veranstaltung in Klütz in Mecklenburg-Vorpommern hat der PEN-Berlin eine Demonstration angemeldet. Das teilte der Landkreis Nordwestmecklenburg mit. (…)  Mecklenburg-Vorpommerns Kulturministerin Martin von der SPD erklärte, die Diskussion gebe ›Anlass zu großer Sorge‹. Der Grünen-Politiker und Vizepräsident des Bundestags, Nouripur, schrieb auf X, die Ausladung Friedmans sei ›skandalös‹. Friedman selbst sprach in einem Interview mit dem NDR von einer ›peinlichen Heuchelei‹.« LINK

DLF Kultur, Studio 9, Gespräch von Julia Bamberg mit Michel Friedman, 23. September 2025: »Es gibt einen Förderkreis von diesem Literaturhaus. Und dieser Förderkreis hat gesagt, wir haben alle Kosten besprochen und übernommen. (…) Ich kenne kein Beispiel, wo ein Bürgermeister oder eine Kulturdezernentin gewagt hätten, in die Autonomie der Leitung einzugreifen und zu sagen, aber dieser Vertrag mit der Person XY, den musst du wieder canceln, weil wir als politische Ebene damit nicht einverstanden sind. Das ist die Autonomie der Kunst, der Kunst- und Kulturinstitute. Und wie es dreht und wendet, am Ende hat er die Absage zu verantworten und Politik hat sich rauszuhalten aus kulturinstitutionellen Entscheidungen.« LINK und AUDIO

Börsenblatt, Bericht, 23. September 2025: »Im Zentrum der Kundgebung stehen laut PEN vier Prinzipien: So beschreibt die Autorenvereinigung sie: ›Das Kulturleben ist in Deutschland aus guten Gründen so geregelt, dass auch die von öffentlichen Mitteln geförderte Kultur nicht direkt der Entscheidungsgewalt der Exekutive unterstellt ist. Darüber, ob ein Literaturhaus diese oder jene Autorin einlädt, ob ein Theater dieses oder jenes Stück inszeniert, entscheidet kein Bürgermeister, kein Behördenleiter und kein Minister. Die Autonomie der Kultur muss bewahrt werden. (…) Antisemitismus ist inakzeptabel. Immer. Überall.« LINK

dpa, Bericht von Christian Risch und Iris Leithold, übernommen u.a. von Zeit-Online, 23. September 2025: »Die Autorenvereinigung PEN Berlin hat zu einer Kundgebung am kommenden Montag aufgerufen. ›Die Ausladung unseres Gründungsmitglieds Michel Friedman hat zu Irritationen geführt – auch bei uns‹, schrieb PEN in einer Mitteilung. Man bedauere die Absage der Veranstaltung. ›So ist ein Eindruck entstanden, den niemand wollen kann, dem Demokratie, Kunst und der zivilisierte Austausch am Herzen liegen.‹ Darum rufe PEN Berlin zu einer Kundgebung am 29. September um 17.00 Uhr am Klützer Markt auf. Dort werde neben dem Leiter des Literaturhauses Klütz, Oliver Hintz, auch die Schriftstellerin und PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn sprechen sowie Michel Friedman, um dessen Ausladung die Kontroverse entbrannt ist.« LINK

Lübecker Nachrichten, Bericht von Hanno Kabel, 23. September 2025: [Kabel:] »Die Initiatoren wenden sich gegen die Ausladung – auch dann, wenn finanzielle Erwägungen den Ausschlag gegeben haben sollten: ›Auch der Hinweis auf angeblich zu hohe Kosten kann eine Ausladung nicht rechtfertigen, wenn eine Kulturinstitution genau für einen solchen Auftritt Fördermittel einzusammeln vermag‹, heißt es in dem Aufruf.« LINK

Zeit-Online, Beitrag von Alisa Schellenberg, 23. September 2025: »In Klütz ist man zerknirscht. Die verschiedenen Erzählstränge, warum genau Michel Friedman ausgeladen wurde, haben sich längst in ein Knäuel von Fehlern und Folgefehlern verworren. Am Dienstag veröffentlichen die Klützer Stadtvertreter ein Statement: ›Wir, die Klützer Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, verstehen, dass die Kontroverse um Michel Friedmans Teilnahme an der Hannah-Arendt-Woche ein missverständliches Signal gesendet hat.‹ Nur erklären, was wirklich passiert ist, können sie hier zumindest auch nicht.« LINK [€]

NDR Kultur, Bericht von 24. September 2025: »Die Autorenvereinigung PEN Berlin hat die Ausladung Friedmans kritisiert und für den kommenden Montag zu einer Kundgebung in Klütz eingeladen. Neben der Schriftstellerin und PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn wird auch Friedman selbst sprechen. In einer Pressemitteilung der Autornenvereinigung heißt es: „Welche der öffentlich genannten Gründe in welchem Maß tatsächlich zur Ausladung von Michel Friedman geführt haben, können wir nicht beurteilen.“ Grundsätzlich fordere die Vereinigung aber, dass die Autonomie der Kultur bewahrt werden müsse.« LINK

DLF Kultur, Lesart, Gespräch von Frank Meyer mit Thea Dorn, 25. September 2025: »Es ist eine Kundgebung, es ist der Versuch mit den Bürgern vor Ort auch ins Gespräch zu kommen und das knüpft eine, wir sind ein junger Verein, aber wenn man so will, eine gute alte Tradition an. (…) Und natürlich auch diejenigen zu stärken, die vor Ort dafür kämpfen, dass es das gibt. Also jeder beschwört in Sonntagsreden die lebendige, starke Zivilgesellschaft. Und es ist in diesem Sinne eine Aktion einer lebendigen, starken Zivilgesellschaft, so wie zum Beispiel dieses Literaturhaus, dahinter steht ein Förderverein, um solche Leute zu stärken.« LINK und AUDIO

radio 3 [rbb], Radio 3 am Morgen, Gespräch von Anja Herzog mit Deniz Yücel, 26. September 2025: »Wir wenden uns immer gegen dieses Canceln und Gegencanceln, ob das jetzt bei Omri Böhm ist, bei dem der israelische Botschafter dagegen protestiert hatte, dass er bei einer Gedenkveranstaltung in Buchenwald spricht oder im Falle des israelischen Historikers Benny Morris, der an der Universität Leipzig eingeladen war, dort auf Druck von pro-palästinensischen Studenten die Veranstaltung abgesagt wurde. (…) Es geht nicht nur um Michel Friedman, der Gründungsmitglied des PEN Berlin ist. Es gibt eine große Tendenz, und deswegen erhoffe ich mir, dass am Montag von Klütz aus die Botschaft in die Republik geht.« LINK und AUDIO

Berliner Zeitung, Bericht von Susanne Lenz, 26. September 2025: »Nach Klütz kommt Michel Friedman nun trotzdem – und zwar schon am Montag. Die Autorenvereinigung PEN Berlin hat für diesen Tag eine Kundgebung für Meinungsfreiheit und kulturelle Autonomie in Klütz angekündigt. Friedman wird dort unter dem Motto ›Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört – für eine starke Zivilgesellschaft in Klütz und überall‹ auftreten. LINK [€]

Ostsee-Zeitung, Bericht von Michael Prochnow u.a., 26. September 2025: »Der Bürgermeister von Klütz, Jürgen Mevius tritt zurück – nach harter Kritik an der Absage eines Auftritts des Publizisten Michel Friedman im Literaturhaus der Stadt. (…) Mevius erklärt zu seinem Rücktritt, dass er sich unfair behandelt fühle. ›Die Ereignisse haben mich dazu bewogen‹, teilt er mit. ›Was mit der schlichten Absage eines Termins, für den es noch keinen Vertrag und keine gesicherte Finanzierung gab, begann, wurde zu einer Verleumdungskampagne gegen mich und die Stadtvertretung, ja sogar gegen die ganze Region.‹ (…) Am Montag, 29. September, ist eine Kundgebung auf dem Marktplatz von Klütz geplant. Der Berliner PEN-Verband, der die Demo mit dem Literaturhaus organisiert, teilt mit: ›Die Ausladung unseres Gründungsmitglieds Michel Friedman hat zu Irritationen geführt – auch bei uns. So ist ein Eindruck entstanden, den niemand wollen kann, dem Demokratie, Kunst und der zivilisierte Austausch am Herzen liegen.‹« LINK [€] und PDF

dpa, Bericht von Christina Sticht, übernommen u.a. von der Süddeutdschen Zeitung, 26. September 2025: »Mevius fühlt sich nach eigenem Bekunden unfair behandelt. ›Was mit der schlichten Absage eines Termins, für den es noch keinen Vertrag und keine gesicherte Finanzierung gab, begann, wurde zu einer Verleumdungskampagne gegen mich und die Stadtvertretung, ja sogar gegen die ganze Region‹, sagte der Politiker. (…) Die Autorenvereinigung Pen Berlin hat zu einer Kundgebung am kommenden Montag am Klützer Markt aufgerufen.« LINK

dpa, Bericht von Christina Sticht, übernommen u.a. von Zeit-Online, 26. September 2025: »Die Autorenvereinigung hält auch nach dem Rücktritt von Mevius an der Kundgebung fest. ›PEN Berlin hat deutlich gemacht, wogegen sich diese Kundgebung richtet und wofür sie plädiert: allem voran für die Autonomie der Kultur und gegen die Unsitte von Canceln und Gegen-Canceln. Eine Rücktrittsforderung haben wir nie erhoben, im Gegenteil: Wir haben selbstverständlich auch Herrn Mevius zu der Kundgebung eingeladen‹, erklärte Dorn auf dpa-Anfrage. ›An der Ausladung Michel Friedmans durch die Stadt Klütz, die uns zu der Kundgebung am Montag bewogen hat, hat sich durch den angekündigten Rücktritt von Bürgermeister Jürgen Mevius nichts geändert.‹« LINK

DLF Kultur, Studio 9, Gespräch von Nicole Dittmer mit Deniz Yücel, 26. September 2025: [Dittmer:] »Nach deutschlandweit dann heftiger Kritik legt der Bürgermeister von Klütz jetzt sein Amt nieder. (…) Der PEN Berlin hat für kommenden Montag eine Kundgebung in Klütz angekündigt, auf der auch Michel Friedmann reden soll. Wird die Kundgebung jetzt trotzdem stattfinden?« [Yücel:] »Ja, selbstverständlich, weil für uns hat sich nichts geändert, wie sich unsere Kundgebung auch nicht gegen den Bürgermeister gerichtet hat. Wir haben auch keine Rücktrittsforderungen erhoben, sondern haben ein paar Punkte gemacht. Unter anderem die Autonomie der Kultur, dass es nicht zulässig ist, dass die Politik in Deutschland über den Inhalt, über das, was in Kultureinrichtungen läuft, bestimmt.« LINK und AUDIO

Ostsee-Zeitung, Kommentar von Michael Prochnow, 26. September 2025: »Da stellt sich die Frage, ob die heftige Debatte um diese Entscheidung wirklich angemessen war. Die Vorwürfe, die Jürgen Mevius um die Ohren flogen, gingen weit über das normale Maß hinaus. Kritik war durchaus angebracht. Aber in dieser Form hat sie etwas bewirkt, das weder hilfreich noch zielführend war. Nämlich einen Riesenschaden am Image einer Stadt, die für Geschichte, Vielfalt, Literatur und eine offene Gesellschaft steht.« LINK [€]

Lübecker Nachrichten, Interview von Hanno Kabel mit Deniz Yücel, 27. September 2025: [Kabel:] »Sollte Meinungsfreiheit grenzenlos sein?« – [Yücel:]: »Nein. Aber wir fragen in Deutschland bei diesem Thema zu schnell nach Grenzen. Wir sollten zuerst über Freiheit reden. Auch die Freiheit, dummes Zeug zu behaupten. Auch Dinge, die andere als verletzend oder schockierend empfinden. Erst, wenn wir das anerkennen, können wir über Grenzen reden. Die sollte es geben – aber man sollte sie so weit wie möglich auslegen.« LINK [€] und PDF

PEN Berlin Klütz
Aufgabe erfüllt: Joachim Helfer, Aron Boks, Deniz Yücel, Louisa Zennia, Stefan Rudnick, Jayrôme Robinet, Alexandru Bulucz, Lucy Fricke, Ijoma Mangold, Thea Dorn, Konstantin Küspert (v.l.n.r.) | Foto: PEN Berlin

NDR 1, Bericht von Anja Bauer, 29. September 2025: »Die Klützer fühlen sich durch die Aussage des Literaturhauses und die daraus folgende bundesweite Berichterstattung in die rechte Ecke gedrängt. Dabei betonten sie, dass die Gemeinde weltoffen und tolerant sei und es immer eine Bereicherung sei, wenn kluge Köpfe über gesellschaftlich relevante Themen sprechen würden. Man wolle Michel Friedmann willkommen heißen, hieß es und werde das heute auch deutlich machen.« LINK und AUDIO

NDR Info, Gespräch von Philipp Schmid mit Deniz Yücel, 29. September 2025: »Die zweite Ebene geht über Klütz hinaus. Das ist aus unserer Perspektive nur ein Fall von vielen, wie wir es in den letzten Jahren in Deutschland verstärkt nach dem 7. Oktober, aber nicht erst seither und nicht nur in diesem Zusammenhang erleben: Canceln, Ausladungen, Literaturpreise, die dann doch nicht vergeben werden, Gastredner, die wieder ausgeladen werden… Und auf dieser Ebene erhoffe ich mir von Klütz, dass die Botschaft heute Abend ausgeht, dass Leute – Bürgermeister, Minister, wer auch immer –, die etwas canceln wollen, sich das zweimal überlegen, weil sie sich dann fragen müssen, ob sie sich durch eine solche Ausladung nicht noch viel größeren Ärger einhandeln.« LINK und AUDIO

Wismar FM, Bericht, 29. September 2025: »Michel Friedman wird heute in Klütz, im Landkreis Nordwestmecklenburg, erwartet und hält eine Rede auf einer von der Autorenvereinigung PEN Berlin initiierten Kundgebung. Ursprünglich war sein Besuch erst für das kommende Jahr vorgesehen, doch die aktuellen Umstände führten zu einer Vorverlegung. Die Kundgebung findet am Nachmittag statt und ist eine Reaktion auf die Debatte um Friedmans ungewollte Ausladung von den Hannah-Arendt-Tagen.« LINK

NDR Kultur, Gespräch von Philipp Schmid mit Bettina Martin (Ministerin für Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern), 29. September 2025: »Als Kulturministerin muss ich sagen, dass so eine Ausladung, die politisch motiviert war, also offensichtlich von politischer Seite beauftragt, mir auch Sorge machen muss, weil es da auch um die Freiheit der Kunst geht. (…) Deswegen finde ich es sehr gut, dass Herr Friedman entschieden hat, heute nach Klütz zu kommen. (…) Wir brauchen niemanden aus der Großstadt, der kommt und uns das zeigt. Ich würde es eher so drehen: Ich glaube, Michel Friedman will dieses Gespräch führen und will auch diesen Konflikt offen und auf Augenhöhe diskutieren. Ich finde, das ist ein gutes Angebot, und das sollte man wahrnehmen.« LINK und AUDIO

 

Zum Tod von Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller
Georg Stefan Troller (1921–2025) im Jahr 2011 im ZDF. | Foto: Bodo Witzke / CC

epd, Bericht, übernommen u.a. von Zeit-Online, 27. September 2025: »Der Autor, Journalist, Regisseur und Filmemacher Georg Stefan Troller ist im Alter von 103 Jahren gestorben. (…) In den Sechzigerjahren erlangte er mit der Sendung Pariser Journal im WDR mit zahlreichen Gästen weitere Aufmerksamkeit. Später arbeitete er für die ZDF-Sendereihe Personenbeschreibung, die mit psychologischen Porträts von Menschen unterschiedlichster Herkunft neue Maßstäbe im Fernsehen setzte. (…) Zudem veröffentlichte Troller zahlreiche Bücher. Zuletzt wurde Troller im Mai 2023 zum Ehrenmitglied der Schriftsteller- und Autorenvereinigung PEN Berlin ernannt. Die Literarische Welt, bei der Troller als Kolumnist tätig war, bezeichnete ihn als ›Jahrhundertzeugen‹.« LINK

epd, Bericht, übernommen u.a. von Evangelischen Zeitung, 28. September 2025: »Laut ZDF hat Troller etwa 2.000 Interviews geführt und mehr als 170 Filme gedreht. Mit seinen Beiträgen für die ZDF-Sendereihe Personenbeschreibung habe er ›mit psychologischen Porträts von Menschen unterschiedlichster Herkunft neue Maßstäbe im Fernsehen‹ gesetzt. Im Mai 2023 war Troller zum Ehrenmitglied der Schriftsteller- und Autorenvereinigung PEN Berlin ernannt worden.« LINK

 

Zur Ausladung von Lahav Shani (und Canceln allgemein

ARD, Titel Thesen Temperamente, Bericht von Yasemin Ergin, 21. September 2025: »Auch PEN-Berlin-Mitsprecher Deniz Yücel positionierte sich klar für Kunst und Meinungsfreiheit ohne Wenn und Aber: ›Das ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, weil die Meinungsfreiheit bedeutet auch das Recht, sich zu Dingen, zu denen ich mich öffentlich nicht äußern möchte, mich auch nicht äußern zu müssen. Also mitsingen und mitklatschen und mitschunkeln muss man in totalitären Regimen. Zu einer Demokratie gehört auch das Recht, die Klappe zu halten.‹« LINK und VIDEO

 

Berliner Zeitung, Bericht von Susanne Lenz, 12. September 2025: »Das Flandern Festival Gent räumte zwar ein, dass ›Lahav Shani sich in der Vergangenheit mehrfach für Frieden und Versöhnung ausgesprochen hat‹, doch argumentierten die Organisatoren, dass er ›angesichts seiner Rolle als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra‹ nicht weit genug gegangen sei. PEN Berlin, die lokale Zweigstelle einer internationalen Schriftstellervereinigung, die sich für freie Meinungsäußerung einsetzt, ist ganz anderer Meinung. In einer Erklärung sagt PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn: ›Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, sich frei und ohne Furcht vor Repressalien zu äußern; sie beinhaltet auch das Recht, sich nicht äußern zu müssen. Bekenntniszwang ist ein Merkmal autoritärer und erst recht totalitärer Regime.‹« LINK

Deutsche Welle, Bericht von Elizabeth Grenier, 17. September 2025: »Auch der PEN Berlin kritisiert die Ausladung Lahav Shanis und insbesondere die Begründung, Lahav Shani habe nicht ›für nötige Klarheit über seine Haltung gegenüber dem genozidalen Regime‹ gesorgt. Ob es sich bei diesem Vorgang wirklich, wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagt, um einen Fall von ›blankem Antisemitismus‹ handelt, sei dahingestellt, heißt es in der Mitteilung vom Donnerstag. Zweifellos skandalös sei jedoch, dass die Verantwortlichen des Flanders Festival Ghent der Ansicht sind, der Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra und künftige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker müsse erst einmal beantworten, wie er es mit der Politik der Regierung Benjamin Netanjahus halte, bevor er bei ihnen Schubert, Beethoven und Wagner (!) dirigieren dürfe.« LINK

dpa-Bericht, übernommen u.a. von der taz, 12. September 2025: »Und weiter in dem Statement: ›Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, sich frei und ohne Furcht vor Repressalien zu äußern; sie beinhaltet auch das Recht, sich nicht äußern zu müssen. Bekenntniszwang ist ein Merkmal autoritärer und erst recht totalitärer Regime.‹« LINK

DLF Kultur, Studio 9, Gespräch von Ramona Westhoff mit Ijoma Mangold, 12. September 2025: »Es ist offensichtlich in diesem Jahr der Hauptquell der politischen Zerstrittenheiten auch innerhalb der westlichen Gesellschaft, ist Israel und der Krieg mit der Hamas. (…) Aber dass man ein Orchester mit seinem israelischen, mit seinem jüdischen Dirigenten auslädt, einfach nur, weil man von ihm keine ausreichend bewusste Distanzierung von einer bestimmten israelischen Politik zu hören bekommen hat, das finde ich völlig unmöglich, weil er da wirklich verhaftet wird als Jude, als Israeli.« LINK und AUDIO

3sat Kulturzeit, 11. September 2025, Bericht von Nicolette Feiler-Thull und Natalia Bieniek sowie Gespräch von Nina Mavis Brunner mit Deniz Yücel: »Das eine ist ein Grundprinzip, wenn wir über Kunst reden: Das ist die Trennung von Kunst und Künstler, von Werk und Autor. Also Lahav Shani sollte in Gent Wagner inszenieren. Wagner! Das ist wirklich eine Pointe. (…) Man kann für einen Komponisten und einen Dirigenten nicht verschiedene Maßstäbe anlegen. Oder man kann einen historischen Künstler nicht anhand anderer Kriterien messen als Künstler der Gegenwart.«. LINK und VIDEO

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