PM PEN Berlin: Berlinale nicht mutwillig zerstören!

Pressemitteilung vom 26. Februar 2026

Berlinale nicht mutwillig zerstören!

Tricia Tuttle, Wolfram Weimer
Fotos: Elena Ternovaja/Wikipedia; Jesco Denzel/Bundesregierung

Medienberichten zufolge hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer für diesen Donnerstag Vormittag eine außerordentliche Sitzung der KBB GmbH (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin) einberufen. Das ist nachvollziehbar, nach der Preisverleihung der Berlinale am Samstag gibt es gewiss Redebedarf. Irritiert haben wir jedoch die Meldung zur Kenntnis genommen, dass es dabei um die Entlassung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle gehen soll.

Die Äußerungen des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Preisverleihung kann man als unterschwellige Drohung interpretieren und missbilligen. Oder sie als Ausdruck der Verbitterung verstehen, von der deutschen Gesellschaft mit dem Schmerz über die Opfer des Gaza-Krieges allein gelassen zu werden. PEN Berlin bedauert vor allem die vertane Chance: Eine prominente palästinensische Stimme hätte sich für eine friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern, für Mäßigung und Austausch sowie gegen Terrorismus und Antisemitismus äußern können.

Doch all das tut nichts zur Sache. Abdallah Alkhatibs Äußerungen sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt – so wie es selbstverständlich auch das Tragen der Kufiya und das Zeigen der palästinensischen Flagge ist.

Und nichts davon kann man Tricia Tuttle ankreiden. Um es mit den Worten unseres Gründungsmitglieds Daniel Kehlmann zu sagen: »Sollte Tricia Tuttle wegen Dingen, die Preisträger auf der Bühne gesagt und gemacht haben, entlassen werden, wäre es die größte Katastrophe der deutschen Kulturpolitik seit der Hausdurchsuchung bei Heinrich Böll im Jahr 1972.«

Wir sind sicher: Die Berlinale als international relevantes Festival würde immensen Schaden nehmen. Eine solche mutwillige Zerstörung des deutschen Kulturbetriebs, eine selbstgemachte Provinzialisierung darf es nicht geben.

Wolfram Weimer lag darin richtig, gegen die Ausladung des israelischen Dirigenten Lahav Shani und den diskutierten Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest zu protestieren. »Wir appellieren an Herrn Weimer, auch diesmal für die richtige Seite – für die Freiheit der Kunst – Partei zu ergreifen und sich nicht zum Totengräber der Berlinale zu machen«, so PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel.

PEN Berlin. Wir stehen im Wort.

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