Pressemitteilung vom 10. August 2026
Iran: Todesurteil gegen Rapper Mahnam Navab Safavi

Das Todesurteil gegen den 22-jährigen Rapper Mahnam Navab Safavi ist ein weiterer erschütternder Beleg für die Brutalität der Islamischen Republik Iran. Ihm werden unter anderem »Krieg gegen Gott«, »Propaganda gegen das Regime« sowie »Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit« vorgeworfen. Safavi war am 10. Januar 2026 während der landesweiten Proteste in Isfahan festgenommen worden.
Safavi ist einer von vielen Protestierenden, die zum Tode verurteilt wurden und hingerichtet werden sollen. Angesichts des Massakers in den iranischen Gefängnissen fragt man sich, wo Bundeskanzler Friedrich Merz bleibt. Der Kanzler, der zu Beginn des Jahres noch erklärte, man erlebe die »letzten Stunden« der Islamischen Republik. Erinnert er sich noch an seine Worte von damals?
»Während die Bundesregierung zur Menschenrechtslage in Iran schweigt und einen Tunnelblick auf die Straße von Hormuz hat, verschärft das iranische Regime seine Repression in dramatischem Ausmaß«, sagte Daniela Sepehri, Boardmitglied von PEN Berlin. »Seit Jahresbeginn wurden mehr als 900 Menschen hingerichtet, darunter zahlreiche politische Gefangene und Protestierende. Immer mehr neue Todesurteile werden verhängt.«
Gleichzeitig greift die Islamische Republik immer tiefer in den Alltag ihrer Bevölkerung ein. In den vergangenen Wochen wurden Dutzende Social-Media-Kanäle gesperrt und Betreiber:innen zu schriftlichen Loyalitätserklärungen gezwungen. Betroffen sind längst nicht mehr nur politische Aktivist:innen oder Journalist:innen, sondern auch Künstler:innen, Blogger:innen, Reiseveranstalter:innen, Sporttrainer:innen und viele mehr. Als Vorwand dienen erneut vage Vorwürfe wie »Verstoß gegen die öffentliche Moral« oder »normwidriges Verhalten«. Es ist ein systematisches Muster staatlicher Kontrolle über Meinungsäußerung, Kultur, wirtschaftliche Tätigkeit und den öffentlichen Raum.
PEN Berlin fordert die Bundesregierung auf, die Menschenrechtslage im Iran wieder mit Nachdruck auf die außenpolitische Agenda zu setzen. »Das Schweigen zu den massiven Repressionen, den anhaltenden Hinrichtungen und der systematischen Verfolgung von Künstler:innen, Journalist:innen und anderen kritischen Stimmen sendet ein fatales Signal an das Terrorregime in Iran«, sagte Daniela Sepehri.
Am 11. September wird PEN Berlin in Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin mit einer Gala auf die Lage in Iran aufmerksam machen. Dazu kommen Journalist:innen, Künstler:innen, Literat:innen und Politiker:innen ab 19:30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele zusammen. Eine gesonderte Einladung dazu folgt.
PEN Berlin. Wir stehen im Wort.