Türkische Behörden sperren Social-Media-Konto von PEN Berlin Mitglied Barbaros Altuğ

Pressemitteilung vom 17. September 2026

Angriff auf queeres Leben in der Türkei – auch PEN-Berlin-Mitglied Barbaros Altuğ von Sperrungen betroffen

Protestierende mit einem regenbogenfarbenen Schild: »LGBTI+ dürfen nicht kriminalisiert werden!«
Foto: Serra Akcan / csgorselarsiv.org

Im Zuge der aktuellen Razzien gegen Organisationen, Einrichtungen und Clubs der LGBTQ-Szene in der Türkei haben die Behörden auch die Social-Media-Konten des in Berlin lebenden Schriftstellers Barbaros Altuğ sperren lassen. Die Maßnahme erfolgt auf Grundlage eines Gesetzes, das weitreichende Sperren von Internetinhalten unter anderem mit Verweis auf die nationale Sicherheit oder die öffentliche Ordnung ermöglicht.

»Die türkischen Behörden haben sich jahrelang darauf vorbereitet. Sie haben jetzt das Gefühl, dass weltweit niemand hinter den LGBTQ-Menschen in der Türkei steht«, sagt Barbaros Altuğ, Schriftsteller und Mitglied des PEN Berlin. »Sie denken, dass sie alle mühelos und ohne nennenswerten Widerstand auslöschen können. Wir werden beweisen, dass sie sich irren.«

 
Barbaros Altuğ
Barbaros Altuğ. Foto: © Maximilian Gödecke

Barbaros Altuğ ist offen schwul, Schriftsteller, Literaturkritiker und Literaturagent. Er lebt seit 2017 in Berlin und wurde vom PEN-Writers-in-Exile-Programm mit einem Stipendium unterstützt.

»Ich möchte, dass die Stimmen all der jungen Menschen gehört werden, die jetzt im Gefängnis sitzen – nur weil sie sich weigern, jemand anderes zu sein«, sagt Altuğ, dessen neuer Roman Die dunkelste Nacht eines langen Winters in dieser Woche auf Deutsch im Orlanda Verlag erschienen ist. »Sie wollen lieben und geliebt werden, so wie sie sind und wie es ihnen zusteht.«

Im Zuge der Operation »Meine Familie ist in Sicherheit« wurden in Istanbul, Ankara und weiteren Städten über 160 Personen festgenommen; in mindestens 81 Fällen wurde bislang Untersuchungshaft verfügt. Die Vorwürfe lauten unter anderem »Vereinsgründung zum Begehen einer Straftat«, »Prostitution« und »Obszönität«. Zudem wurden über 400 Social-Media-Konten gesperrt, was einem weitgehenden Ausschluss aus der Öffentlichkeit gleichkommt. Von den Sperrungen betroffen sind nicht nur LGBTQ-Aktivist:innen und -Organisationen, sondern auch die Türkei-Vertretung von Amnesty International, die renommierte linke Tageszeitung Evrensel, der an der Schnittstelle von Journalismus und Recht tätige Verein MLSA sowie Journalist:innen wie Şirin Payzın, ehemals Anchorwoman des Senders CNN Türk.

In den Haftanträgen der Staatsanwaltschaft wird den Beschuldigten vorgeworfen, sie würden junge Menschen zum »LGBTQ-Sein verleiten«. Dies stehe im Gegensatz zur »allgemeinen Sittlichkeit« und zu den »türkischen Familienwerten«.

Deniz Yücel, Sprecher des PEN Berlin, betont: »Vor einigen Jahren haben noch vergleichsweise begrenzte Maßnahmen, etwa das Niederknüppeln eines CSD, für einen Aufschrei in Europa und besonders in Deutschland gesorgt. Jetzt haben wir es nicht nur mit einem Angriff auf oppositionelle Aktivisten zu tun, sondern mit einem Angriff auf das gesamte queere Leben in der Türkei. Nur scheint sich niemand dafür zu interessieren.«

PEN Berlin steht an der Seite seines Mitglieds Barbaros Altuğ und fordert die Aufhebung der Zugangssperre sowie ein Ende der politischen Verfolgung der LGBTQ-Gemeinschaft.

PEN Berlin. Wir stehen im Wort.

 
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