Januar 2026 (Heimatreihe, Iran, Ilhan Çomak)
Zur Heimat-Gesprächsreihe »Ist das noch|schon mein Land?«

Hohenloher Tagblatt [Südwest Presse], Interview von Christine Hofmann mit Deniz Yücel, 31. Januar 2026: »Ich war lange Zeit der Ansicht, wie viele andere, die aus der Linken in Deutschland kommen, dass Heimat ein reaktionärer Begriff ist. Oder etwas Lächerliches. Ich wollte Weltbürger und Kosmopolit sein und damit nichts zu tun haben. Mit Anfang 50 finde ich diese Idee immer noch sympathisch. Aber die Realität ist, dass ich nicht überall gleichermaßen zu Hause bin. Ich habe mehrere Heimaten: Das ist meine Geburtsstadt Flörsheim am Main, das ist Berlin, wo ich mit Unterbrechungen seit 30 Jahren lebe, das ist Istanbul in der Türkei, wo ich sehr gerne gelebt und gearbeitet habe. Ich bin großer Italien-Fan, aber dazu habe ich nicht die gleiche Verbindung. Allerdings ist Heimat für mich nicht nur etwas Positives oder Wohlfühliges.« LINK [€] und PDF

Rhein-Nackar-Zeitung, Bericht von Ingrid Thoms-Hoffmann aus Heidelberg, 29. Januar 2026. »Was die Nazis für ihre Zwecke rassistisch instrumentalisierten, bemühten sich auf dem Podium Francesca Melandri und Ijoma Mangold und ein diskussionsfreudiges Publikum aufzubrechen. (…) Während Mangold ›keinen Grund sieht‹, das infrage zu stellen, fühlt sich Melandri als Italienerin, besser noch als Europäerin. Dass einiges in beiden Ländern in Sachen Politik schief läuft, daraus machten beide keinen Hehl. (…) Dabei kamen gerade aus der Mitte des Publikums nachdenkenswerte Vorschläge. ›Wir müssen Begriffe wie Integration neu denken‹, mahnte eine ältere Dame. Sollen fremde Menschen hier eine Heimat finden, sollten wir uns fragen, wie wir mit zwei Kulturen umgehen. ›Wir müssen bereit sein, den Zwiespalt bei uns auszuhalten‹, forderte sie ein.« LINK [€] und PDF

Badische Zeitung, Interview von Sabine Ehrentreich mit Doris Akrap, vorab zur Veranstaltung in Lörrach, 28. Januar 2026: »In anderen Veranstaltungen hat das Publikum den kleinsten Anteil, es darf am Ende ein paar Nachfragen stellen, das war’s. Das ist hier anders. Das Erstaunliche ist, wie konzentriert das Publikum ist, wie sehr genau es Bescheid weiß. Es gibt Momente des Grübelns. Wie in Baden-Württemberg hat auch die Reihe im Osten nicht unbedingt an Orten stattgefunden, wo man sich sonst den PEN Berlin vorstellt. Die Leute sind sehr dankbar dafür, dass solche Diskussionen über Themen, die sie jeden Tag beschäftigen, mal bei ihnen stattfinden. (…) Für Lörrach hat man in der Organisation mit dem Ort Tempus fugit und dem Partner Narrengilde wohl bewusst zusammengebracht, was sonst nicht unbedingt zusammenkommt. Das ist schon sehr speziell. Ich finde diese Zusammenarbeit ganz toll – in Zeiten, in denen der Narr König ist.« LINK [€] und PDF
Stuttgarter Zeitung, Interview von Tim Schleider mit Dilek Güngör, vorab zur Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd, 27. Januar 2026. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich an einem Ort beheimatet fühlen kann, wenn man keine gemeinsame Sprache hat, also sich gar nicht versteht. Die gemeinsame Sprache muss vermutlich nicht die Landessprache sein; in Berlin leben viele Menschen, die sich mit anderen auf Englisch unterhalten. Aber wenn mich die anderen nicht verstehen und es mich anstrengt, mit anderen zu sprechen, ist es schwer, eine enge Verbindung mit jemandem einzugehen. Ich bin aber dagegen, jemandem Rechte abzusprechen, weil die Person eine bestimmt Sprache nicht gut genug spricht.« LINK und PDF

Mannheimer Morgen, Kommentar von Stefan M. Dettlinger aus Mannheim, 27. Januar 2026. »Wie oft saßen wir in Debatten und kamen nach 90 Minuten, halb erschöpft, halb überfordert, endlich zu den ›Fragen des Publikums‹, das, bereits mürbe und müde, vor allem eines woll-te: nach Hause! Hier, bei der Diskussion ›Ist das noch oder schon mein Land?‹ ist es anders: Das Publikum hat (fast) den Hauptpart, haut Statements raus, stellt Fragen, outet sich. Man sollte viel häufiger genau solche Formate machen. Sie sind vielleicht intellektuell nicht ganz so brillant und auf ästhetischer und intellektueller Ebene erleuchtend, als wenn Michel Friedman oder Thea Dorn eine oder zwei Stunden allein ›philosophiert‹ hätten. Aber sie sind wichtig für die Debattenkultur, für die Demokratie, die uns alle täglich auffordert: Wir müssen reden.« LINK und PDF

Mannheimer Morgen, Bericht von Martin Vögele aus Mannheim, 27. Januar 2026. »Mit dem Publikum haben auch wir uns unterhalten, haben die Besucherinnen und Besucher vor und nach der Veranstaltung gefragt, was sie dazu bewogen hat, hierherzukommen, wie sie diesen Abend erlebt und was sie daraus mitgenommen haben. (…) Auch Mannheims ehemaliger Oberbürgermeister Peter Kurz besuchte die Veranstaltung und ergriff gegen Ende darin das Wort. ›Ich halte es für extrem wichtig in dieser Zeit, dass man tatsächlich immer wieder neue Diskussionsanlässe und Möglichkeiten zum Austausch und zum Gespräch schafft‹, konstatierte er im Anschluss. Und er finde es sehr gut, dass sich auch das Haus – das Nationaltheater also – hierfür öffne.« LINK [€] und PDF

Mannheimer Morgen, Bericht von Stefan M. Dettlinger aus Mannheim, 27. Januar 2026. »Unterhaltsam ist die vom PEN Berlin veranstaltete Diskussionsreihe zum Thema Heimat am Montagabend im Alten Kino Franklin in Mannheim gestartet. Aron Boks, einer der Moderatoren der Veranstaltung, begann den Abend partizipativ mit einfachen Fragen ans Publikum, die zwischen bitterem Ernst und augenzwinkernder Oberfläche changierten. (…) Dorn erinnerte an den Philosophen Bernhard Waldenfels, in dessen Theorie die Heimwelt und die Fremdwelt eine große Rolle gespielt hatten. Seien die beiden Welten nicht gut austariert, entstehe Angst, sagte die Philosophin. (…) NTM-Schauspielintendant Christian Holtzhauer kann die Veranstaltung als Erfolg verbuchen. Das Publikum hat aktiv mitgewirkt, was Michel Friedman Hoffnung machen sollte. Denn Moderator Stiller forderte Friedmans Mahnungen aufnehmend am Ende: ›Bleiben wir wachsam, werden wir aktiv!‹« LINK [€] und PDF

Stuttgarter Zeitung, Vorbericht von Tim Schleider zur Reihe in Baden-Württemberg, 27. Januar 2026. »Das besondere an den PEN-Veranstaltungen soll dabei sein, dass es nicht nur ein prominent besetztes Podium gibt, sondern von Anfang an auch das Publikum die Diskussion mitführen soll. (…) Kann so etwas funktionieren? ›Im Osten hat es funktioniert‹, meint Yücel selbstbewusst. (…) Besteht aber nicht trotzdem die Gefahr, dass die Abende selbst aus dem Ruder geraten und so nur zum Spiegelbild einer gespaltenen Gesellschaft werden? Deniz Yücel sieht das anders: ›Ich finde das Wort von der gespaltenen Gesellschaft komisch. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft (…).‹ Was tatsächlich unheilvoll gespalten sei, ›das ist die Öffentlichkeit, die öffentlich geführte Debatte.‹ Hier lauere eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie, wie man es überall dort beobachten könne, wo liberale Staaten zu autoritär geführten Systemen geworden seien.« LINK [€]

DLF Kultur, Studio 9, Gespräch von Julius Stucke mit Deniz Yücel, 26. Januar 2026: »Von Jean Améry gibt es einen wunderbaren Essay mit dem Titel ›Wie viel Heimat braucht der Mensch?‹. Dort findet sich die simple – und ich glaube sehr zutreffende – Feststellung: Heimat bedeutet Sicherheit. (…) Wenn wenn man Heimat mit Sicherheit gleichsetzt, kommt man dazu festzustellen, dass sehr viele Diskussionen und Themen, die uns gerade in Deutschland, aber auch sonst in der Welt beschäftigen, viel mit Ängsten zu tun haben: Angst um den wirtschaftlichen Niedergang, um Arbeitsplatzverlust, gerade in Baden-Württemberg natürlich der Niedergang der Automobilindustrie oder der drohende, Angst vor unkontrollierter Zuwanderung, Angst vor dem Rechtsextremismus, Angst vor den internationalen Verwerfungen.« LINK und AUDIO
Rhein-Neckar-Zeitung, Interview von Alexander Wenisch mit Ijoma Mangold vorab zur Veranstaltung in Heidelberg, 26. Januar 2026. »Geboren und aufgewachsen bin ich in Heidelberg. Heidelberg steht für meine Kindheit und Jugend. Solange man als Kind in der Welt lebt, in der man aufwächst, hat man eigentlich noch gar kein Heimatgefühl – es ist einfach selbstverständlich. So wie das Wasser für den Fisch: Er denkt nicht darüber nach, weil er sich ein Leben außerhalb des Wassers gar nicht vorstellen kann. Erst in dem Moment, in dem man dieses Geburtsbiotop verlässt und in die Ferne zieht, schärft sich – zumindest war das bei mir so – ein Bewusstsein dafür, wie sehr man geprägt ist: von der Region, der Mentalität, dem Dialekt und natürlich dem Pfälzer Wein, den ich sehr schätze. Mit der Entfernung von Heidelberg wurde mir erst klar, wie sehr ich daran hänge. Das ist natürlich bequem, weil man in der Ferne leicht dazu neigt, alles zu verklären und sich danach zurückzusehnen – ohne dass diese Sehnsucht wirklich auf die Probe gestellt würde. LINK [€] und PDF
SWR Kultur, lesenswert, Gespräch von Kristine Harthauer mit Deniz Yücel, vorab zur Reihe in Baden-Württemberg, 23. Januar 2026. »Dass Menschen in verschiedenen Medien wahrnehmen, in verschiedenen Wahrheiten leben, und miteinander nicht mehr diskutieren. Und das ist so, wenn man in andere Länder guckt, zum Beispiel in die Türkei oder in die USA, wo diese Prozesse schon weiter fortgeschritten sind, dann sieht man auch, wohin diese Spaltung von Öffentlichkeit führt: nämlich zu einer existenziellen Bedrohung für die Demokratie. Und dagegen vorgehen kann man nicht, wenn man das einfach nur das beklagt, sondern versucht, diese Spaltung von Öffentlichkeit zu überwinden. Das ist unser Ansatz, mit den Mitteln eines ehrenamtlich arbeitenden Vereins, nicht mehr, aber auch nicht weniger.« LINK und AUDIO
Südwest Presse, Vorbericht von Marcus Golling zur Reihe in Baden-Württemberg, 23. Januar 2026. »Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang, vor Arbeitslosigkeit, vor einer unkontrollierten Zuwanderung, vor einer Machtübernahme der Rechtsextremisten, vor der Klimakatastrophe, vor Krieg. Über all das wird aus Sicht des PEN Berlin zu oft in abgeschlossenen Zirkeln diskutiert. Diesmal seien aber alle eingeladen, bei freiem Eintritt. Sprecher Yücel: ›Das größte Problem ist die Spaltung von Öffentlichkeit. Unser Ziel ist, soweit wir das können, an jedem Abend diese Spaltung zu überwinden, in Calw oder Bad Mergentheim, aber natürlich auch in Freiburg und Heidelberg.‹ Diese Absicht zeigt sich auch auf den Podien: Dort sitzen etwa der Soziologe Heinz Bude, der frühere Stuttgarter Grünen-OB Fritz Kuhn oder die Schriftstellerin Eva Menasse, aber auch Steffen Mayer, der Landesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, die BR-Journalistin Julia Ruhs oder die frühere AfD-Politikerin Joana Cotar.« LINK und PDF
Mannheimer Morgen, Interview von Stefan M. Dettlinger mit Deniz Yücel, 22. Januar 2026. »Wir sprechen über Demokratie nicht nur als Polarisierung, sondern auch als Spaltung von Öffentlichkeit. Mit der Reihe versuchen wir, vor Ort, Abend für Abend, diese Spaltung ein bisschen zu überwinden und so eine republikanische Öffentlichkeit herzustellen, in der jeder mitreden kann (…) indem wir keine Verbotsschilder aufstellen, sondern sagen: Jeder ist eingeladen, jeder kann alles sagen – nicht zu beliebigen Zeiten und nicht in beliebiger Länge, damit viele zu Wort kommen. Aber wir haben keine Angst vor dem freien Wort. Beim letzten Mal war das Ergebnis sehr kontrovers, aber zivilisiert. Und danach sagten die Leute: ›Danke, dass Sie das ermöglicht haben. Wir hätten nicht gedacht, dass das überhaupt noch möglich ist.‹« LINK [€] und PDF
Rems-Zeitung [RND], Vorbericht von Thorsten Vaas zur Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd, 21. Januar 2026. »Was bedeutet Heimat in einer Zeit, in der sich viele Menschen verunsichert fühlen? Um diese zentrale Frage dreht sich die neue Gesprächsreihe ›Hallo Baden-Württemberg‹, die die Autorenvereinigung PEN Berlin in den Südwesten führt. Am Montag, den 2. Februar, macht die Tour Station in Schwäbisch Gmünd: Ab 19 Uhr verwandelt sich der Saal der Gmünder VHS in ein Forum für Bürgerinnen und Bürger. (…) Für die Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd ist das Podium hochkarätig und lokal verwurzelt besetzt. Neben Oberbürgermeister Richard Arnold nimmt die renommierte Autorin Dilek Güngör teil. Für Güngör ist der Abend ein Heimspiel.« LINK
Hohenloher Tagblatt [Südwest Presse], Vorbericht von Christine Hofmann zur Veranstaltung in Crailsheim, 21. Januar 2026: »Bei der diesjährigen Veranstaltungsserie gibt es einen anderen Fokus. Es geht um Heimat, um den Ort, an dem man lebt und sich zu Hause fühlt. Zugleich geht es aber auch um die Angst vor dem Heimatverlust. ›Das wird nicht immer nett. Aber mir scheint dieser Weg, die Auseinandersetzung zu suchen, der richtige‹, sagte PEN-Berlin-Sprecher Yücel. ›Besser, als in Berlin zu sitzen, unsere Demokratie zu beschwören und dabei zuzusehen, wie die Menge derer, die mit diesem Possessivpronomen bezeichnet wird, immer kleiner wird.‹« LINK [€] und PDF
Berliner Zeitung, Vorbericht von Cornelia Geißler, 19. Januar 2026: »Die Autorenvereinigung PEN Berlin nimmt erneut ein Unbehagen in der Gesellschaft auf. Nachdem sie 2024 vor den Landtagswahlen in 37 ostdeutschen Städten von Annaberg bis Zwickau öffentliche Gespräche zum Thema Meinungsfreiheit organisierte, steht nun die Frage nach Heimat im Zentrum. Probleme, eine Wohnung zu finden, die unbefriedigende Verkehrssituation, die Gesundheitsversorgung, Kriminalität und Einsamkeit beschäftigen viele Menschen. ›All diese und weitere Ängste lassen sich in einem Motiv bündeln: die Angst vor dem Verlust des Vertrauten‹, schreibt PEN Berlin in der Ankündigung.« LINK
Fränkische Nachrichten, Vorbericht zur Veranstaltung in Bad Mergentheim, 14. Januar 2026 : »Wie bei der vielbeachteten und vielgelobten Veranstaltungsreihe vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg 2024 ist das Publikum eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. (…) Am Dienstag, 17. Februar, macht PEN Berlin Station bei ›Literatur allerorten‹ in Bad Mergentheim. Um 19 Uhr diskutieren der in Bad Mergentheim geborene Politiker Fritz Kuhn, der Literaturkritiker Denis Scheck und die Übersetzerin und Journalistin Beatrice Faßbender gemeinsam mit dem Publikum über Heimat und Demokratie. (….) ›Hallo Mergentheim, reden wir über Heimat.‹« LINK [€]
Badische Zeitung, Vorbericht von Ralf Burgmaier, 14. Januar 2026 : »Auf Initiative der Schriftstellervereinigung PEN Berlin lädt der Salmen in Offenburg zu einem Gesprächsabend ein, bei dem nicht nur die geladenen Podiumsgäste zu Wort kommen, sondern vor allem auch das Publikum mitdiskutieren soll. (…) Als Vertreterin der Stadt Offenbur (…) wurde die Theatermacherin und politische Aktivistin Annette Müller für das Podium ausgewählt.« LINK [€]
Zur Veranstaltung »Iran − jetzt Regime Change?« im Berliner Ensemble

Tagesspiegel, Bericht von Christiane Peitz, 19. Januar 2026. »Zu Beginn der ausverkauften, von Shila Behjat moderierten Podiumsdiskussion am Sonntag im Berliner Ensemble steht weniger die Frage nach einem Ende von Ayatollah Chamenei im Zentrum als die seit zwei, drei Tagen immer offensichtlichere Brutalität der iranischen Revolutionsgarden und paramilitärischen Basidsch-Milizen. Eine Brutalität, die sprachlos macht, so PEN-Berlin-Sprecherin Thea Dorn. Reden wir trotzdem, versuchen wir. (…) 18.000 Tote in wenigen Tagen: Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann nennt die immense Zahl, er ist der einzige Mann in der Runde. (…) Natalie Amiri spricht von einer nie dagewesenen Repression der 180.000-köpfigen Revolutionsgarden samt der auch aus Nachbarländern eingereisten schiitischen Milizen.« LINK

rbb 24 Inforadio, Bericht von Kai Salander, 19. Januar 2026. »Die iranische PEN-Stipendiatin und Lyrikerin Mahtab Yaghma eröffnet die Gesprächsrunde im Berliner Ensemble am Sonntagnachmittag mit einer Schreckensnachricht. […] Die langjährige Leiterin des ARD-Außenstudios in Teheran, Amiri, spricht von einem ›Wechselbad der Gefühle‹ für die Menschen. Einerseits gebe es die Hoffnung, die USA auf ihrer Seite zu wissen. Andererseits hätten die Menschen Angst vor einem Militärschlag. Doch wie kann Deutschland helfen? Der CDU-Mann Johannes Volkmann wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Berlin stehe den Sanktionen nicht im Weg, sondern Brüssel. (…) Natalie Amiri will das Argument nicht gelten lassen. Deutschland könne in Brüssel sehr wohl Interessen durchboxen – siehe Autoindustrie.« LINK und AUDIO

radio3 [rbb], Radio 3 am Morgen, Bericht von Kai Salander, 19. Januar 2026. »Sepehri hat ziemlich scharf gegen Volkmann und die BAMF-Bürokratie gegenüber Iranern geschossen. [Sepheri:] ›In NRW wurde der Asylantrag eines jungen Mannes abgelehnt, der dem BAMF gesagt hat: Sie können mir hier über das Gesicht fassen, Sie spüren die Schrotkugel in meinem Gesicht. Sein Asylantrag wurde abgelehnt.‹ Volkmann hat sehr strikt gewirkt, sich gegen Gruppenanerkennungen ausgesprochen (…) Er würde sich wünschen, ›dass Politik Abwägungsentscheidungen trifft, die verantwortungsethisch begründet sind und nicht uns auf kategorische gesinnungsethische Standpunkte setzen, die im Ergebnis dazu führen, dass wir ein gespalteneres und meines Erachtens auch ein gefährdeteres Land werden.‹ Draußen vor dem Saal haben die Besucher direkt nach der Veranstaltung weiter diskutiert, vor allem über die Einschränkungen für die EU-Außenpolitik.« LINK und AUDIO

DLF Kultur, Fazit, Bericht von Gerd Brendel, 19. Januar 2026. »Die entscheidende Frage ›Gibt es eine Chance für den Sturz des Mullah-Regimes?‹ Am Anfang der Veranstaltung stand die Erinnerung an die Toten. ›Ziba aus Nishapur lebt nicht mehr‹, erzählt die Lyrikerin Mahtab Yaghma zu Beginn der Veranstaltung im Berliner Ensemble zur Situation im Iran. ›Ziba war mir die Liebste von meinen Freundinnen, 33 Jahre alt, sie hatte eine 8-jährige Tochter‹. Die junge Mutter ist eine von tausenden Opfern, ermordet in Gefängnissen und auf den Straßen Irans in den letzten Wochen und Tagen. Davon erzählt die iranische Publizistin und Künstlerin Mina Khani. Und Daniela Zeperi zitiert einen politischen Gefangenen, der schon vor einem Jahr in einem Brief aus dem Gefängnis prophezeite: ›Die Tyrannei hat immer ein Verfallsdatum.‹« LINK und AUDIO

radio eins [rbb], Der schöne Morgen, Caroline Korneli im Gespräch mit Deniz Yücel, 18. Januar 2026: »Ich finde die Menschen im Iran wirklich beeindruckend: Ungefähr alle zehn Jahre sind sie auf die Straße gegangen, jedes Mal wurden die Proteste mit großer Brutalität niedergeschlagen. Menschen wurden verhaftet, getötet, hingerichtet, flohen ins Exil und ein paar Jahre später kam die nächste Bewegung. Und jetzt sehen, dass die Abstände sehr viel kleiner werden – und auch, dass die Brutalität, mit der die Mullahs ihre Macht versuchen aufrechtzuerhalten, immer härter wird. (…) Ich glaube, eine Veranstaltung wie diese, in dieser Zeit, ist nicht einfach eine Informations- und Diskussionsveranstaltung. Sas ist auch eine politische Demonstration, zu der die Hörerinnen und Hörer des rbb herzlich eingeladen.« LINK und AUDIO

DLF Kultur, Bericht von Kristina Reymann-Schneider, 17. Januar 2026: »Das iranische Regime versuche, an ihm ein Exempel zu statuieren, sagt PEN-Berlin-Mitglied und Poetry-Slammerin Daniela Sepehri. Außer ihm seien zahlreiche weitere Dichter, Autorinnen und Journalisten inhaftiert. ›Das alles zeigt auch, wie sehr sich das Regime fürchtet vor Menschen, die was mit Worten machen. Weil das Regime ganz genau weiß, vor allem Poesie berührt Menschen und kann natürlich Menschen auch erreichen, emotional und eventuell auch sogar mobilisieren, aktiv zu werden. Und das möchte eben das Regime vermeiden.‹« LINK
radio3 [rbb], radio3 am Morgen, Anja Herzog im Gespräch mit Daniela Sepehri, 16. Januar 2026: »Die Revolutionsgarde auf die Terrorliste zu setzen, wäre für das Regime ein sehr harter Schlag. (…) Diese Revolutionsgarde unterstützt die Hamas, die Hisbollah, alle Terrorproxys in der Region und ist für diese brutale Niederschlagung der Proteste verantwortlich. (…) Ich erhoffe mir, dass wir Sichtbarkeit für das Thema Iran schaffen und Solidarität zeigen, aber auch über dieses Thema diskutieren können. Es ist auch ein Vertreter der CDU-Fraktion aus dem Bundestag dabei, um da auch nochmal Forderungen in die Politik mit reinzugeben. Und der PEN Berlin hat sich ja auch über die vergangenen Jahre immer wieder für die Menschen im Iran eingesetzt, auch in Momenten, wo niemand hingeschaut hat.« LINK und AUDIO
DLF Kultur, Fazit, Britta Bürger im Gespräch mit Daniela Sepehri, 14. Januar 2026: »Die Zivilgesellschaft kann sehr viel tun. Alles, was Sichtbarkeit schafft, hilft. Denn das Regime möchte durch diese Internetsperre bewirken, dass die Welt nicht mehr sieht, was im Iran passiert, dass die Welt wegsieht, dass die Menschen in Vergessenheit geraten, dass das Regime in diesem toten Winkel unsere Aufmerksamkeit morden kann. Und das dürfen wir nicht zulassen.« LINK und AUDIO
Zur Veranstaltung »Bringt mich fort aus dieser Stille« mit Ilhan Çomak und Jan Wagner

radio3 [rbb], radio3 am Nachmittag, Bericht von Tomas Fitzel, 9. Januar 2026, »Nach 30 Jahren Haft wurde der kurdische Dichter Ilhan Sami Çomak Ende des letzten Jahres freigelassen. 1994 wurde Ilhan Sami Çomak als junger Mann, gerade mal 21 Jahre jung, zum Tode verurteilt. (…) Dieses Urteil wurde von vielen Seiten angefochten, so auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. (…) Dreißig Jahre, drei Monate, acht Tage lang war Ilhan Sami Çomak inhaftiert. (…) Doch wenn man [ihn] erlebt, aufrecht, mit einem Lächeln, ohne Wut und Hass, dann weiß man, er war längst ein freier Mensch. (…) Wer jemals den Glauben an die existenzielle Kraft von Lyrik und Literatur verloren hat, dem gibt sie Ilhan Sami Çomak mit seinen Gedichten wieder zurück.« LINK und AUDIO
Zum Umgang mit der AfD

Welt am Sonntag, Interview von Jacques Schuster und Hannah Bethke mit Thea Dorn, Ralf Fücks, Ines Geipel und Harald Martenstein, 7. Januar 2026: [Dorn]: »Die Frage ist, welche historischen Referenzen wir heranziehen. Wenn wir in die Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg schauen, haben all jene recht, die sagen: ›Keinen Fußbreit den Autoritären.‹ (…) Allerdings handeln wir uns damit ein massives anderes Problem ein: Wir groß-koalieren uns zu Tode. Seit 2005 haben wir über weite Strecken Bündnisse, die entweder Verlegenheits- oder später AfD-Abwehrbündnisse gewesen sind. (…) Der Autoritarismus ist eine Bedrohung für die Demokratie. Eine Politik, die keine gemäßigten und dennoch markanten Parteien mehr kennt, sondern in erster Linie mit einem ›Wir alle gegen die‹ beschäftigt ist, stürzt die Demokratie aber ebenfalls in die Krise – wovon wiederum die Autoritären profitieren. Es ist ein Teufelskreis.« LINK