Pressemitteilung vom 15. Juli 2026
Marokko: Journalist Ali Lmrabet festgenommen

PEN Berlin verurteilt die Festnahme des französisch-marokkanischen Journalisten Ali Lmrabet und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.
Lmrabet wurde am 12. Juli bei seiner Einreise am Flughafen Tanger festgenommen und nach Casablanca gebracht. Die marokkanischen Behörden werfen ihm die »Verbreitung falscher Informationen« in den sozialen Medien vor, die staatliche Institutionen untergraben würden. Er befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam.
Der marokkanische Journalist und PEN-Berlin-Stipendiat Imad Stitou sagte: »Die Festnahme von Ali Lmrabet ist das jüngste Kapitel einer langjährigen Kampagne, die darauf abzielt, die verbliebenen unabhängigen Stimmen in Marokko zum Schweigen zu bringen – jene Stimmen, die ihre Ansichten mit Integrität, Mut und Offenheit sowie frei von politischer Einflussnahme äußern. Der Rückgriff auf Strafanzeigen, um Journalisten für die Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung zu bestrafen, hat sich zu einem festen Muster entwickelt, mit dem die marokkanischen Behörden andere einschüchtern. Ziel ist es, Angst zu schüren und zu signalisieren, dass selbst Stimmen aus dem Exil nicht vor Repressionen sicher sind.«
Ali Lmrabet zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten regierungskritischen Journalisten Marokkos. Er prangerte wiederholt die Monarchie, die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht, Korruption im Umfeld des Königshauses sowie Menschenrechtsverletzungen und den wachsenden Einfluss der Sicherheitsbehörden an. Darüber hinaus setzte er sich öffentlich für inhaftierte Journalisten ein.
Bereits 2003 wurde er wegen kritischer Berichterstattung über das Königshaus zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, seine Zeitungen Demain und Doumane wurden verboten. Nach einer königlichen Begnadigung kam er 2004 frei. 2005 untersagte ihm ein Gericht für zehn Jahre die Ausübung seines Berufs in Marokko. Seit 2015 setzt er seine journalistische Arbeit aus dem Exil in Spanien fort und veröffentlicht unter anderem für spanische Medien und auf seinem YouTube-Kanal Beiträge zu politischen Themen in Marokko. 2014 würdigte ihn Reporter ohne Grenzen als einen der »100 Helden der Information«.
Die Festnahme Lmrabets reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Nur einen Tag später wurde auch der marokkanische Filmemacher und Musiker El Mahdi Lyoubi in Casablanca festgenommen – laut seinem Umfeld wegen regimekritischer Äußerungen in den sozialen Medien und seiner Unterstützung der Jugendbewegung GenZ 212.
Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Marokko Platz 105 von 180 Staaten. Unliebsame Journalist:innen, Medien- und Kulturschaffende werden dort zunehmend strafrechtlich verfolgt und eingeschüchtert.
PEN-Berlin-Boardmitglied Daniela Sepehri sagte: »Die marokkanischen Behörden sollen Ali Lmrabet unverzüglich freilassen und davon absehen, das Justizsystem zu instrumentalisieren, um gegen unabhängige Stimmen vorzugehen.« Deutschland unterhält enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Marokko. Gerade deshalb sollte die Bundesregierung die Pressefreiheit und den Schutz unabhängiger Journalist:innen in ihrem Dialog mit Marokko konsequent zum Thema machen. Journalismus ist kein Verbrechen.
PEN Berlin. Wir stehen im Wort.