Heimat-Reihe: Medienberichte

PEN Berlin
Agnieszka Bormann , Oliver Reinhard (Mod.), Marko Martin. Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz, 05.05.2026 | Foto: PEN Berlin

MDR Kultur, Gespräch von Annett Mautner mit Deniz Yücel, 5. Mai 2026: »Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, dass man im Osten eher dazu neigt, Argumente auszutauschen und nicht Empörung. Also diesen Satz: ›Das und das ist sowieso -istisch‹, und damit eine Meinungsäußerung für illegitim, für unzulässig zu erklären – dieser Hang ist im Osten weniger ausgeprägt. Hier kommt eher: ›Das stimmt doch gar nicht, was du da sagst.‹ Ich finde, das ist eine ganz andere Gesprächsgrundlage. Hier geht es um die Kraft des besseren Arguments. Das ist im Osten, scheint mir, stärker ausgeprägt und das finde ich sehr sympathisch. Im Westen ist man sehr viel schneller bei Empörung, dabei, bestimmte Sachen für unzulässig, für illegitim zu erklären. LINK und AUDIO

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Maxi Obexer, Sabine Schicketanz (Mod.), Jens-Peter Golde. Museum Neuruppin, 30.04.2026 | Foto: PEN Berlin

Sächsische Zeitung, Interview von Oliver Reinhard mit Deniz Yücel, 3. Mai 2026: »Es gibt die Ansicht, dass Heimat dort sei, wo man sich wohlfühlt. Ich schließe das nicht aus, aber es genügt mir nicht. Bei unserer Veranstaltung in Heidelberg sagte die italienische Schriftstellerin Francesca Melandri: Heimat ist das Gegenteil von Einsamkeit. Und in Stuttgart sagte Eva Menasse: Heimat ist der Ort, für den man sich auch schämt. Ich glaube, beides trifft zu. (…) Und es gibt auch nicht nur positive ›Heimat‹-Zuschreibungen. Ich finde, dass ›Heimat‹ ganz schön unheimlich werden und einem Angst machen kann. So war es bei mir, als ich nach dem Militärputsch 2016 trotzdem in Istanbul geblieben bin und haufenweise türkische Kollegen verhaftet wurden, auch Freunde von mir. Andere haben mich gewarnt: Du fällst auf.« LINK [€] und PDF

In-Neuruppin.de, Bericht von Volkmar Heuer-Strathmann, 1. Mai 2026: »Die seit über dreißig Jahren in Berlin lebende Autorin Maxi Obexer (…) hasst Nationalismus. (…) Und sie verknüpft Heimatgefühle mit Verantwortung und Engagement. (…) Jens-Peter Golde, bekennender Ostdeutscher mit DDR-Laufbahn und lange Zeit Bürgermeister in und von Neuruppin, brachte außer Oststolz die europäische Identität ins Gespräch. Gleichzeitig insistiert er darauf, dass Heimatgefühle ihre Grundlage in guter Nachbarschaft hätten, im Vereinsleben, in der Stadtkultur, im Alltag eben und nicht im Bücherschrank. (…) Auf zwei ganz verschiedenen Ebenen sah eine Zuhörerin die beiden Exponierten. Über den Begriff der Verantwortung konnte allerdings eine Verbindung hergestellt werden.« LINK

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Michael Helbing, Elisabeth Kaiser, Romina Nikolić (v.l.n.r.). Greiz, 10aRium, 29.04.2026 | Foto: PEN Berlin

dpa, Bericht, übernommen u.a. von ntv.de, 28. April 2026: »Der Publizist Deniz Yücel sieht unterschiedliche Diskussionskulturen in Ost- und Westdeutschland. Er habe die Erfahrung gemacht, ›dass der Hang zur Empörung im Westen viel höher ist. Im Osten geht man eher ins Argumentieren‹, sagte Yücel der Thüringer Allgemeinen. Yücel ist Sprecher der Autorenvereinigung PEN Berlin. Die Vereinigung lädt derzeit zu einer Reihe von Abendveranstaltungen, bei der Prominente und Bürger über Heimat sprechen. Insgesamt sieht Yücel eine Polarisierung in der Gesellschaft. ›Unsere Idee ist, diese Polarisierung Abend für Abend ein Stück aufzuheben‹, so Yücel. ›Die Menschen können miteinander reden, und auch wenn hart diskutiert wird, ist ein Austausch von Argumenten möglich. Oft bedanken sich am Ende Teilnehmer dafür, dass wir diesen Raum geschaffen haben.‹« LINK

Thüringer Allgemeine, Interview von Elena Rauch mit Deniz Yücel [vor der Veranstaltung in Greiz] 25. April 2026: »Es gibt eine Idee von Heimat als Idyll, in dem man sich wohlfühlt. Doch Heimat kann auch ganz schön unheimlich sein. Es ist schwierig, ihr zu entrinnen, und ich will das auch gar nicht. Die andere Seite von Heimat, die gerade nicht behaglich, schön und demokratisch ist, empfinde ich als Verantwortung dafür, dass diese Heimat ein besserer Ort wird. (…) Ich glaube, dass zum Begriff Heimat auch der Moment von Verlust gehört. Der Verlust von Kindheit, der Verlust des Blicks auf die Welt, der nie wieder so sein wird, wie man ihn als Kind hatte. Insofern schwingt im Begriff Heimat auch eine nicht erfüllbare Sehnsucht mit. Zwischen dieser Sehnsucht nach einem Ort in einer Zeit und einer sich verändernden Welt liegt eine Spannung.« LINK [€] und PDF

epd, Bericht, übernommen u.a. von Evangelisch.de, 23. April 2026: »Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin tourt mit einer Gesprächsreihe durch Ostdeutschland. Unter dem Titel ›Ist das noch|schon mein Land?‹ solle es bei den öffentlichen Diskussionen um Heimat gehen, kündigte PEN Berlin am Donnerstag an. Erste Station ist am Mittwoch das ostthüringische Greiz. (…) Diskutiert werden solle darüber, was Heimat ist, wie viel Heimat der Mensch braucht, was erforderlich ist, um sich zu beheimaten, was das Heimatgefühl gefährdet und wie Heimat im Plural geht.« LINK

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