August 2026: Heimatreihe, Iran, Eva Menasse
Zur PEN-Berlin-Heimatreihe
Volksstimme, 2,1 Millionen − Der Politikpodcast für Sachsen-Anhalt, Gespräch von Lena Bellon mit Deniz Yücel [vorab], 5. August 2026: »Wenn über 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes denken, dass in Deutschland die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei, dann ist es ein Problem. Entgegenwirken kann man nur, wenn man das tatsächlich erfahrbar macht. Deswegen ist das Publikum bei allen Veranstaltungen als vierter Gast mit angekündigt. Wir sagen: ›Her kann jeder alles sagen, nur nicht in beliebiger Länge und nicht zu beliebiger Zeit‹ – damit möglichst viele Leute zu Wort kommen und alle sich gegenseitig zuhören. Aber wir sagen nicht Meinungsfreiheit und stellen Verbotsschilder auf.« LINK
Deutschlandfunk, Kultur heute, Gespräch von Lucca Pizzato mit Jackie Thomae, 10. August 2026 [vor der Veranstaltung in Bitterfeld-Wolfen]: »Ich habe noch nie − ich bin 1972 geboren − eine so besorgte Zeit erlebt wie derzeit. Und die spannende Frage ist in der Reihe, in der das Publikum einen Gast darstellt, also das Mitmachen unbedingt gewünscht ist, ob die Leute sagen ›Ja, ich bin hier zu Hause, das ist meine Heimat‹ oder ›Nein, das ist nicht mehr mein Land‹ oder ›Ja, das ist schon mein Land, war es lange nicht. Aber ich habe mir das erarbeitet.‹ Das sind spannende Fragen, die wir da beackern werden. Und ich kann überhaupt nicht vorhersagen, wie das stimmungsmäßig so wird. Deshalb freue ich mich darauf.« LINK und AUDIO

Bayern 2, Die Welt am Morgen, Gespräch von Matthias Hacker mit Jackie Thomae [vor der Veranstaltung in Bitterfeld-Wolfen]: »Ich weiß, dass es sehr emotional war, die letzten Veranstaltungen, die der PEN in dieser Reihe gemacht hat, (…) dass es ein Ort war, an dem die Leute sich getraut haben, was zu sagen, zu diskutieren und ganz offen miteinander umzugehen. Also eben nicht dieses ›Wir müssen auch andere Meinungen aushalten‹. Da wird immer dieses große Wort ›Aushalten‹ benutzt. Und sobald dann jemand sagt, was abweicht, gibt es Ärger oder gar einen Shitstorm. Ich glaube, dass diese Veranstaltung genau das nicht macht, dass diese Veranstaltung dafür da ist, dass man das, was andere Leute sagen, erst mal interessant findet.« AUDIO

DLF Kultur, Fazit, Bericht von Ulrich Wittstock aus Bitterfeld-Wolfen, 10. August 2026: »Das war nicht so, dass da jemand aus Berlin kam und den Menschen hier in Bitterfeld-Wolfen erklärt, wie man mit dem Begriff Heimat sinnvoll umzugehen habe. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, das war auch die größte Überraschung für viele: dass die Leute aufgefordert wurden, sich außerhalb der üblichen Denkmuster zu bewegen, also ihren eigenen Denkraum ein bisschen zu erweitern. Und es waren auch Parteigänge der AfD hier, die haben ihre Sichtweise geäußert. (…) Und das ist ja etwas, was hier im Osten immer wieder beklagt wird: diese Sprachlosigkeit, dass man eben nicht mehr in der Familie oder im Freundeskreis über Politik debattiert, sondern schweigt und aus Angst vor Gegenrede gar nichts sagt. Das war heute nicht so.« LINK und AUDIO

MDR Kultur, Kultur am Vormittag, Bericht von Ole Steffen aus Bitterfeld-Wolfen, 11. August 2026: »Das Licht, neonweiß, sehr hell, eher ungebütlich, nicht unbedingt die Atmosphäre eines Kamingesprächs über Heimat. Das sollte der Abend aber offenbar auch gar nicht sein. Vielmehr war er gedacht als ein Dialogformat, bei dem sich wirklich alle sehr aufmerksam zugehört haben. Zunächst haben Deniz Yücel und Jackie Thomae in der ersten halben Stunde ihre Assoziation zum Thema Heimat in den Raum geworfen. (…) Das war bemerkenswert zu erleben, wie diese Öffnung des Dialograums über Heimat plötzlich auch ganz andere Themen zu Tage gefördert hat.« LINK und AUDIO

radio 3, Radio 3 am Morgen, Gespräch von Anja Herzog mit Jackie Thomae aus Bitterfeld-Wolfen, 11. August 2026: »Es ist nichts Pädagogisierendes und es ist auf gar keinen Fall ideologisch, sondern es ist so, dass diese Idee, dass Leute sich draußen treffen und miteinander reden, eben vielleicht Dinge ganz anders darstellt oder auch abfangen kann, die online komplett aus dem Ruder gelaufen sind, auch im Tonfall. Und wenn man nett miteinander redet, merkt man, wie viel das öffnet und wie viel das auch ebnet. Und wenn das gut kommuniziert wird, ist das ein total interessanter Abend für die Leute da vor Ort.« LINK und AUDIO

Tagesspiegel, Bericht von Gerrit Bartels aus Bitterfeld-Wolfen, 11. August 2026: »Ein Herr in einem schwarzen Anzug, der im Publikum bekannt zu sein scheint, verweist auf den Meinungskorridor, in dem er sich befinde, ohne das Wort als solches zu verwenden: ›Man muss auch anderer Meinung sein dürfen.‹ Und dann sagt er: ›Wenn alle Welt jetzt Angst hat vor der Wahl in Sachsen-Anhalt, vor der AfD, können Sie sich nicht auch vorstellen, dass jemand Hoffnung damit verbindet?‹ Im Publikum scheint das eine Einzelmeinung zu sein. Sie wird sogleich damit gekontert, dass ein Begriff wie Heimat von den Parteien instrumentalisiert werde.« LINK [€] und PDF

Mitteldeutsche Zeitung, Bericht von Anja Falgowski aus Dessau, 12. August 2026: »Um Heimat also sollte es gehen, ein Thema, bei dem sich allerlei unterbringen ließe, begründete Yücel im Vorfeld die Wahl. Diese Möglichkeit besteht durchaus, der Begriff ist weit. Tatsächlich wurde es immer dann besonders interessant, wenn sich die Gesprächspartner auf dem Feld ihrer eigenen Expertise – Kopetzky als Autor der ›Harzreise‹ und Stadtrat, Alme als Bundeswehrangehöriger – bewegten. Klug, reflektiert, erklärend und dabei nicht belehrend. Vielleicht war das der Grund dafür, dass der Anteil der Fragen aus dem Publikum den der eigenen Redebeiträge überwog. Und obwohl der PEN Berlin die Gesprächsreihe ganz ausdrücklich nicht als Wahlkampf verstanden wissen will – das ist sie tatsächlich nicht –, politisch wurde es dennoch. Was nicht wundern kann angesichts der bevorstehenden Wahlen im Land.« LINK [€] und PDF

Mitteldeutsche Zeitung, Bericht von Marcel Duclaud aus Wittenberg, 15. August 2026: »Carsten Franzke stimmt ein Loblied auf Wittenberg an, eine tolle Stadt, in der nach der Wende vieles aufgebaut wurde: ›Wir haben angepackt und gestaltet. Wir können stolz sein.‹ Allerdings gelte es jetzt, zu verhindern, dass durch ›falsche Wege‹ gefährdet wird, was so mühselig entstanden ist: ›Die Insolvenzen steigen‹, warnt der Geschäftsführer. Lukas Rietzschel spricht von der Landschaft, von der Gerüchen, die ihn in die Heimat ziehen: ›Wir haben keinen ICE, wir sind weit weg, wir haben Ruhe.‹ Im Übrigen sei Görlitz eine wunderschöne Stadt. Von einer erstaunlichen Verklärung der DDR, gerade bei jungen Leuten, spricht der Autor auch. Wenn jemand die DDR zurückhaben wolle, ergänzt Franzke, könne das nur mit Unwissenheit zu tun haben.« PDF

Mitteldeutsche Zeitung, Bericht von Beate Reinke aus Weißenfels, 15. August 2026: »Eingeladen hatte die Autorenvereinigung PEN Berlin. (…) In dem Bestreben, viele Kreise zu besuchen, fiel die Wahl auch auf Weißenfels und damit auf einen Ort, den der PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel bisher nur vom Hörensagen kannte. ›Wir kommen nicht aus Berlin, um zu sagen, wo es langgeht‹, betonte der deutsch-türkische Journalist und Publizist gegenüber der MZ. ›Jeder kann hier alles sagen, es folgt kein Aber.‹ Dieser Raum zum offenen Austausch wurde verantwortungsvoll, fair und konstruktiv genutzt. Den Diskurs führten auf dem Podium Martin Papke (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Weißenfels, und der Schriftsteller und Musiker Sebastian Caspar unter der Moderation der Journalistin Julia Hemmerling.« PDF

Du bist Halle, Bericht, vor der Veranstaltung in Halle, 16. August 2026: »Inhaltlich kreist der Abend um Fragen, die die gesamte Reihe begleiten: Was bedeutet Heimat heute – zwischen persönlichem Sicherheitsgefühl und politischer Aufladung des Begriffs? Wie verändert sich Zugehörigkeit, wenn Ängste vor gesellschaftlichem Wandel wachsen? Und was macht ein spezifisch ostdeutsches – oder in diesem Fall auch ein jüdisches – Heimatgefühl aus? Der Ort der Veranstaltung, die Jüdische Gemeinde Halle, verleiht diesen Fragen an diesem Abend ein besonderes Gewicht.« LINK
Mitteldeutsche Zeitung, Bericht von Margit Herrmann aus Zeitz, 17. August 2026: »Moderiert wurde die Gesprächsrunde von der Journalistin Jessica Quick, die als Ressortleiterin bei der Mitteldeutschen Zeitung arbeitet. Eine besondere Rolle kam dabei den Zuhörern zu: Sie waren ausdrücklich als „dritter Gast“ eingeladen, Fragen zu stellen, zu widersprechen und eigene Erfahrungen einzubringen. (…) So entwickelte sich ein offenes Gespräch über gesellschaftlichen Zusammenhalt, unterschiedliche Perspektiven und die Frage, was Menschen verbindet und was sie auseinanderbringen kann.« LINK und PDF
MDR, artour, Beitrag von Rayk Wieland aus Freyburg, 20. August 2026: »[Deniz Yücel:] ›Wenn über 40 Prozent der Menschen dieses Landes den Eindruck haben, dass man in Deutschland in politischen Dingen seine Meinung nicht frei äußern könne, dann hat die Demokratie ein Problem.‹ (…) [Clemens Meyer:] ›Es ist wichtig, in die sogenannte Provinz zu gehen, die Leute dort zu treffen und ihnen zu zeigen: Es wird nicht nur in Berlin, in Leipzig, in Dresden in Magdeburg Politik gemacht, sondern auch in der Provinz. Wir kommen hierher mit dem PEN, um Meinungen auszuloten, um auch einen Raum zu schaffen, wo Leute sagen können, was sie jetzt gerade denken. Ob uns das jetzt passt auf der Bühne oder dem Moderator oder den anderen Teilnehmenden, ist mir egal. Dass diese Räume geschaffen werden, finde ich enorm wichtig.‹«
Zu neuen Hinrichtungen im Iran
DLF Kultur, Fazit, Gespräch von Britta Bürger mit Daniela Sepehri, 8. August 2026: »Nach den Massakern auf den Straßen im Januar folgt gerade das nächste Massaker, nämlich in den Gefängnissen. Und es betrifft immer stärker die politischen Gefangenen. Wir haben seit Anfang des Jahres mehr als 900 Hinrichtungen, die im Iran vollstreckt worden sind. Dutzende Protestierende, die Anfang des Jahres festgenommen worden sind, in Schnellverfahren und in Scheinverfahren zum Tode verurteilt worden sind. Verfahren, die wenige Minuten gedauert haben. Es wurde vor einiger Zeit auch ein Rapper beispielsweise, ein 22-jähriger Rapper, Mahnam Navab Safavi, zum Tode verurteilt. So wie viele andere Protestierende ebenso. Menschenrechtsorganisationen kommen kaum noch hinterher, die vielen Hinrichtungen zu dokumentieren. Es ist ein regelrechtes Massaker in den Gefängnissen gerade.« LINK und AUDIO
Deutschlandfunk, Meldung, 10. August 2026: »Der PEN Berlin wirft der Bundesregierung vor, dass sie einen ›Tunnelblick auf die Straße von Hormuz‹ hat und zu der Menschenrechtslage im Iran schweigt. Demnach nutzt der Iran die Aufmerksamkeit des Westens auf die wirtschaftliche Lage, um die Repressionen gegen seine Bevölkerung zu verschärfen. Der Schriftstellerverband warnt: ›Das Schweigen zu den massiven Repressionen, den anhaltenden Hinrichtungen und der systematischen Verfolgung von Künstler:innen, Journalist:innen und anderen kritischen Stimmen sendet ein fatales Signal an das Terrorregime in Iran.‹« LINK
Eva Menasse über die PEN-Berlin-Gründung
Tagesspiegel, Interview von Gerrit Bartels mit Eva Menasse, 13. August 2026: »Trotzdem waren die PEN-Berlin-Jahre eine unglaublich interessante Zeit. Ich habe viel gelernt, so viel vielleicht wie seit Grundschulzeiten nicht mehr. Was Politik anbetrifft, Gruppendynamik, Bürokratie, aber vor allem, wie es um den Zeitgeist steht: diese Überhysterisierung von wirklich allem. (…) Ich war schockiert vom inneren Zustand von PEN Deutschland und hatte großen Respekt vor Deniz Yücel, Sophie Sumburane, Konstantin Küspert, Joachim Helfer und den anderen, die ja angetreten sind, den alten Darmstädter PEN zu reformieren. Im Grunde war auch das eine wahre Deutschland-Metapher: Da kommen welche und haben den Willen, die Energie und auch den Humor für eine Reform, aber reflexhaft wird die ganz große Panzerwand errichtet und alles prallt ab. Uns schien damals die Neugründung der einzige Weg, besser jedenfalls als nur ein Massenaustritt, der sich abzuzeichnen begann. So bin ich reingeraten, so kam es zur Gründung von PEN Berlin. Ich halte es weiterhin für richtig, bereue es keineswegs, ich war danach nur sehr erschöpft.« LINK [€]